XT-Stammtisch Sommerfest 2015

Fachsimpeln vor dem Start
Fachsimpeln vor dem Start

Ungefähr 20 Minuten vor Eins treffe ich bei der Tankstelle ein. Vorher habe ich noch eins meiner Motorräder aus meiner Werkstatt geholt und unterwegs Maren aufgesammelt, deren Motorrad derzeit nicht fahrbereit ist. Ein bunter Haufen Motorräder steht beim LKW-Parkplatz, wir gesellen uns dazu und begrüßen erstmal alle. Schon jetzt eine größere Gruppe wie bei den letzten gemeinsamen Ausfahrten.
Ich habe mich wie immer angeboten, das Gepäck mit dem Auto zu transportieren, mit leerem Mopped fährt sich die geplante Tour leichter. Schon vor zwei Monaten hatte ich Jörg dazugewinnen können, eine Tour auszuarbeiten und die Rolle des Tourguides zu übernehmen. Beim letzten Stammtisch meinte Frank, da muss noch ein wenig OffRoad rein, weshalb sich beide darauf verständigten, dass Frank die ersten paar Kilometer die Route vorgibt und die Führung übernimmt.

Motorräder mit Fahrern
Motorräder mit Fahrern

Susanne ruft an und fragt, ob wir das Fest nicht auf ihren Hof verlagern sollten. Es hat kurz geregnet und ist recht windig geworden. Nach einer kurzen Rückfrage lehnen wir ab, die Wiese ist ein Teil des Abenteuers.

Da mir bei der Anfahrt im Kofferraum alles umgefallen ist, bitte ich die Motorradfahrer, ihr Gepäck erstmal hinter das Auto zu legen, einpacken werde ich es dann, wenn sie unterwegs sind. Zwischenzeitlich lasse ich den Block mit den Haftungsverzichtserklärungen rumgehen. Als alle angemeldeten Teilnehmer angekommen sind, gibt es von mir eine kurze Begrüßung und ein Briefing für die gemeinsame Ausfahrt. Ich empfehle auch, aufzutanken, denn vor Ort gibt es keine Tankstelle. Danach reihen wir die Motorräder im Parc ferme-Stil auf – für ein schönes Foto.

Es geht los
Es geht los

Die Motoren werden angelassen, Helm und Handschuhe angezogen, dann rollt die Karawane mit einer guten halben Stunde Verspätung vom Hof.

Maren und ich beginnen damit, das Gepäck im Auto zu verstauen. Das wird schwerer als gedacht. Mit viel Schieben und Drücken bringen wir dann doch alles unter, kein Zenitmeter Platz zu viel. Schnell noch nebenan Fleisch und Brot zum Grillen besorgt, dann fahren auch wir los. In der Buchenau machen wir einen weiteren Stop und kaufen die Getränke ein. Die verstaue ich auf dem Anhänger – ins Auto würden sie auch nicht mehr passen, wenn ich Maren zurücklasse.

Gut 40km haben wir zu unserem Ziel. Zeit, sich ein wenig zu unterhalten – und sich über einen Mercedes-Fahrer aufzuregen, der mal so richtig provozierend langsam unterwegs ist. Es braucht normalerweise lange, um mich im Straßenverkehr aus der Ruhe zu bringen. Hier verstehe ich, wenn sich manch einer zu einem gefährlichen Überholmanöver hinreisen lässt. Ich bleibe dahinter, so vollgeladen und mit Hänger brauche ich ein wenig mehr Raum und den gibt die kurvige, unübersichtliche Strecke nicht her.

Aubau des Lagers
Aubau des Lagers

In Seefeld müssen wir eine Umleitung nehmen, leider biegt der Vordermann auch ab. Auf der langen Geraden ist er mittlerweile auf 20km/h herunter, ich versuche zu überholen, er verhindert das, indem er seinen Benz nach links über die Mittellinie zieht. Am Ende der Geraden biegt er nach rechts in einen Parkplatz ab, ich habe das Verlangen auszusteigen und ihn um die Kurve zu schieben.

Dann haben wir wieder freie Fahrt bis nach Machtlfing. Viele der Geschäfte in Seefeld haben schon zu – war doch eine gute Idee, vorher einzukaufen (auch denen, die die Motorradtour mitfahren, hatte ich das empfohlen). Maren bewundert das Hochmoor vor Machtlfing, dann sehen wir schon Kirchturm und Maibaumspitze. Die Alpen drapieren sich im Hintergrund, nicht ganz so klar wie bei Föhnwetter, dennoch eindrucksvoll. Jörg will Richtung Peißenberg fahren, das wird bestimmt auch visuell eine schöne Tour für die Teilnehmer.

Susanne und Schorsch haben eine Art Flohmarkt in einer Scheune aufgebaut. Antiquitäten aus dem alten Haus, was nächstem Montag dem Bagger zum Opfer fällt. Ein paar Interessenten stöbern durch das Angebot, während wir uns begrüßen.
Zusammen mit Schorsch belade ich den Hänger des MB-Traks. Bierzeltgarnituren, den Grill, die Feuerschale, Feuerholz, Pylonen und noch ein paar Baumstammstücke für das Training. Susanne und Maren verschwinden in der Küche auf einen Kaffee.

Das Camp
Das Camp

Dann höre ich die Motorradkarawane heranbollern. Es ist kurz vor vier – viel zu früh, wenn man davon ausgeht, dass sie mit Verspätung losgefahren sind. Wir sagen den Mädels Bescheid, dann setzen Schorsch und ich uns mit unseren Fahrzeugen in Bewegung. Wir sind kaum aus dem Ort, da kommt schon ein Anruf von Jörg: ‚Wir sind angekommen‘. Wenig später sind auch wir dort und suchen einen windgeschützten Platz für unser Lager. Dort stellen wir Zelte und Bierzeltgarnituren auf, was dank vieler helfender Hände viel schneller geht als das Aufladen.

Nachdem das erste Stück OffRoad auf allgemeine Begeisterung gestoßen war, hat man Frank darum gebeten, das zu verlängern, weshalb die von Jörg geplante Tour nach Peißenberg einer verlängerten Schottertour weichen musste (Die holen wir ein andermal nach). Das erklärt auch die frühe Ankunft der Truppe.
Etwas abseits wähle ich einen Platz für das Training und bringe mit ein paar Helfern die Stammstücke dahin. Jürgen hilft dabei, Bretter an die Enden zu nageln, damit sie beim Drüberfahren nicht wegrollen. ich verteile Pylonen und Hindernisse so, dass man auch mit mehreren Motorrädern üben kann.

Erste Übungen
Erste Übungen

Zurück am Lagerplatz schielen die ersten Augen schon ungeduldig auf meinen Hänger. Also lade ich die Fantic ab und ziehe Knieschützer, Hose und Stiefel an. Während die eine Gruppe den Grill anwirft (die geplante Einkehr unterwegs fiel der Schottererweiterung zum Opfer) beginne ich mit den Interessierten mit dem Enduro-Grundlagenworkshop. Erst ein wenig Theorie, Vorbereiten des Motorrads, Grundhaltung etc., dann gleich die ersten Übungen – soll ja nicht zu trocken werden. Ich lasse Achten fahren, erstmal ohne Anleitung. Dann erkläre ich die Körperhaltung und Fahrzeugführung für das OffRoadfahren und lasse sie die Übung wiederholen. Schon sind dieAchten viel enger, ein allgemeines Aha-Erlebnis für die Gruppe.
Ich lasse immer einen auf die Strecke, der Rest mach Pause und begutachtet Haltung und Kurs des gerade Fahrenden. Dauert auch nicht lange, bis die ersten von der Grillfraktion dazustoßen, einen Sitzplatz am Hang suchen und sich auch mit Kommentaren á la Waldorf und Statler nicht zurückhalten.

Waldorf und Statler sind auch da ;)
Waldorf und Statler sind auch da 😉

Wir üben derweil Anfahren, bergauf, bergab, Notstop am Hang und wie man den Hang quert. Die Gruppe ist mit Elan und Freude dabei und auch mir macht es Spaß, das Wachsen zu beobachten. Egal ob mit der kleinen DR350 von Marion oder Oliver mit seinem 30l-Tank Boliden, die Kreise sind mittlerweile eng und sehr präzise. Marion und Oliver sind besonders unersättlich und beginnen schon mal damit, über die Hindernisse zu fahren. Zwar nicht, ohne sich das von mir erklären und auch praktisch zeigen zu lassen, dafür aber mit Elan. Beide fahren das mit meiner Fantic. Oliver wechselt von der Fantic auf sein Dickschiff und ist begeistert, wie einfach sich auch diese mit der erlernten Technik dirigieren lässt. Eigentlich wollte er Schluß machen für heute. Nachdem er die Hindernisse mehrfach genommen hat fährt er eines davon bergab an. Er kommt recht schnell daher, ich winke noch ab, aber es ist schon zu spät. Er hebt das Vorderrad zu früh, setzt es dann auf dem runden Stamm ab und rutscht seitlich weg. Die Fußraste hinterlässt eine Furche in der Wiese, während Oliver auf dem weichen Grasboden abrollt. Außer einem verbogenen Lenker und ein wenig angekratztem Übermut ist aber nichts passiert.

Lagerfeuer-Romantik
Lagerfeuer-Romantik

Genug mit dem Workshop für heute. Zeit für freies Fahren und/oder um sich zusammenzusetzen. Das Lagerfeuer blinzelt schon herüber und als es langsam anfängt zu dämmern, gehe ich zurück zum Lager und hole mein Grillgut aus der Kühlbox. Es ist ein toller Abend. An den Tischen wird sich angeregt unterhalten, der Grill brutzelt vor sich hin und das Lagerfeuer bringt Motorrad-Romantik ins Spiel. Es ist weit nach Mitternacht, als sich die ersten in ihre Nylonvilla zurückziehen. Beim harten Kern wird es 03:00 Uhr – nicht zuletzt, weil ‚jemand‘ noch schnell ein großes Stück Feuerholz nachgelegt hat, bevor er sich auch ins Zelt verabschiedete. Wir bleiben sitzen, bis das Feuer tief in der Feuerschale zu einer milden Glut zusammengesackt ist. Als ich mich ins Auto zurückziehe, fallen ein paar Regentropfen.

Es regnet
Es regnet

Allzu lange habe ich wohl nicht geschlafen, eine Fliege ärgert mich. Von außen höre ich Regentropfen aufs Dach prasseln. Nee, erstmal keine Lust aufzustehen. Ich ziehe mir den Schafsack über den Kopf und döse noch ein wenig vor mich hin.
Um 08:00 Uhr klopft Susanne an die Seitenscheibe. Sie hat mit Schorsch schon mal ein paar Bierzeltgarnituren aufgeladen und gibt mir Bescheid, dass der Kaffee schon durchläuft. Dann machen sich die beiden auf den Weg. Ich ziehe mich an und putz mir die Zähne. Es ist noch ruhig im Camp. Nur Jürgen ist schon wieder fit und streicht umher. Wir heben die Lautstärke unseres Gespräches an und wo das nicht hilft, rütteln wir schon mal ein wenig am Zelt. So nach und nach kommt Leben auf den Platz, der Regen hat mittlerweile fast aufgehört. Knapp eine halbe Stunde später sind alle wieder unter den Lebenden, ziehen die Motorradklamotten an und starten die Moppeds. Nachdem Marion sich noch immer schwer tut, die kalte DR anzukriegen, bittet sie den Jürgen drum. Der startet sie auf den ersten Kick. etliche Minuten tuckert sie vor sich hin, holt auch den letzten Schläfer auf die Beine 😉

Erst6mal Frühstück
Erst6mal Frühstück

Ich fahre mit dem Auto voraus, der Motorradkorso folgt mir zum Bauernhof. Dort haben Susanne und Georg schon die Bierzeltgarnituren in einer Garage aufgestellt und sind dabei, den Tisch zu decken. Wenige Minuten später genießen wir das Frühstück und sind bald wieder in Gespräche vertieft. Ich nutze die Gelegenheit, unseren Gastgebern eine Tasche mit ein wenig Geld zu überreichen, das wir gesten Abend als kleines Dankeschön und zur Deckung der Frühstückskosten gesammelt haben.
Das Wetter klart langsam auf, das gibt uns die Gelegenheit nochmal eine kleine Trainingseinheit abzuhalten. Nach dem Frühstück verabschieden sich die ersten, es ist für manche noch ein weiter Heimweg. Susanne läd in die Reithalle ein und gibt einen Schnupperworkshop im (berittenen) Bogenschießen.

Bogenschießen-Einfühungskurs von Susanne
Bogenschießen-Einfühungskurs von Susanne

Über ein wenig Historie und Theorie bis hin zum richtigen Bogen spannen und die notwendigen Sicherheitshinweise führt Susanne die Anwesenden in den Sport ein. Dann endlich darf der Pfeil eingelegt und der Bogen gespannt werden. Jörg ist am Eifrigsten dabei und protestiert, als ihn Susanne mehrfach weiter nach vorne zur Zielscheibe bittet. Aus den 25 Metern Abstand werden ca. 8 Meter, der erste Pfeil geht trotzdem vorbei. Susanne hat ja auch erklärt, dass es sich um intuitives Bogenschießen handelt, dabei zielt man nicht aktiv. Doch nach und nach füllt sich auch die Zielscheibe mit Pfeilen. Wann immer die alle verschossen sind, werden die Bögen weggelegt und im Kollektiv eingesammelt was daneben ging, bzw. herausgezogen, was sein Ziel getroffen hat.

Macht offensichtlich Spaß
Macht offensichtlich Spaß

Als diese Sportart zur Genüge ausgetestet ist und die ersten schon im Hinblick aufs Moppedfahren mit den Hufen scharren, brechen wir auf. Zurück auf der Wiese bauen wir erstmal die mittlerweile abgetrockneten Zelte ab, bevor ich mit dem zweiten Teil des Workshops beginne. Heute kommen die Hindernisse ins Spiel. Dazu üben wir erstmal, das Vorderrad anzuheben. Ich erkläre die Technik und mache es ein paarmal vor. Marion probiert als erste, die Koordination zwischen Einfedern, Ausfeder und Gasstoß passt nach dem 4. oder 5. Versuch. Ab jetzt hebt das Vorderrad immer ab, wenn Marion es einleitet. Nur das gezielte Abheben neben einem Pylon klappt noch nicht, muss es aber auch nicht. Bei Jürgen klappt es schon beim ersten Versuch. Über den Längsstamm schafft er im ersten Anlauf gerade mal 20cm. Als er dann das Gelernte beherzigt und schon beim Anfahren hinter den Stamm guckt, schafft er es über die komplette Länge. Marion tut es ihm nach.

Einsteigertraining, Teil 2
Einsteigertraining, Teil 2

Auch ich bekomme mal die Gelegenheit, ein wenig mit der Fantic zu fahren. Bis auf ein paar Einstellrunden auf dem Hof habe ich sie bisher noch nicht bewegt. Es ist ein unheimlich genaues Fahren mit dem leichten Zweitakter. Dank der kugelgelagerten Umlenrolle am Gasgriff, die ich noch eingebaut habe, hängt sie extrem präzise am Gas und ich kann den Hang problemlos komplett auf dem Hinterrad hochfahren. Die Wende auf dem Hinterrad am Hang klappt nur zu 90 Grad, ebenso wie mit der XT. Aber es fühlt sich souveräner an. Ich demonstriere dem Uwe noch, dass er keine Angst mit der Vorderbremse haben braucht und fahre dafür mehrere Male das steilste Stück am Hang bergab, während ich ausschließlich vorne bremse – bis zum Stillstand. Dann gebe ich die Fantic weiter, es stehen noch ein paar Leute in der Schlange.

Reste-Grillen
Reste-Grillen

Restegrillen ist angesagt. Die Mehrheit ist noch da und sitzt am Grill oder genießt die letzten paar Runden mit der Fantic. Erst gegen 15:00 Uhr löst sich das Sommerfest langsam auf. Vorher laden viele helfende Hände, Tische, Bänke, Grill und auch die Hindernisse auf den Anhänger des MB-Traks. Ich bin der vorletzte, der von der Wiese rollt. Nur Karin ist noch da, genießt den schönen Ort, während sie ihr Zeit abbaut und im Smart verstaut.

Am Hof laden Schorsch und ich ab, Maren ratscht mit Susanne, die ihre XT aus der Garage holt. Ich hatte ihr versprochen, beim ‚Auswintern‘ zu unterstützen. Während Susanne den alten Sprit ablässt, mache ich eine Hebelverlängerung an der Kupplung ab, baue die Batterie ein und lasse die Schwimmerkammer leerlaufen. Ich stelle die Kupplung erstmal nach Augenmaß ein. Susanne will selber starten. Nach dem dritten Kick bollert die XT los, Susannes Gesichtsausdruck wandelt sich zu einem 360 Grad-Grinsen. Jetzt fehlen nur noch ein paar Leute für gemeinsame Touren. Ich mache noch die Feineinstellung der Kupplung, dann wird es auch für uns Zeit, uns zu verabschieden.

Maren dreht ne Tour auf der Legende
Maren dreht ne Tour auf der Legende

Marens Bus fährt erst um 20:00 Uhr, weshalb wir erst die Fantic und den Werkstattkram in meine Halle bringen, bevor wir den Hänger zu seinem Stellplatz fahren. Dann bringe ich Maren nach München zum Busbahnhof. Wir verabschieden uns und ich habe das Gefühl, dass die Strapazen der Busfahrt für Maren durch das Wochenende aufgewogen wurden. Ich jedenfalls freue mich sehr, dass sie dabei war.

Zu Hause noch das Auto ausräumen und unter die Dusche – dann habe auch ich Feierabend.

Ein tolles Treffen, mir hat es riesig Spaß gemacht! Danke an alle, die dabei waren. Danke auch für die Rücksicht und das ‚Aufeinander aufpassen‘, wodurch auch dieses Treffen ohne gesundheitliche Schäden abgelaufen ist.

Susanne und ich überlegen, ob wir im Oktober nochmal ein Wochenende auf der Wiese organisieren – je nach Wetter.