Teamfindungstreffen zur ERM individual 2015

Freitag, 17.04.2015 Ankommen und Kennenlernen

Es ist Freitag, ich sitze im Büro und überlege nebenbei, welche Strecken ich morgen zusammenbasteln könnte, um dem neu zu bildendem Team einen kleinen Vorgeschmack von dem zu geben, war wir in knapp vier Wochen in Rumänien fahren werden. Gegen halb drei rollt plötzlich eine pechschwarze Wolkenwand heran, die sich anschließend über München entleert. Na prima. Gut, aber es war so vorhergesagt, die nächsten beiden Tage soll es wieder trocken und sonnig werden. Wenn das so bleibt, dann passt das, denke ich bei mir, denn dann haben wir auch ein paar Strecken mit glitschigem Untergrund.

Erste Proberunde mit der XT 550
Erste Proberunde mit der XT 550

Dieses Wochenende habe ich alle Teilnehmer der diesjährigen Rumänientour eingeladen. Ein, zwei Vorbesprechungen und manchmal auch kleine Touren mache ich grundsätzlich vor solchen Projekten. Diesmal ist es mir sehr wichtig, da sich noch nicht alle Teammitglieder untereinander kennen. Das Wochenende wäre die letzte Möglichkeit, die Reißleine zu ziehen. Ab nächster Woche werde ich konkret buchen. Ein Samstag war geplant mit einer Besprechung, einer kleinen Schotterrunde und ein wenig gemütlichem Beisammensein. Open End. Damit man nicht in der Nacht zurückreisen muss, Übernachtung im Gästezimmer. Maren kommt mit dem Bus, weshalb sie schon am Freitag eingeplant war. Dann plötzlich zog es alle schon am Freitag zu uns. Das spricht schon mal dafür, dass die Gruppe aufeinander zugeht. Elisabeth und ich sind so kurzfristig nicht drauf eingestellt, weil wir beide viel Zeit in der Arbeit verbringen. Improvisieren gehört auch zur Rumänientour dazu, so machen wir es halt auch beim Treffen. Wenn die Zeit für die Vorbereitung des Abendessens nicht da ist, dann gehen wir einfach essen, so der schnell gefasste Plan. Gar nicht so einfach, so kurzfristig für 6 Leute einen Tisch zu bekommen, beim dritten Anlauf klappts dann doch.

Klappt schon ganz gut
Klappt schon ganz gut

Während ich im Büro meiner Arbeit nachgehe, bekomme ich die Info von Maren, dass sich der Fernreisebus etwas verspätet, sie steht im Stau. Nicht so tragisch, ich habe genug zu tun. Als sie dann anruft und Bescheid gibt, dass sie angekommen ist, fahre ich die Rechner runter und gehe in die Tiefgarage. Als das Rolltor sich öffnet, regnet es noch immer wie aus Kübeln. An der Hackerbrücke picke ich Maren auf, die erst ihre Tasche, dann sich selbst ins Trockene bringt.
Eigentlich wollten wir sofort raus in meine Werkstatt fahren, um die XT550 zu holen, die Maren morgen fahren wird. Aufgrund des Wetters entscheide ich dann spontan anders: Die geplanten Einkäufe für morgen werden wir auf der Heimfahrt erledigen, die eingesparte Zeit am Morgen nutzen wir dann, um das Motorrad zu holen.

Bepackt mit unserer Beute kommen wir zu Hause an, wo sich Marion schon angeregt mit Elisabeth unterhält. Sie ist mit dem Motorrad im strömenden Regen angereist, mittlerweile aber schon wieder in trockenen Klamotten. Jürgen hat vorher schon eine Info geschickt, dass er einen Schlenker zum Sascha bei Touratech in München gemacht und sich da schon mal nen Kaffee schmecken lassen hat. Auch er kommt ziemlich durchnässt bei uns an.

Follow me
Follow me

Die Gästezimmer werden bezogen, die nassen Klamotten gewechselt und in den Keller zum Trocknen gebracht. Fehlt noch Rebecca. Es wäre schon an der Zeit für unsere Reservierung im Gasthaus. Wir warten noch ein wenig ab. Dann entschließen wir uns, voraus zu gehen. Gerade, als wir zur Tür raus gehen, kommt Rebecca an. Ebenso triefnass. So gehen wir dann doch vor, Elisabeth bringt Rebecca hinterher, nachdem diese in trockene Sachen geschlüpft ist. Im Bürgerhaus werden wir schon erwartet und bekommen unseren Tisch.
Das Essen schmeckt lecker, die Getränke wohl auch. Jedenfalls sitzen wir lange dort, lassen es uns schmecken und sind im Nu in ein lebhaftes Gespräch vertieft. Es dauert geraume Zeit, bis wir dieses kurz unterbrechen, um zu zahlen und zurück nach Hause zu fahren.

Dort setzen wir das Gespräch fort. Jeder ist neugierig auf die Tour und so werden schon mal die Karten herausgeholt, erste Infos dazu kommuniziert und auch weitere, eigentlich für morgen Abend eingeplante Themen besprochen. Obwohl man den meisten die Müdigkeit ansieht, sind alle ganz aufgeregt und voller Vorfreude. Es ist nach 02:00 Uhr, bis wir uns nach und nach in die Schlafgemächer zurückziehen.

Samstag, 18.04.2015 Teamfindungstour

Die Ruhe vor dem Schottern
Die Ruhe vor dem Schottern

Für Maren und mich ist die Nacht kurz. Gegen halb acht stehe ich auf und gehe in die Dusche. Elisabeth ist auch schon aufgestanden und werkelt bereits in der Küche. Bis Maren aus dem Bad kommt, steht das Frühstücksgeschirr schon auf dem Tisch. Elisabeth fährt los, um Semmeln zu holen. Die Aufgabe haben wir gestern eigentlich dem Jürgen übertragen. Damit er nicht auch noch loszieht, schreibe ich eine kleine Notiz und hänge sie an die Tür.
Maren ist aufgeregt, als wir uns auf den Weg in meine Werkstatt machen. Es sind gut 15km, Zeit genug, um die Nervosität noch ein wenig zu steigern. Ich mache das Tor auf und hole die XT heraus. Zum ersten Mal nimmt Maren drauf Platz. Recht hoch für sie, weshalb ich die Sitzbank gegen eine maximal abgepolsterte ersetze. Damit geht es besser, die Gabelholme brauche ich nicht durchstecken. Maren dreht ein paar Proberunden im Hof, dann zieht sie die Schutzkleidung an und fährt mir hinterher, während ich mit dem Auto wenig befahrene, kurvenreiche Sträßchen für den Heimweg nutze.

Dort ist der Rest auch schon wach. Jeder wartet geduldig, bis er im Bad an der Reihe ist, die anderen sitzen derweil am Frühstückstisch und lassen sich schmecken, was der Kühlschrank und der Bäcker so hergegeben hat. Jeder bringt sich ins Gespräch ein, eine gute Basis auf dem Weg zu einem Team. Nach dem Frühstück räumen wir gemeinsam ab, dann werden die Motorräder noch ein wenig modifiziert, Tipps zum Ankicken und bei Rebeccas XT Starthilfe gegeben. Es ist schon fast 11:00 Uhr, bis wir endlich loskommen.

Gemütlich unterwegs
Gemütlich unterwegs

Ich gebe letzte Anweisungen für das Fahren in der Gruppe, dann geht es los. Zuerst zu meinem Einstiegspunkt, der uns nach knapp 5 Kilometern zum ersten Mal auf einen Schotterweg bringt. Für Marion ist es das erste Mal überhaupt, dass sie mit dem Motorrad den Asphalt verlässt. Maren fährt mit einer für sie noch vollkommen fremden Maschine und lässt es deshalb auch besonnen angehen. Ein Stück Asphaltstraße bringt uns an einem Golfplatz vorbei – Jürgen würde gerne übers Green fahren und mal im Bunker die Sandeigenschaften des frisch aufgezogenen TKC80 am Hinterrad testen. Generell stelle ich beim Blick nach hinten oder auch im Spiegel fest, dass er sehr viel Spaß am unbefestigten Untergrund hat. Er bildet das Schlußlicht unserer Karawane, aber wenn wir über trockenen Schotter fahren, dann sehe ich ihn nicht nur als blauen Punkt, sondern immer öfter mit einer Staubfahne hinter sich herziehend.

Vom Schotter wechselt der Untergrund zum Feldweg, teilweise ist der Weg grasbewachsen und kaum mehr auszumachen. Die ‚Rumänien-Schleife‘ fahre ich besonders gerne. Den Begriff hat Jörg geprägt, der mit mir schon in Rumänien unterwegs war. Als wir zusammen mal hier entlang gefahren sind, war sein Kommentar: „Das ist hier genauso wie in Rumänien“.

Kurze Pause - glückliche Gesichter
Kurze Pause – glückliche Gesichter

Der Sturm der letzten Woche hat einen Baum umgeworfen. Gut 5 Meter lang aber gerade mal 15cm im Durchmesser. Der versperrt in ca. 15cm Höhe unseren Weg. Erst überlege ich, ob ich anhalte und ihn zur Seite ziehe – immerhin habe ich totale Anfänger in der Gruppe. Dann fahre ich einfach drüber, stelle mich ein paar Meter weiter vorne hin und beobachte, wie die Gruppe damit umgeht. Maren ist als nächste dran, zögert kurz, nimmt das Hindernis dann aber souverän. Rebecca war mit mir schon mehrmals unterwegs, die hat auch kein Problem damit. Auch Marion überlegt nicht und ist ruck zuck drüber. Klasse, als Anfänger ist das schon einen Applaus wert. Maren signalisiert, dass es Zeit für eine Pause wäre, die wir dann auch gleich an Ort und Stelle einlegen. Ich blicke durchweg in grinsende Gesichter. Meine Frage, wie es ihnen so geht, ist eher unnötig.

Erste Wasserdurchfahrten
Erste Wasserdurchfahrten

Mit frischem Elan geht es weiter. Ein wenig Asphalt, dann wieder Schotter. Ein Pfütze nehmen alle Teilnehmer an der seichtesten Stelle. Das wird in 5 Wochen sicher anders sein. Ab und an fahre ich ein Stück voraus, hole die Kamera aus dem Tankrucksack und mache ein paar Bilder. Dann überhole ich die Gruppe und gebe den Weg vor. Einmal gelingt mir das nicht, wir laufen auf ein ‚Durchfahrt verboten‘ Schild auf, worauf Rebecca geistesgegenwärtig abbiegt. In die andere Richtung wie ich gefahren wäre, aber das macht nichts. Ich fahre wieder nach vorne und folge dem Weg, den ich bisher auch noch nie gefahren bin. Einige Kilometer weiter kommen wir in ein Dorf. Hier biege ich ein wenig zu früh ab und folge einem Weg, der an einem Feld endet. Maren traut sich nicht so recht, umzudrehen und würgt die XT ab. Ich stelle mein Motorrad ab und kicke ihres wieder an, helfe ein wenig, das Motorrad zu drehen. Als ich mich zu meiner XT umdrehe, fällt sie gerade um. Der Seitenständer ist im weichen Boden eingesunken. Macht aber nichts. Aufheben – ankicken – weiter gehts.

Eigentlich mag er kein Wasser
Eigentlich mag er kein Wasser

Dann erreichen wir eine Schlüsselstelle. Eine Art Nadelöhr, das ich mal zufällig gefunden habe. Eher eine Kopfsache, aber für mich ein Grund, Marion und Maren außenrum zu schicken. Rebecca ist die Stelle schon mal mit mir gefahren, ich schicke sie diesmal auch außenrum. Vorher jedoch gehen wir die Stelle zu Fuß ab und erkläre, wie man sie nimmt. Jetzt im Frühjahr ist es viel übersichtlicher als im Sommer oder Herbst, wo das Gras neben dem Weg locker einen halben Meter hoch steht.
Während die Mädels die Umfahrung auf Asphalt nehmen, schnalle ich dem Jürgen die GoPro um. Dann durchfahren wir das Nadelöhr, eine Bahnunterführung und folgen anschließend einem Singletrail der uns zurück auf die Straße zu unseren Begleiterinnen bringt. Leider kam Jürgen wohl mit dem Helm auf den Auslöser der Kamera. Das Video besteht nur aus zwei Sekunden. Beim nächsten Mal vielleicht. Wenigstens haben wir ein paar schöne Fotos von Pfützedurchfahrten gemacht.

Weiter geht es – immer wieder abwechselnd auf wenig Asphalt und viel unbefestigt, ich wähle immer mehr seifigeren Untergrund oder grasbewachsene Wege – mal sehen, wie meine Begleiter damit umgehen. Die nehmen das souverän. Ich habe nichts zu meckern.

Zweite Pause
Zweite Pause

Wir kommen an einem Hochwassersperrwerk an. Zeit für eine Rast, ein schöner Blick und gegebenenfalls eine Fläche, um ein paar Übungen zu machen. Die Sonne macht das Blau des in den bayrischen Farben gehaltenen Himmels noch blauer und schickt auch uns wärmende Strahlen. Ein paar Spaziergänger kommen mit ihren Hunden vorbei und finden ein paar freundliche Worte. Vorher, als wir an ihnen vorbeigefahren sind, haben wir freundlich gegrüßt. Es ist so einfach, verschiedenen Interessen nebeneinander zulassen zu können, wenn jeder ein wenig auf den Anderen zu geht.

Nach der Pause fragt mich Rebecca, ob sie den Hang runter fahren darf. Klar, antworte ich, die Anderen bekommen große Augen. Es sind etwa 10 Meter, der Hang hat einen Winkel von ca. 45 Grad. Ich erkläre kurz, wie man ihn fährt, und mache das einmal senkrecht und einmal schräg vor. Nachdem die erste Hemmschwelle überwunden ist, machen es alle nach. Ich fahre den Hang hinauf, Rebecca macht es mir nach. Jürgen fährt mehrmals den Hang runter, in verschiedenen Winkeln. Während ich Maren ein paar Tipps zum Ankicken gebe, nehme ich aus den Augenwinkeln war, dass er sich flach gelegt hat. Der Hang ist recht rutschig und der fast abgefahrene, überaltete Vorderreifen auf seiner DR war sicher auch nicht ganz unschuldig.

Die Ritter der Schotterrunde
Die Ritter der Schotterrunde

Noch ein kleines Schotter-Highligt mit vielen Kurven, Auf- und Abfahrt fahren wir, bevor wir wieder auf Asphalt wechseln und da die letzten paar Kilometer bis nach Kaltenberg zurücklegen. Für den Biergarten ist es noch zu frisch, weshalb wir im Gasthaus eine Pause einlegen und die Mägen füllen.

Weiter geht es auf der Straße an Geltendorf vorbei nach Moorenweis. Dort wollen wir tanken, Marion und Rebecca fahren schon auf Reserve. Als ich aus einer langen Linskurve rauskomme, stelle ich fest, dass niemand mehr hinter mir ist. Ich drehe um und finde die Gruppe bei einer Einfahrt. Maren’s XT musste auch auf Reserve geschaltet werden. Die restlichen paar Kilometer bis zur Tanke funktionieren dann problemlos.
Von hier aus bis zu mir nach Hause sind es 15 Kilometer. 10 davon kann man unbefestigte Wege fahren, was wir auch tun. Gegen 16:45 Uhr kommen wir daheim an, wo Elisabeth schon mit frischgebackenem Bienenstich und Erdbeerkuchen auf uns wartet. Den genießen wir im Garten. Viel schöner kann so eine Tour nicht enden.

Entspannung nach dem Schottern
Entspannung nach dem Schottern

Während die Anderen das Erlebte reflektieren, mache ich mich an die Vorbereitungen zum Abendessen. Zwischendurch lege ich eine DVD von der Tajik-Rallye ein. Jürgen hat bei mir mal ein paar Trailer dazu gefunden. Nachdem das Essensangebot üppig und meine Mitfahrer für die geplante Besprechung zu müde sind, lade ich kurzerhand Philippe ein, zu uns dazuzustoßen. Das tut er auch und bringt gleich einen Sixpack Schweizer Bier mit.
Es wird viel erzählt gelacht, die Moppeds angeschaut etc., während ich das Essen mache. Elisabeth hilft mir dabei.

Das Huhn vom Beduinengrill scheint zu schmecken, die Bratwürste als Alternative bleiben im Kühlschrank.
Der Salat von Elisabeth findet durchgehend Anerkennung, und so langsam leeren sich die Teller und Schüsseln auf dem Tisch. Auch diesmal ist es weit nach Mitternacht, bis die Unterhaltung abebbt und wir uns in die Betten zurück ziehen.

Am Waschplatz
Am Waschplatz

Sonntag, 19.04.2015 Besprechung und Rückfahrt

Den Sonntag Morgen lassen wir entspannt angehen. Die Sonne lockt uns den Garten, wir genießen die gemeinsame Zeit beim Frühstück. Letzte Punkte für die Rumänientour werden noch besprochen und auch das Video von meinem zweiten Endurorennen von 1979 schauen wir uns noch gemeinsam an. Erst gegen Mittag raffen sich die ersten auf und packen das Motorrad. Der Abschied fällt offensichtlich schwer – eine gute Basis für unsere Rumänientour. In knapp vier Wochen ist es soweit.

Maren fährt erst mit dem Fernbus am Abend. So nutzen wir die Zeit, um den Motorrädern den Dreck von gestern abzuwaschen. Ich gebe ihr auch ein paar Tipps, wie man das Motorrad am Besten ankickt. Das darf sie auch gleich mehrfach üben.
Dann machen wir uns auf, um die von Maren gefahrene 550er mit einem kurvenreichen Umweg in meine Werkstatt zu bringen. Zurück nach Emmering fährt sie dann bei mir hintendrauf mit.

Alle drei genießen wir die Sonne draußen im Garten, bevor es kurz vor 18:00 Uhr Zeit wird, Maren nach München zu bringen. Ich liefere sie wieder an der Hackerbrücke ab, nutze die ‚Leerfahrt‘ mit dem Auto, um noch ein paar geschenkte Fahrräder abzuholen, die ich an Flüchtlingsfamilien weitergeben werde.
Nach und nach trudeln Mitteilungen ein, wann immer die einzelnen Teilnehmer des Wochenendes ihren Heimathafen erreicht haben.

Es war ein klasse Wochenende! Nochmal ein dickes Dankeschön allen. 

Teamfindungstour2015 Track
Teamfindungstour2015 Track

Gesamtstrecke: 106 km, davon ca. 70 km auf unbefestigten Wegen. 217 Quadratkilometer Fläche haben wir umrundet.