Endurowandern in Rumänien 2016

Sonnenuntergang

Samstag, 13.08.2016: Anfahrt nach Satu Mare (Fred)

Mein Gepäck muss noch rein
Mein Gepäck muss noch rein

Um 06:00 Uhr kupple ich den Hänger mit den Motorrädern an den Focus. Die Hilfsgüter habe ich gestern schon eingeladen, heute stopfe ich nur mehr meine Reisetasche dazu. Wie immer bei solchen Touren war die Nacht recht kurz. Gegen 06:15 Uhr rolle ich aus der Einfahrt auf die Straße.

Das Wetter meint es gut mit uns, der Morgennebel löst sich langsam und beschert mir einen herrlichen Sonnenaufgang. In Deggendorf folge ich einer mittlerweile liebgewonnenen Tradition und gehe zum Veit-Metzger, um zu frühstücken. Dabei muss ich diesmal ein wenig auf die Zeit achten. Mit Rebecca und Marion habe ich vereinbart, dass wir diesmal keinen Treffpunkt absprechen, wo wir aufeinander warten, sondern dass wir uns während der Fahrt begegnen. Dafür habe ich ausgerechnet, wie lange jeder von zu Hause bis zu der Ausfahrt benötigt, wo unsere beiden Autobahnen zusammentreffen. So bekommen die Mädels eine Mütze mehr Schlaf als ich. Wer zuerst dort vorbeifährt, der schickt dem Anderen eine SMS und fährt etwas langsamer, bis das jeweils andere Gespann aufgelaufen kommt. So weit der Plan.

Sonnenaufgang bei Erding
Sonnenaufgang bei Erding

In Passau-Nord fahre ich nochmals kurz bei der Autobahnraststätte raus, um eine Vignette zu kaufen, dann geht es weiter über die Österreichische Grenze. Heuer wird es zum ersten Mal wieder schwieriger mit den Grenzübergängen, die Flüchtlingskrise hat dafür gesorgt, dass mehr kontrolliert wird. In meinem Fall hält sich das in Grenzen, es wird auf eine Spur zusammengeführt und bleibt bei einer Sichtkontrolle, während des Vorbeifahrens.

Als ich den verabredeten Punkt in Ansfelden passiere, rufe ich die Mädels auf dem Handy an. Die sind noch nichtmal über die Grenze, es wird also doch nichts aus dem Plan. Deshalb fahre ich um 10:15 Uhr in Sankt Valentin von der Autobahn und steuere dort die Tankstelle an, um schon mal den Tank voll zu machen, bevor ich mich auf einen Pendlerparkplatz stelle, wo ich die Abfahrt im Blick habe.

Morgennebel
Morgennebel

Kurz nach 11:00 Uhr rollen die Beiden heran. Ich sage Ihnen, dass sie auch gleich volltanken sollen, damit wir nicht unnötig viele Stopps machen müssen. Gegen halb zwölf fahren wir dann weiter. Auch diesmal habe ich meine Handfunkgeräte dabei, so dass wir uns auch während der Fahrt untereinander austauschen können. Das Wetter passt und auch die Verkehrsdichte kommt uns sehr entgegen. Gegen 13:15 haben wir Wien passiert und wechseln in Schwechat die Autobahn.

15 Minuten später fahren wir zur Raststätte Göttlesbrunn ab. Schon seit ein paar Jahren nutze ich die Gelegenheit, mir gleich hier die Matrica für Ungarn zu holen. Direkt an der Grenze steht man meistens lange in der Schlange. Wir nutzen die Gelegenheit auch für unsere Mittagspause. Sonst holen wir uns nur eine Kleinigkeit direkt in der Tanke, heute beschließen wir, mal das Restaurant beim Parkplatz auszuprobieren. Allzu üppig ist die Auswahl nicht, dafür aber ziemlich teuer. Geschmeckt hat es dennoch, nebenbei haben wir die Zeit für Gespräche genutzt. Eine Stunde später rollen wir wieder los.

Treffpunkt Sankt Valentin
Treffpunkt Sankt Valentin

Gegen 15:00 Uhr erreichen wir die Grenze zu Ungarn, die wir im Schrittempo passieren, Auch hier nur Sichtkontrolle. Dass es eine gute Idee war, die Matrica schon vorher zu kaufen, zeigen die langen Autoschlangen und die Schlangen an den diversen Mauthäuschen rechts von uns.

Zwei Stunden später umfahren wir Budapest und überqeren die Donau. Zeitlich sind wir ein wenig in Verzug, aber ich habe unsere Unterkunft heute schon im Voraus gebucht, so dass wir zumindest sicher sein können, ein Bett zu bekommen. Ab hier fahren wir nicht die gewohnte Route Richtung Arad, sondern halten und östlich. Das sieht man auch an den Wegweisern, auf denen Ziele in der Ukraine zu lesen sind. Gegen 20:00 Uhr verlassen wir die Autobahn, ab hier folgen wir der Bundesstraße 49, was unsere Reisegeschwindigkeit nochmal deutlich senkt. Viele Ortschaften sind nun zu durchqueren, die Sonne nähert sich weit schneller dem Horizont, als uns lieb ist.

Schwechat
Schwechat

Gegen viertel vor Neun erreichen wir die Grenze, wo sich die Fahrspuren auffächern. Ich suche mir die kürzeste Schlange und will den beiden Mädels mitteilen, dass sie sich hinter mir einreihen sollen, damit ich gegebenenfalls für sie mit sprechen kann. Bis ich das Funkgerät zur Hand habe, stehen sie jedoch schon in der Schlange neben mir. Obwohl relativ wenig los ist, zieht es sich. Anfangs geht es in der Schlange der Mädels schneller, doch spätestens, als sie an der Reihe sind, stockt es. Zwei Fraen mit drei Motorrädern auf dem Hänger, das macht sie sofort verdächtig. So prüft er genau nach, dass sie auch wirklich die Halter der Fahrzeuge sind. 😉 Ich bin alleine und habe zwei Motorräder dabei, das ist aber offenbar normal.

Auch ich stehe ofenbar in der Ausbildungsspur. Jeder Ausweis wird erst aufwendig begutachtet, dann verschwindet jemand in einem Häuschen, um den zu kopieren. Der ‘Aufseher‘ ist offenbar für unsere beiden Spuren zuständig, denn er geht immer hin und her. Ist er bei den Andern, geht hier nichts mehr voran.
Eine dreiviertel Stunde später bin ich dann durch, wenig später kommt dann auch der BMW heran. Mittlerweile ist es ganz dunkel geworden. Es ist zwar nicht mehr weit bis Satu Mare, aber im Dunkeln fahren ist in Rumänien noch immer suboptimal.

An der Grenze
An der Grenze

Um zu unserer Unterkunft zu gelangen, müssen wir einmal quer durch die Innenstadt und zwischendurch über den Somes. Das Navi ist eine große Hilfe, die Einfahrt ist letztendlich aber nicht da, wo sie angezeit wird. Ich finde sie letztendlich aber doch. Zehn Minuten vor Zehn Uhr rollen wir auf den Hof.

Ich gehe zur Rezeption und hole unsere Schlüssel ab. Den Ausweis habe ich im Auto liegen lassen, der Portier lässt sich aber darauf ein, dass ich später wiederkomme. Er wimmelt gerade inen anderen Motorradfahrer ab, weil sie ausgebucht sind.

Wir suchen unsere Appartments, es ist eine Art Motel-Komplex. Ich setze mein Gespann rückwärts direkt vor meine Tür und rate der Rebecca, es mir gleichzutun. Im Moment ist der Parkplatz ziemlich leer, man kann auf einem Zug umdrehen. Rebecca hat aber erstmal eine andere Idee und kurvt auf dem Platz herum, bis es dann doch nicht mehr so einfach ist, umzudrehen und zurück zu setzen. Die Dunkelheit tut ihr übriges dazu. Letztendlich setze ich mich hintes Steuer und setze das Gespann halbwegs gerade neben meines.

Erste Übwernachtung
Erste Übernachtung

Zurück beim Portier gibt es dann Streß. Ursprünglich hatte ich ja für Maren mit reserviert, die Reservierung dann aber storniert, als klar war, dass sie nicht mitkommen kann. Obwohl ich einen entsprechenden Beleg dabei habe, lässt er sich nicht drauf ein. Wir müssen dann zwar nicht den Gesamtbetrag für dieses Zimmer zahlen, aber einen Abschlag, der in etwa zwei Drittel der Summe beträgt. 14 Euro durch drei sind zwar jetzt kein Drama, aber Kundenorientierung sieht anders aus. Wir schauen nochmal nach dem Motorradfahrer, ob er das Zimmer haben will, der hat aber mittlerweile doch eines bekommen.

Das dazugehörende Restaurant, macht gerade zu, als ich mit der Diskutiererei fertig bin. Na prima! Wenn wir noch etwas essen wollen, dann müssen wir in die Stadt. Zu Fuß haben wir keine rechte Lust mehr, weshalb wir dann die Minibar plündern und uns mit Wein, Cola und Knabberzeug auf die Veranda vor unseren Zimmern setzen. Der Ärger verraucht dann recht schnell, denn wir sind in Rumänien – das Abenteuer beginnt!

13.08.2016 - 1.075km gefahren

 

13.08.2016 – 1.075km gefahren

Einen weiteren Tagebucheintrag über die Tour findest Du hier – klick


 14.08

Sonntag, 14.08.2016: Satu Mare – Săpânța – Viseu de Sus (Marion R.)

Frühstück in Satu Mare
Frühstück in Satu Mare

Da wir ausgemacht haben, um 8:30 Uhr zu frühstücken, klingelt mein Wecker bereits um 8:00 Uhr. Die Nacht ist mal wieder zu kurz, aber egal – Rumänien wartet vor der Tür. Also schnell in die Klamotten gehüpft und raus aus dem Zimmer. Fred und Rebecca sind auch schon wach, die Sonne scheint und es ist angenehm warm draußen. Im Frühstücksraum läuft der Fernseher und so schaue ich  immer mal wieder hin, da mich das Wetter für die kommenden Tage  interessiert. Die Vorhersage sieht allerdings nicht so gut aus, so bleibt mir nur die Hoffnung auf nicht ganz so mieses Wetter.

Nach dem wir ausgiebig gefrühstückt haben, bezahlt Fred noch die Hotelzimmer und wir machen uns  um 9:30 Uhr auf den Weg nach Săpânța zum „lustigen Friedhof“.
Rebecca übernimmt die Frühfahrt bei uns im Gespann und so kann ich mir die Landschaft ein wenig anschauen, sie wechselt von flach und Sonnenblumenfelder zu hügelig und Buchenwälder.

Tolle Pässe im Maramures
Tolle Pässe im Maramures

Da es Sonntag ist, sehen wir auch jede Menge Leute aus den vorbeiziehenden Kirchen strömen, die Mädchen sind gekleidet als würden sie auf den Tanzabschlussball gehen, die Jungs und die Männer tragen Anzug. Die Frauen sind ebenfalls schick gekleidet und tragen zudem noch Kopftücher.

Die Straßen sind super zu befahren, die Dörfer durch die wir kommen sehr unterschiedlich und so kommen wir nach entspannten 90 km in Săpânța an. Es herrscht reger Verkehr an der Ecke zum Friedhof und so fährt Fred erst einmal ein Stückchen gerade aus weiter auf der Hauptstrasse um für unsere Gespanne einen Parkplatz zu finden. In der Zwischenzeit ist auch schon die Polizei gekommen um den Verkehr zu regeln, da in der Straße zum Friedhof ziemlich viel los ist.

Holzkirche im Bau
Holzkirche im Bau

Ein Stück vor dem Friedhof inspizieren wir erst einmal eine Holzkirche, die sich gerade im Bau befindet und bei der noch das Dach fehlt. Um die Baustelle ist natürlich kein Bauzaun wie in Deutschland und es hängt auch nirgends ein Schild „Baustelle betreten verboten“ und so sind wir natürlich gleich drin und sehen uns die Kirche an.

Da es im Maramures verboten ist orthodoxe Kirchen in Stein zu bauen (warum weiß ich nicht), werden diese eben in Holz gebaut. Hier wird das Holz noch richtig mit Holzhammer und Stechbeitel bearbeitet. Im Kreis Maramures stehen insgesamt 8 Holzkirchen die zum UNESCO Welt- kulturerbe erklärt worden sind.

Nachdem wir alles gesehen haben, waren es nur noch wenige Meter bis zum „lustigen Friedhof“. Wie überall an irgendwelchen Sehenswürdigkeiten, so gibt es auch hier vor der Kirche jede Menge Wichtiges und Unwichtiges zu Kaufen. Am Friedhofstor angekommen müssen wir erst einmal Eintritt bezahlen 5 Lei/Person = umgerechnet 1,10 €. Wir schlendern dann gemütlich durch den Friedhof und lassen diesen auf uns wirken. Schade ist nur, dass wir das, was auf den Holzkreuzen geschrieben steht nicht lesen können, also beschränken wir unser Interesse auf die bildhauerischen Arbeiten der Holzkreuze. Rebecca und ich inspizieren sogleich noch die Kirche vom Friedhof, welche ebenfalls gerade renoviert wird.

Săpânța
Die Gemeinde Săpânța hat ungefähr 5000 Einwohner und liegt im Norden von Rumänien ca. 1,5 Kilometer von der Ukraine entfernt. Die Einwohner von Săpânța gehören zum größten Teil der orthodoxen Religion an. Hier im Karpatengebiet, ist der Wald die Basis der wirtschaftlichen Tätigkeit der Menschen die dort leben. Das Holz ist dort überall gegenwärtig und ein Symbol für Mehrjährigkeit und Ewigkeit. Seit jeher verwenden die Einwohner das Holz für ihre Häuser und ihre Kirchen. Der berühmte Bildhauer, Maler und Volksdichter „Ion Stan Patras“ lebte (1908-1977 t) in Săpânța und kannte die Menschen und ihre Geschichten und so schuf er den lustigen Friedhof mit seinen blauen Holzkreuzen. Der Friedhof in Săpânța ist ein Versuch den Tod anders zu sehen. Hier ist der Tod keine Tragödie, sondern ein Weg auf die andere Seite, oder ein Treffunkt zwischen der Gänzlichkeit des Lebens und dem Moment wo man ums Leben kommt.
Hochbetrieb in Sapanta
Hochbetrieb in Sapanta

Nach einer Stunde haben wir alles gesehen und auch Hunger bekommen. Neben dem Friedhof werden traditionell Plăcinte zum Kauf angeboten. Fred stellt sich in die Schlange und besorgt für jeden eines mit Käse. Im Hof des Hauses sind Tische und Stühle aufgestellt und so machen wir dort unsere Mittagspause und genießen unsere Plăcinte.

Um 13:30 Uhr fahren wir  weiter nach Vișeu de Sus. Ich übernehm das Steuer und Rebecca macht erst einmal ein Mittagschläfchen auf dem Beifahrersitz. Da unser Auto, wie auch das von Fred, bis oben hin mit Hilfsgütern voll gestopft ist, kann sie den Sitz leider nicht in eine angenehme Liegeposition bringen, das tut ihrer Müdigkeit aber keinen Abbruch. Wir fahren über die Dörfer, überholen Trauerzüge und kommen an elegant gekleideten Hochzeitsgesellschaften vorbei, es gibt viel zu sehen.

Moppeds abladen in Viseu de Sus
Moppeds abladen in Viseu de Sus

Nach 2 Stunden Fahrt kommen wir in Vișeu de Sus an. Unser erster Weg geht gleich in das Informationszentrum, da wir noch Zugfahrkarten für morgen brauchen. Fred hatte über Booking.com im Zughotel 2 Nächte gebucht, aber dann später entdeckt, dass man auf der Seite von der Wassertalbahn gleich das „Große Waldbahn-Arrangement“ hätte buchen können. Dank der netten Crew müssen wir nur noch etwas aufzahlen und haben nun doch noch das große Waldbahn-Arrangement mit 2 Übernachtungen incl. Frühstück, 2 Candellight Dinner sowie eine Fahrkarte für die Wassertalbahn incl. Mittagessen und das alles für umgerechnet 67 €.

Wir beziehen unser 1. Klasse Schlafabteil, Rebecca und ich zusammen in einem und Fred hat nebenan eines für sich alleine.

Das Abteil strahlt einen irren nostalgischen Charm aus, ich freue mich auf die nächsten 2 Tage und Nächte hier. Da wir ja noch Mopedfahren wollen, laden wir anschließend die GasGas Pampera von Rebecca, Freds XT 550 (welche kurzfristig einen Testmotor implantiert bekommen hatte) und meine DR 350 ab, um zu schauen ob die Mopeds fit für die nächsten Tage sind.

Prislop-Kloster
Prislop-Kloster

Als wir los fahren wollen, rief uns noch die nette Chefin des Zughotels zu, dass es um 19:00 Uhr Abendessen gibt und sie uns dann erwartet. Ok das wir knapp, aber zuerst mussten wir eine Tankstelle aufsuchen, die Pampera hat einen echt winzigen Tank. Fred und ich wollen auch volltanken. Fred fährt voraus, dann Rebecca und ich am Schluss. Beim Anblick auf Rebeccas Hinterrad, schwant mir nichts Gutes und so fahre ich an der Kreuzung vor und sage Fred, dass wir da erst einmal drauf schauen sollten, weil das Hinterrad ziemlich eiert. Bei nächster Gelegenheit hält er an und bemerkt bei sich am Vergaser, dass dort Sprit ausläuft. Das Hinterrad von Rebeccas Pampera ist fest, wohl aber der Reifen nicht richtig montiert. Also zum Glück nichts schlimmes. Fred meint, er muss seinen Vergaser erst noch mal einstellen.

Nach dem wir getankt haben, fahren wir die Nationalstraße zum Prislop Pass hinauf. Die DN18 zwischen den Ortschaften Moisei und Iacobeni ist in einem teilweise extrem schlechten Zustand,  aber mit einer Enduro trotzdem spaßig zu fahren. Fred winkt mich unten am Paß vor und ich kann in meinem Tempo den Paß erfahren, was mir als Kurvenjunky natürlich riesigen Spaß macht. Da es schon spät und der Himmel etwas bewölkt ist, wird das Kloster „Sfanta Treime“ bei unserer Ankunft oben in diffuses Licht getaucht, es sieht toll aus.

Wir stellen unsere Mopeds für das obligatorische Foto in Reihe und Glied und machen schnell ein paar Bilder.

Abendessen im Speisewagen
Abendessen im Speisewagen

Dann müssen wir auch schon wieder los, denn die Uhr zeigt 19:00 Uhr! Upps, um 19:00 Uhr gibt’s Essen. Fred schickt mich wieder voraus und so fahre ich glücklich auf der hoppeligen und kurvigen Strecke wieder runter. Um 20:11 Uhr kommen wir in der Dämmerung an, stellen unsere Mopeds bei den Autos auf dem Parkplatz ab, werfen unsere Helme und Jacken in die Autos und gehen gleich ungeduscht zum Candellight Dinner über.

Brigitte, oder wie auch immer die nette Chefin heißt, begrüßt uns nett und serviert gleich den 1. Gang. Rebecca und ich bestellen ein Bierchen, Fred ne Cola. Das romantische Candellight Dinner mit Rebecca und Fred kann beginnen.

Speisewagen
Speisewagen

Zum Glück stört es  niemanden, dass wir in Mopedklamotten da sitzen, aber wir waren ja heute auch noch nicht im Gelände unterwegs und somit sauber.

Nach dem Dinner kommt die Chefin zu uns an den Tisch und erzählt uns die Entstehungsgeschichte von ihrem Zughotel und ihrem jetzigen Leben in Vișeu de Sus.

Um 22:50 Uhr sind wir in unseren Abteilen, legen uns auf die Pritsche und kuscheln uns ins Kopfkissen.

Unser 1. Urlaubstag in Rumänien endet wie es sein sollte, wir sind glücklich, gut in Rumänien angekommen zu sein, unsere Mopeds sind fit für die nächsten Tage, wir haben gut und ausreichend gegessen und eine super tolle und auch außergewöhnliche Unterkunft für die nächsten 2 Nächte.


Wassertal

Montag, 15.08.2016: Wir fahren zweimal ins Wassertal (Rebecca)

Dampflokromantik
Dampflokromantik

Am Morgen ist es trotz dem gemütlichen Abteil doch recht bald zum Aufstehen. Ich schleiche mich aus dem Abteil, damit Marion weiterschlafen kann und tappe in die Dusche. Marion kommt dann aber auch bald nach.

Das Frühstück im Speisewagen ist reichhaltig mit 2 Spiegeleiern für uns zwei Vielfraße und einem für Fred.
Die Schweizer Wirtin ist sehr großzügig mit den Portionen und mit Informationen wie es ihr geht mit ihrem geteilten Leben in der Schweiz und Rumänien. Man merkt ihr an, dass sie gerne hier ist und die Berge genießt. Sie gibt auch Routenenmpfehlungen und Tipps für tolle Locations. Fred kennt die zwar auch, aber wenn wir ihn nicht dabei hätten, wäre es sicher weise, sich einiges mitzuschreiben und das eine oder andere selbst live anzusehen von dem sie mit Freude erzählt.

Dann heißt es fertigmachen für den Zug und die Abfahrt. Nicht ohne vorher noch nach den Möppis zu schauen, ob es Ihnen gut geht. Es juckt schon in den Fingern zum Fahren, aber die Aussicht auf die Bahntour tröstet sehr gut darüber hinweg.

Abschmieren zwischendurch
Abschmieren zwischendurch

Wir schauen, dass wir pünktlich zur Abfahrt im Zug sitzen, um dann erfolgreich festzustellen, dass wir in dem Zug sitzen, der erst eine halbe Stunde später fährt… Aber mit guter Laune ist das nicht schlimm. Man kann die Umgebung und die Leute beobachten und sich gute Plätze sichern.
Das Wetter ist eher so mittelmäßig mit etwas Regen, Nebel und Trübheit. Zusammen mit dem vielen Dampf gibt das eine durchaus angenehm melancholische Stimmung, die ich für mich sehr genieße. Die andere beiden glaube ich auch.

Und dann geht es los mit der Elvetia. Wir fahren Holzklasse im eigentlichen Sinn des Wortes die obere Wischau entlang (viseu de sus) hinter der Dampflok her, die ihr übriges zu der unwirklichen Stimmung beiträgt.
Bald beschleicht mich die Vermutung, dass wir Abends riechen werden wie Schwarzgeräuchertes. Unterdessen versuchen wir die Stimmung in Bildern einzufangen und amüsieren uns mit den baufälligen Brücken mit dem Gedankenspiel „würden wir da drüber fahren?“.

Improvisation ist alles
Improvisation ist alles

Alte Busse, die zu Draisinen umgebaut wurden zeugen von der rumänischen Kreativität angesichts geringer Mittel.

Meine Versuche, Notizen zu machen klappen mit der unruhigen, ruckeligen Fahrt die die geraden Gleise erzwingen, trotz geringer Geschwindigkeit kaum. Daher steige ich um auf die Notizfunktion am Handy. Netz braucht das Mobilophon dafür keines, was gut ist, denn hier hat‘s Funkstille.

Und dann kommt – nach Zwischenstopp am Magazin für die Zugbelegschaft – die erste große Pause für alle. Die Passagiere können zuvor konsumierte Getränke abstellen, die Lok wird geölt und gegen das nasskalte Wetter wird warmer Kaffee ausgeschenkt. Und weiter geht‘s mit 15 Km/h und lautem Tschuuuu.

Balanceübungen
Balanceübungen

Die Mittagspause wird im Wald stilecht mit Grillteller zelebriert – da kommt glatt die Sonne raus. Wir genießen die Sonnenstrahlen und strecken uns dem Licht entgegen bei einer kurzen Verdauungspause. Und dann geht es auch schon wieder zurück… Tschuuuuu … am wartenden Gegenverkehr vorbei… – Hihi, die müssen mit der Diesellok fahren …An einem Tag wie heute in den Ferien sind alle verfügbaren Züge im Rennen.

Bei Sonnenlicht am Wasserlauf entlang zu fahren ist auch schön. Das Licht verändert die Stimmung wieder.
Am Heimweg gibt es noch einen Boxenstopp mit Plumpsklo… und bald sind wir wieder zurück im Zughotel.

Nach einer Kaffeepause werden noch die Mopeds beschraubt (das Licht meiner Pampi starb spontan vor der Abfahrt und Fred’s Vergaser ist auch noch nicht ganz wie er soll, auch bei Marions DR ist noch etwas zu prüfen).

Das Wassertal wird seinem Namen gerecht
Das Wassertal wird seinem Namen gerecht

Irgendwie habe ich es gar nicht geglaubt, dass wir heute noch fahren würden, aber dann heißt es anziehen und die Wirtin sichert uns zu, dass es auch eine Stunde später als geplant noch ein Abendessen geben wird.
Die Abendrunde geht die Straße am Fluss entlang, wie vorher mit der Bahn, auf der anderen Seite bis zu einem Punkt, wo wir den Fluss hätten durchqueren müssen. Da kehren wir für heute um.
Die Testfahrt lehrt uns, dass die kleine Gasgas recht wenig Reichweite hat. Der Pass am Vortag mit knapp 100 km und schon geht’s heute in die Reserve…
Nach einer edlen Spende aus Fred‘s Acerbistank mit Eisteeflavour (umgeschüttet mit Fred’s Eisteeflasche) und einem gepflegten Schluck Öl war Pampi wieder gut drauf und ging fleißig ans Werk.

Ich will da nicht hoch ;)
Ich will da nicht hoch 😉

Aus meinem anfänglichen Zögern und im Kopf rum-memmen, was schief gehen könnte, kam ich dann auch langsam etwas raus. Dann kam etwas mehr Vertrauen ins Bike und Freude auf:-)

Nach der Rückkehr wurden die Mopeds versorgt, die Schuhe und die Hose habe ich schnell zum Lüften und trocknen ans Auto gehängt und ab ging es unter die Dusche. Kaum derselben entstiegen kam ein fetter Regenguss… – und die Erkenntnis dass die Sachen jetzt sicher nicht getrocknet sind…
Unter Einsatz der vorhandenen eigenen Trockenheit habe ich die Sachen gerettet und nach dem Essen an einem Ort deponiert, wo sie die Nacht bei 40 Grad trocknen können. Danke Frau Wirtin…

Nach entspanntem Ratschen fallen wir ins Bett und haben träumen … Tschuuuuu

Eisenbahnromantik
Eisenbahnromantik

Zwei alte Damen unter sich

Dienstag, 16.08.2016: Viseu de Sus – Piatra Neamț (Marion R.)

Speisewagen
Speisewagen

Als ich meine Augen im 1. Klasse Zugabteil aufschlage, ist Rebecca bereits aufgestanden. Das war auch gut so, denn zu zweit in dem kleinen Abteil ist es doch sehr eng, es kann immer nur einer stehen bzw. laufen. Sie ist schon einmal nach vorne in das Zugrestaurant gegangen um nach ihren Mopedstiefeln zu schauen, die sie ja gestern zu spät vor dem Sturzregen gerettet hatte. Die Chefin hatte sie (bleibt aber unter uns) über die Nacht in den Wärmeofen für Geschirr gestellt und dort über die Nacht bei 40 Grad getrocknet.
Die morgendliche Wäsche ist gleich erledigt und so stecke ich die restlichen umherliegenden Sachen in meine Tasche und laufe durch den Zug zum Auto.
Die riesigen Pfützen die den größten Teil des riesigen Parkplatzes gestern Abend bedeckten, sind zum Glück verschwunden und so kann ich trockenen Fußes mein Gepäck im Auto verstauen.

Draußen ist es angenehm warm, doch irgendwie kommt es mir nicht ganz so vor, was wohl eher daran liegt, dass der Himmel gruselig grau ist. Ich bin immer noch am überlegen ob ich heute die Verbindungsetappe mit dem Moped fahren sollte, da wir ja nochmals über den Prislop Pass fahren, aber der Himmel sieht echt nicht nach Mopedfahren aus und die Vorhersage bestätigt dies auch noch.

Prislop
Prislop

So gehe ich erst einmal in das Zugrestaurant zum Frühstücken. Fred und Rebecca sitzen bereits am Frühstückstisch und unterhalten sich. Rebecca ist guter Dinge, denn ihre Mopedstiefel sind wieder fast trocken und die Aussicht, den Rest des Urlaubs mit patschnassen Mopedstiefel unterwegs zu sein, zum Glück Geschichte.
Wir genießen unser letztes Frühstück im Zugrestaurant.
Anschliessend bezahlen wir noch unsere Getränke und werden zum Abschied von der Chefin des Hotels herzlich in die Arme geschlossen und gedrückt. Wir überprüfen nochmals die Verzurrungen der Mopeds und Fred fragt ein letztes Mal, ob ich nicht doch mit dem Moped fahren möchte, ich sagte nein und steige zu Rebecca auf den Beifahrersitz.

Izvorul Muntelui
Izvorul Muntelui

Die Straßen sind nass und kurze Zeit später fahren wir den Prislop Pass hoch. Fred ist ziemlich flott unterwegs auf der schlechten Strasse. Ich habe so meine Bedenken und bitte Rebecca etwas mehr Abstand zu nehmen und langsamer zu fahren, da ich befürchte, dass unser Hänger mit den Mopeds gleich von der Straße hüpfen wird. Freds linke XT ist zudem auf der rechten Seite nur mit einem Zurrband festgemacht und das Moped wackelt hin und her und ich denke mir nur, ob das gut geht. Irgendwann verabschiedet sich einer seiner Handprotektoren von der rechten XT und ich sehe zu wie der in den Straßengraben fliegt. Die hoppelige Straße führt uns durch waldiges Gebiet und schlängelt sich den Berg rauf und runter, vorbei an Kühen, die gleich neben der Straße bzw. manchmal auch auf der Straße stehen und Gras fressen.
Wir kommen an einigen provisorischen Zigeunerdörfern vorbei und ich kann hie und da einen Blick in das Innere der Hütten erhaschen. Ich habe so etwas zuvor noch nicht mit meinen eigenen Augen gesehen. Im ersten Dorf an dem wir vorbei fahren, besteht das Äußere der Hütten lediglich aus   Plastikfolie.

Hungrig aber scheu
Hungrig aber scheu

Im Inneren eine Pritsche und sonst nur Decken und Klamotten (soweit ich das in der kurzen Zeit erkennen kann). Die Hütten sind alle gleich groß und für unsere Verhältnisse echt winzig, vielleicht mal gerade so groß wie eines der größeren Gartenhäuser wie es bei Dehner zu kaufen gibt. In so einer Hütte lebt dann eine ganze Familie – unvorstellbar für mich. Platz zum Schlafen gibt es da nicht für alle, es gibt kein fließendes Wasser, keine Heizung, kein Fenster und auch sonst nichts. Im nächsten Dorf sehen die Hütten schon etwas besser aus, sind aber dennoch nur aus Schwarten und Plastikfolie. Das darauffolgende Dorf hat Hütten aus Spanplatten oder ähnlichem, die sind aber ebenso klein wie die in den vorherigen Dörfern. Wir begegnen Frauen und Mädchen mit großen Behältern, die wohl gerade vom Wasser holen kommen. Man kann sich das nicht vorstellen!!! Es ist echt ein Grauß wie manche Leute in einem Land, welches in der EU ist, leben müssen. Bei der Gelegenheit möchte ich auf das Projekt „Hilfe für Roma“ welches ihr auf der Seite scheytt-stiftung.de findet hinweisen. Lest es euch durch, hier könnt ihr für 20 € im Monat eine ganze Familie unterstützen.

Mittagspause
Mittagspause

Das Wetter wird besser, die graue Wolkendecke bekommt immer mehr hellblaue Löcher und es wird auch so langsam Zeit mal wieder eine Pause zu machen. So hält Fred an einem Fast Food Restaurant. Rebecca und ich essen ein Hamburger mit Pommes, Fred macht Diät und trinkt eine Cola. Wie überall in Rumänien wo Menschen zum Essen anhalten, sei es auf der Straße an irgendwelchen Parkplätzen oder eben an Restaurants und Geschäften sieht man gleich ein paar Straßenhunde herum laufen. Bei dem Anblick gehe ich in das Restaurant und kaufe einen ganzen Laib Brot und versuche mein Glück im Füttern der sehr scheuen Hunde. Es ist gar nicht so leicht, an die Hunde heran zu kommen, sie haben so viel Angst vor Menschen, dass sie immer gleich weglaufen. Ich laufe also ein wenig umher und versuche mein Glück. Das Dorf in dem wir sind, ist sehr überschaubar. Hinter dem Restaurant fließt der Fluss Bistriz und es führt eine Brücke darüber. Dahinter geht es dann gleich wieder den Berg hinauf, der Anblick erinnert mich etwas ans Allgäu. Nur die allgegenwärtigen Holzlaster mit ihrer Ladung erinnern daran, dass wir in Rumänien sind.

Als ich von meinen kleinen Ausflug zurückkehre, haben die Beiden schon bezahlt und wir führen unsere Fahrt entlang dem Fluss Bistriz, der am Ende in den Bicaz Stausee führt, fort. Am Stausee angekommen gibt es eine Fotopause, denn der Ausblick oberhalb des Stausees ist echt toll.

Kurvige Aussichten
Kurvige Aussichten

Der Himmel ist inzwischen kaum noch mit Wolken verhangen und Fred bohrte nochmals in meiner Wunde und fragt mich, weshalb ich heute bei dem „schönen Wetter“ nicht mit dem Moped gefahren sei. Das ist echt gemein, meine Gashand juckt eh schon wie blöd, aber es ist ja auch nicht mehr weit bis zur Pensiunea Ambiance.

Lacul Roșu
Der „Rote See“ wie er auch genannt, entstand im Jahr 1837 durch einen massiven Felsrutsch, der nicht nur Erdreich sondern gleich einen ganzen Wald mit sich riss. Das Geröll staute gleichzeitig den See auf und die Baumstümpfe ragen bis heute aus dem Wasser. Er ist nicht nur wegen seiner manchmal mehr, manchmal weniger starken Färbung durch Eisenoxide sehenswert, sondern hält noch ein anderes Highlight bereit: einen versteinerten Wald. Rund um den idyllischen See liegt der Nationalpark Bicaz-Klamm/ Haşmaş-Gebirge, der auf knapp 20 markierten Wanderwegen erforscht werden kann und Bären, Wölfen und Luchsen eine sichere Heimat bietet.

Wir kommen am frühen Nachmittag an und fahren mit unseren Gespannen erst einmal die einspurige Offroad Hofauffahrt hoch zur Pension. Nachdem wir die Zimmer bezogen haben, laden wir die Mopeds ab und ziehen uns um. Kurze Zeit später hört meine Hand wieder auf zu jucken und wir sind auf dem Weg hoch zum Lacul Roșu, diese führt durch die Bicaz-Klamm.

Fred meint bevor wir losfahren, dass er mich vor der Klamm dann wieder vorwinken wird, sodass ich die Wahnsinns-Kurven wieder in meinem Tempo fahren kann. Wir fahren also gemeinsam durch langgezogene Dörfer in denen nur Tempo 50 erlaubt ist und halten uns an die Geschwindigkeitsbegrenzung auch wenn es schwer fällt, aber es sei gesagt, die Dorfpolizisten blitzen da gerne mal.

Lacul Roșu
Lacul Roșu

Dann ist es endlich soweit und Fred winkt, ich geb meiner DR 350 die Sporen und surfe die Klamm mit ihren Überhängen hinauf, vorbei an einem Schild auf dem steht „11 Kilometer Kurven“. Was freue ich mich, aber schon nach kurzer Zeit bin ich an dem abgesprochenen Punkt angekommen. Schade, aber in diesem Fall ist wohl die Gesamtstrecke über den Berg 11 Kilometer lang und wir wollen heute ja nur bis zum Lacul Roșu. Kurz darauf kamen die beiden auch schon angedüst und Fred fährt wieder voraus ein kurzes Stück durch den Wald und biegt schließlich rechts ab, hinunter auf eine Schotterpiste die direkt zum Lacul Roșu führt. Leider ist es nun schon wieder sehr spät geworden und die Lichtverhältnisse zum Fotografieren nicht mehr die Besten, aber nichts desto trotz versuchten wir unser Glück und schießen ein paar Bilder.

Nach einer kurzen Pause fahren wir dann auch schon wieder zurück, da wir zum Essen in der Pension angemeldet sind. Ich darf wieder vorausfahren und habe wie immer meinen Spaß, doch in einer Kehre bin ich wohl etwas zu schnell unterwegs, da es dort irrsinnige Bodenwellen hat und mein Vorderrad stempelt Richtung Mittellinie. Mit der HD hätte es mich sehr wahrscheinlich aus der Kurve geworfen, aber mit der DR kein Problem. Die ist so geil zu fahren und verzeiht glaube ich alles (hoffe ich mal zumindest).

Lacul Roșu
Lacul Roșu

Rebecca und Fred lassen auch nicht lange auf sich warten. Wir kommen noch an dem Fischrestaurant vorbei in dem Fred eigentlich heute gerne mit uns frischen Fisch gegessen hätte, aber erstens haben wir in der Pension schon zugesagt und das Restaurant hat wohl eh gerade zu gemacht.

Um 21:00 Uhr kommen wir bei Dunkelheit an der Pension an, duschen geschwind und treffen uns unten beim Essen. Es gibt Ciorba und Carne de Pui zu Essen, aber leider nur Wasser zu trinken, da die Pensionsbetreiber lediglich Essen ausgeben dürfen aber keine Ausschankgenehmigung besitzen. Boah ey – kein Feierabendbierchen, das geht ja im Urlaub mal gar nicht.

So machen wir uns nach dem Essen auf den Weg zum Nachbar Hotel und versuchen dort unser Glück. Mist, da gibt es leider auch nichts und so laufen wir die Hauptstraße entlang zur Tankstelle und kaufen 2 Timisoara und 2 Cola. Im Garten der Pension setzen wir uns dann zusammen in eine Art Laube und lassen den schönen Tag ausklingen.


Transporte

Mittwoch, 17.08.2016: Piatra Neamț – Brașov (Rebecca)

Am Pasul Bicaz
Am Pasul Bicaz

In der Pensiunea Ambiance geht’s uns ziemlich gut. Zum Frühstück gibt es unter anderem den Lieblingskäse der Gruppe.
Ich fotografiere sicherheitshalber die Rettungswege die vorbildlich in jedem Zimmer angebracht sind.
Ingmar und Marion bekommen noch den Link zum Treffpunkt geschickt und dann kommt die Abfahrt nach Brașov.
Mit Marion fahren spielt sich immer mehr ein. Wir sind manchmal auch ganz zufrieden gar nicht zu reden und die Landschaft anzuschauen. Und wenn eine Mitteilungsbedarf hat oder etwas kommentieren möchte, ist das ebenso ok.
Nach der Ankunft warten wir auf Ingmar und Marion und ich suche spontan einen Laden für Pampis Birnchen. Den finde ich auch erfolgreich und bekomme die ersten direkt, die anderen werden bestellt. Englisch ist nur bedingt hilfreich, von daher hilft es den Wirt dabei zu haben und die kaputten Birnchen.

Der Hof füllt sich
Der Hof füllt sich

Als Marion und Ingmar ankommen, übergeben wir die Hochzeitsgeschenke und haben viel Freude die beiden bei der Übergabe zu beobachten. Der Storch musste einfach seinJ
Anschließend ging es mit dem Taxi in die Stadt und zum Essen ins Restaurant Sergiana. Super tolle Location. Wir wissen nun, warum es Fred da so gut gefällt.

Die Vorspeise hat etwas. Sogar für mich, die sich sonst um Schweinefleisch nicht so reißt.
Und dann ganz einfach Ciorbă mit Smântână und grüner Chili Schote. 🌶  Dazu Brot und Krautsalat, Ursus und später Wein. Zum Abschluss noch Papanaşi. Der Burner. Jetzt kann man uns alle eigentlich rollen.

Wir unterhalten uns dabei lange und angeregt und bauen unser Team auf. Jetzt sind wir komplett und freuen uns auf die nächsten Tage.


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Donnerstag, 18.08.2016: Wir bezwingen den Transfăgărăşan (Ingmar)

Langsam wirds eng im Hof
Langsam wirds eng im Hof

…. „it’s a beautiful day” spielt der Wecker aus den Lautsprecher meines IPhone’s.

Ich schaue auf die Uhr. Es ist 6:45 am 18.08.2016. Der erste Morgen für Marion und mich in Brașov. Wir  beide sind gestern Nachmittag im kleinen aber feinen Guesthouse Suri in Kronstadt (rumänisch Brașov) angekommen. Wir verbringen unseren Sommerurlaub sowie unsere Flitterwochen zusammen mit Marion, Rebecca und Fred.

Die lange Anreise von gestern sitzt mir ein wenig in den Knochen. Meine Vorfreude auf unsere erste gemeinsame Tour besiegt die Müdigkeit aber im Nu. Kurz nach 07:00 treffen wir uns im Frühstücksraum der Pension. Unsere Gastgeber sind sehr freundlich und erfüllen uns nahezu jeden Wunsch.

Stippvisite bei Draucla
Stippvisite bei Draucla

Nach dem Frühstück gehen wir zurück in unsere Honeymoon-Suite. Wir werfen uns mit voller Vorfreude in die Motoradklamotten und geraten dabei erst mal ins Schwitzen. Das Wetter ist zwar sehr mild für August in der Region aber es ist dennoch schon morgens recht warm.

Kurz vor 09:00 Uhr höre ich das Knattern eines Einzylinders kombiniert mit dem typischen „Pfeifen“ des Suzuki 350er DR Motors. Für das vertraute Geräusch ist Urs verantwortlich. Urs, ein gebürtiger Schweizer und Freund von Fred, erkundet heute mit uns zusammen den Transfăgărăşan, eine der schönsten Panorama Hochstraßen in Europa.

Fast pünktlich um 09:05 Uhr geht’s los… Zu sechst zirkeln wir durch den Verkehrsdschungel von Braşov. Ich denke mir: Irgendwie ist der Verkehr nicht schlimm, sicherlich aber chaotischer als bei uns im Ländle…

Motorrad-Domino ;)
Motorrad-Domino 😉

Nach gut 15 Minuten haben wir die Stadtgrenze passiert und fahren die 1E Richtung Poiana Braşov zum Predeal– Pass hinauf. Ich genieße die ersten Kurven in unseren Flitterwochen und merke, dass der Fahrstil aller Rider sehr gut harmoniert. Es macht Spaß und ich fühle mich als „Lumpensammler“ der Truppe sehr wohl …

Nach circa einer Stunde kommen wir in Bran an. Die kleine Stadt, welche berühmt für das Schloss Dracula ist, platzt vor lauter „Hollywood-Touris“ fast aus allen Nähten. Und das obwohl der Herr Vlad Dracul niemals in diesem Schloss gelebt hat.

Egal, wir entschließen uns dem Trubel aus dem Weg zu gehen und nicht wie hunderte Andere durch das Schloss geschoben zu werden.

Wir machen eine kurze Rast auf einer Wiese mit Blick auf die Burg und schießen das erste Gruppenfoto. Kurz bevor wir losfahren, spielt Freds XT Domino und kippt über den im weichen Untergrund eingesunkenen Seitenständer zur Linken um und räumt noch zwei weitere Enduros ab. Wir lachen herzlich und Fred erzählt uns, dass seine XT öfter mal zu solch einem Spaß aufgelegt ist.

Kurvenschlendern in den Karpaten
Kurvenschlendern in den Karpaten

Wir legen den ersten Gang ein und düsen weiter über die 73 Richtung Campulung. Dort tanken wir, kontrollieren den Reifendruck und fahren weiter Richtung Karpatenaufstieg.

Kurze Zeit später biegen wir Richtung Westen auf die 73C ab und fahren weiter Richtung Curtea de Argeș. In Slanic erleben wir einen Touristenstau der Extraklasse.
Der kleine Kurort ist sehr beliebt bei den Einheimischen und so müssen wir uns durch stockenden Kleinstadtverkehr schlängeln.

In Curtea de Argeș angekommen fahren wir auf der 7C Richtung Norden und sind nun bereits auf dem Transfăgărăşan.

Transfagarasan mal alternativ
Transfagarasan mal alternativ

Der Verkehr lässt trotz der Sommerferien eine relative zügige Fahrweise zu und so erreichen wir schnell den Stausee Lacul Vidraru. Geplant war es den See klassisch über das Ostufer auf der 7C zu passieren. Doch auf der südlichen Staumauer stockt sich bereits der Ferienverkehr und wir entschließen uns kurzerhand die „Straße“ 704L am Westufer entlang zu nehmen.

Der Forstweg geht zuerst direkt an der Staumauer entlang, durchquert einen Tunnel um sich dann direkt am Ufer des Stausees entlang zu winden. Endlich. Unsere Stollenreifen  bekommen den ersten Schotter unter die Profilblöcke und ich genieße das Endurieren sehr…

Aber mit Schotter alleine ist es heute nicht getan. Je weiter wir den Forstweg entlang fahren je mehr kommen kleine, mittlere und große Wasserpfützen auf uns zu. Die Pfützen verwandeln sich mit jedem gefahrenen Kilometer mehr in Schlammpassagen bis irgendwann der gesamte Weg nass und komplett teilweise kniehoch schlammig vor uns liegt. Aber wir fahren ja Enduros und haben Spaß an wechselndem Untergrund.

Kurze Zwangspause
Kurze Zwangspause

Plötzlich steht hinter einer Kurve ein großer Holztransporter. Die Stützen stehen bereits außerhalb des Pfades im Unterholz. Wir parken die Mopeds an der Seite, nehmen die Helme ab und warten erst einmal ab. Die Waldarbeiter entdecken uns ein paar Minuten später und ohne ein Wort zu wechseln räumen sie kurze Zeit später den Weg soweit frei, dass wir uns an dem großen LKW vorbei schmuggeln können.

Nach 22 km unbefestigter Wege erreichen wir wieder die 7C. Es ist bereits 14:30 und unsere Mägen knurren. Wir düsen mit unseren 27 bis 45 PS Einzylinder Enduros den Transfăgărăşan hinauf. An einen kleinen Wasserfall halten wir kurz, schießen bei bestem Wetter ein weiteres Gruppenfoto und erreichen um 15:00 Uhr den Balea Lac und kehren im Restaurant Cabana Balea Lac ein.

Balea Lac
Balea Lac

Wir genießen die Pause in Inneren des Restaurants, wärmen uns etwas auf und essen regionale Köstlichkeiten wie Mici mit Salata de Varza (eine Art Cevapcici mit Weißkrautsalat) oder gebackene Forelle.

Kurz vor 17 Uhr schwingen wir uns auf die Motorräder und fahren die Serpentinen der wunderschön geschwungenen Transfăgărăşan hinunter.

Schon beim losfahren sehen wir die Wolken die den Blick auf die Serpentinen ins Tal versperren.

Keine 10 Minuten später müssen wir wie erwartet anhalten um uns die Regenkombi anziehen.

Es wird feucht..
Es wird feucht..

Wir reduzieren das Tempo beim Serpentinen räubern und kommen sicher im Tal an. Kaum haben wir die Berge hinter uns gelassen hört auch der Regen schon wieder auf.

Wir fahren bis Schirkanyen auf der E68 und biegen auf die vom Fernverkehr wenig frequentierte 73A Richtung Brasov ab.

Gegen 19:30 uhr und nach 394km mehr auf dem Tacho erreichen unsere Pension müde, aber sehr zufrieden und glücklich.

Den Abend lassen wir bei kühlem Bier und Cola in der Bar gegenüber der Pension ausklingen.

What a beautiful day!


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Freitag, 19.08.2016: Geheimmission, Endurowandern und Hilfsprojekt (Marion G.)

Freude schenken

Wie nahe Freud und Leid beieinander liegen werden wir heute hautnah erleben. Während Fred und Laura vormittags in geheimer Mission unterwegs sind, freuen wir uns mit Urs erneut unterwegs zu sein.

Spielplatz für Erwachsene ;)
Spielplatz für Erwachsene 😉

Ohne Fred machen wir vier uns auf den Weg zu Lauras und Urs Haus. Sie leben gemeinsam mit Lauras Eltern etwas außerhalb von Brașov. Lauras Papa begrüßt uns fröhlich und ist total fasziniert von drei motorradfahrenden Frauen und zwei Männern. Dankend lehnen wir den morgendlich angebotenen Schnaps ab und fahren nach Zizin. Die Straße führt über eine kleine Brücke, an kleinen Einfamilienhäusern vorbei und direkt auf eine Schranke zu. Doch anders als in Deutschland stoppt sie uns nicht.
Nachdem wir die Schranke passiert haben, verändert sich die Straße zu einer breiten Schotterpiste, gesäumt von leuchtend grünen Wiesen, eingerahmt von Wäldern und Bächen. Ein Traum und wir mitten drin. Auf den ersten Metern kreuzen wir weidende Schafe und Pferde, uns kommen Einheimische mit Leiterwagen entgegen oder beladene Holzlaster. Doch keiner stört sich an uns. Urs gibt Gas und wechselt vom Schotter ins herrlich weiche Gras. Keiner von uns bleibt zurück. Es fühlt sich an als wären wir freigelassen worden. Eine Herde junger Enduros, das erste Mal im Gelände.

Urs macht heute den Tourguide
Urs macht heute den Tourguide

Weiter geht es zu einer perfekten Übungswiese inklusive Schlammloch, Wasserdurchfahrt und allem was ein Enduroanfänger zum Üben benötigt. Marion, Ingmar und Urs testen gleich die Wasserdurchfahrt. Rebecca und ich erkunden das Schlammloch.

Bevor wir uns weiter auf den Rundkurs begeben, gibt es noch eine kleine Schraubereinlage an Marions Moped. Bei einem leichten Umfaller ist der Bremshebel abgebrochen. Doch kein Problem, wir sind vorbereitet und das Malheur ist gleich beseitigt. Viele tolle Augenblicke und Momente legen wir noch zurück. Wir beten die Sonne hoch über Brașov an, erkunden das Bachbett und genießen die Zeit auf dem Motorrad.

Mit Maja im Garten des Kinderheims
Mit Maja im Garten des Kinderheims

Doch wir haben noch etwas vor und sind nachmittags mit Fred und Laura in Ghimbav verabredet. Eine Herzensangelegenheit unserer Reise ist die Übergabe der gesammelten Kleider- und Sachspenden im „Kinderheim des barmherzigen Samariter“ unter der Leitung von Maja Scheytt.

Als wir dort eintreffen sitzen Laura und Fred mit Maja zusammen im Garten. Uns empfängt ein reichhaltig gedeckter Tisch und frischer Kaffee. Natürlich ist unsere zweirädrige Ankunft den Kindern und Jugendlichen nicht verborgen geblieben. Ganz vorsichtig und zaghaft werden unsere Motorräder in Augenschein genommen, während Maja uns über das Kinderheim und ihr unglaubliches persönliches Engagement berichtet.

Wir geben unsere Sachen ab
Wir geben unsere Sachen ab

Ziel, der von Maja und ihrem verstorbenen Ehemann gegründeten Scheytt-Stiftung, ist es Menschen in Not zu helfen. Aktuell betreuen Maja und ihre drei Angestellte ca. 20 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6 und 20 Jahren. Die Kinder leben in festen familiären Gruppen. Diese jahrelangen festen Strukturen bilden die Basis für langfristige positive Entwicklungen der Kinder und Jugendlichen.
Doch dies kann nicht darüber hinweg täuschen, welche Einzelschicksale hinter diesen großen, oft tief traurigen, Kinderaugen verborgen sind. Unverschuldet in Not geraten, von der Gesellschaft alleine gelassen oder von der eigenen Familie gequält, missbraucht oder schwer vernachlässigt. Was uns Maja an diesem Tag erzählt, bewegt uns alle zutiefst. Die eine oder andere Träne bahnt sich ihren Weg als uns Maja Einblicke in einige der Lebensläufe gibt. Ihre Worte gehen unter die Haut.

Alle packen mit an .. auch die Kinder
Alle packen mit an .. auch die Kinder

Offen erzählt sie vom mühseligen Kampf gegen Rumänische, Europäische und Deutsche Behörden um ein bisschen Unterstützungen zu erhalten und wie schwer es ist mit privaten Spenden ein Jahr lang über die Runden zu kommen. Ohne Pathos, dafür ganz ehrlich lässt sie uns teilhaben an ihrem alltäglichen Kampf gegen veraltete Strukturen und negative Einflüsse, die die Kinder immer wieder auf die schiefe Bahn bringen. Nicht jedes Kind, nicht jeder Jugendliche, kann eine Erfolgsgeschichte werden. Manche werden später straffällig oder suchen sich doch wieder ähnliche Familienstrukturen und Arbeitsverhältnisse, aus denen sie eigentlich durch Majas Unterstützung entfliehen konnten. Nicht nur mich fasziniert Majas innere Stärke. Wir alle sind beeindruckt von so viel Durchhaltevermögen und Energie. Bewundernswert.

Was für eine Erlebnis für die Kinder
Was für eine Erlebnis für die Kinder

Freds Auto inklusive Dachbox ist voll mit Kleiderspenden, Kinderspielzeug und einer ganz besonderen Überraschung. Als wir anfangen auszuladen, sind die Jugendlichen sofort zur Stelle. Jeder packt kräftig mit an. Groß werden die Augen als das Schlagzeug zum Vorschein kommt und auch das Ministoffpferd wird sofort adoptiert. Nach einer kleinen Schlagzeugeinlage und Gruppenbild machen wir uns auf den Weg zu unseren Motorrädern.
Schüchtern fragen uns die beiden ältesten Jungs, ob sie nicht eine kleine Runde mit uns drehen könnten. Von Herzen gerne erfüllen wir diesen Wunsch. Ist es doch die Leidenschaft fürs Motorradfahren, die uns alle nach Rumänien gebracht hat. Nachdem die Junges den Anfang gemacht haben, werden auch die Mädels mutiger und eine nach der Anderen dreht eine Runde mit Fred, Ingmar und Urs. Den krönenden Abschluss bildet Maja. Sie lässt es sich nicht nehmen und genießt ebenfalls eine Runde um den Block. Die strahlenden Augen der Jugendlichen begleiten uns noch den gesamten Heimweg und in den Abend hinein.

Auch Maja lässt es sich nicht nehmen und dreht eine Runde mit Ingmar - trotz Hüft-OP
Auch Maja lässt es sich nicht nehmen und dreht eine Runde mit Ingmar – trotz Hüft-OP

Wir lassen den Abend gemeinsam mit Laura und Urs in einem Restaurant mitten in Brasov ausklingen. Ein toller Tag voller einzigartiger Eindrücke und bewegender Momente geht zu Ende.

Einen weiteren Bericht zur Spendenübergabe findest Du hier – klick


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Samstag, 20.08.2016: Ägyptische Gottheiten, Königsschlösser und Schotter (Marion R.)

Heute geht es ins Bucegi-Gebirge
Heute geht es ins Bucegi-Gebirge

Rebecca weckt mich wie jeden Morgen, nachdem sie im Bad fertig ist. Kurze Zeit später sitzen wir alle unten beim Frühstück. Das Wetter sieht heute gar nicht so schlecht aus und nach schon eingespieltem morgendlichen Ritual mit Mopeds klarmachen, sind wir startklar. Urs ist wie abgemacht pünktlich vor der Zeit da und so kommen wir um 10:00 Uhr los. Heute steht unter anderem der Besuch der „Sphinx“ und der Besuch des Höhlen Klosters „Pestera Ialomitei“ auf dem Plan.

Wir starten also wieder durch Brașov erst einmal auf der sechsspurigen Straße raus in Richtung Timisu de Jos wo die Straße nur noch zweispurig verläuft. Nachdem wir die Mopeds mit Sprit und uns mit Wasser versorgt haben, geht es vor Predeal auf der E60 auf einer herrlich breiten und wundervoll geschwungenen Serpentine hoch nach Busteni. Dort ist schon richtig was los, der Verkehr staut sich und auf der Straße laufen jede Menge Himbeerverkäufer/innen herum. Wir müssen acht geben, keinen von denen über den Haufen zu fahren, da sie zwischen den Autos umher laufen und versuchen, ihre Körbchen mit Himbeeren an den Mann bzw. die Frau zu bringen.

Endlos scheinende Wege durch grandiose Landschaft
Endlos scheinende Wege durch grandiose Landschaft

In Sinaia biegen wir rechts ab und als wir die Häuser hinter uns haben, schlängelt sich die Straße in herrlichen Kurven den Berg hinauf. Wir kommen dann bald an die Baumgrenze und vor uns tut sich ein herrliches Hochplateau auf. Die Straße ist frisch geteert und alle haben ihr Spaß. Hier und da muss ich anhalten um den herrlichen Blick auf einem Photo einzufangen. Ich bin froh, dass ich heute nochmals meine Motorradjacke angezogen habe, denn hier oben ist es doch etwas frisch. Der Himmel ist zwar stark bewölkt, doch die Sonne kommt immer wieder durch und so haben wir ein tolles Lichtspiel. Die Kühe grasen friedlich auf den Weiden und es hat kaum Verkehr. Nach kurzer Zeit sind wir auch schon an der Stelle angekommen, wo es hoch zur Sphinx geht, wir parken unsere Mopeds hinter der Schranke auf dem Weg. Leider ist es verboten zur Sphinx hochzufahren und so machen wir uns, nachdem wir die Helme am Moped angeschlossen haben auf, den Berg zu erklimmen. Fred meint, es ging jetzt 800m hoch bis zu Sphinx und da Fred und Urs schon oben waren und Ingmar nicht die richtige Wanderschuhe an hatte und wohl immer gleich riesige Blasen an die Füße bekommt, beschließen Rebecca und ich alleine die 800 Meter in Angriff zu nehmen. Marion, Ingmar, Fred und Urs legen sich derweil am Wegesrand ins Gras und wir beide gehen flott los. Ich denke mir noch so, die 800m die laufen wir mal schnell hoch, schauen uns die Sphinx an, da wir ja extra deswegen hergefahren sind.

Kleine Wegzehrung für den langen Marsch
Kleine Wegzehrung für den langen Marsch

Es stellt sich dann aber heraus, dass es nicht nur 800 m Weglänge waren sondern 800m Luftlinie. Der breite Schotterweg schlängelt sich um den Berg hoch bis zur Seilbahnstadtion. Es sind unheimlich viele Leute hier oben unterwegs und sie blicken uns alle etwas komisch an, da wir ja nicht gerade die optimalen Wanderklamotten und -schuhe an haben. Nach ca. 1 Stunde sind wir dann endlich oben angekommen wo die Seilbahn von zwei Seiten den Berg hoch führt und die Massen an Menschen, die dort oben anzutreffen sind, hochgefahren werden. Mir läuft das Wasser den Rücken runter, die Mopedjacke ist alles andere als atmungsaktiv und ich bin froh, meinen Trinkrucksack zuvor aufgefüllt zu haben. Die Sphinx ist dann schnell begutachtet und fotografiert und wir machen uns gleich wieder auf den Weg hinunter, da wir die Anderen nicht so lange warten lassen wollen.

Urs meistert die Durchfahrt souverän
Urs meistert die Durchfahrt souverän

Hinunter geht es dann in der halben Zeit und so sind wir eine halbe Stunde später wieder bei den Anderen, die uns schon sehnsüchtig erwarten. Da es mittlerweile 15:00 Uhr ist, fahren wir wieder den Weg hinunter und kehren an der nächsten Kreuzung in das Restaurant Cabana Dichiu ein. Es beginnt gerade etwas zu tröpfeln und so sind wir erst einmal froh unseren Hunger im trocken zu stillen. Wir bestellen Mici und Salata de Varza. Als wir wieder raus kommen, ziehen schwere schwarze Wolken aus der Richtung der Sphinx zu uns. Wir schauen, dass wir los kommen und fahren in Richtung Bolboci Stausee. Fred hat die Straße die nun folgen sollte noch als super schöne Schotterpiste in Erinnerung, doch die Straße ist frisch geteert, was dem Fahrspaß (meinem zumindest mal) keinen Abbruch tut. Ich darf wieder mal vorausfahren, nachdem mir Fred gesagt hat, wo er wieder die Führung übernimmt.

Schotterspaß
Schotterspaß

Nach dem Stausee kommt dann auch endlich wieder ein Stück Schotterpiste, diese führt über eine Ebene durch die sich der Ialomita Bach schlängelt. Kurz vor der Schranke, die den Weg für die Autos hoch zur Pestera Ialomitei (Höhlenkloster) versperrt, gibt es eine Gras bewachsene Ebene auf der die Rumänen wohl gerne das Wochenende verbringen, campen, angeln und ihren frisch gefangenen Fisch grillen.

Als wir an der Schranke ankommen, winkt uns der Parkplatzwart seitlich durch den Bach, da die Brücke durch die Schranke unpassierbar ist. Fred fährt als erster durch (weiter rechts), dann folgt Ingmar gleich links durch den Bach und ich hinterher, bis ich sehe, dass es da eine tiefe Gumpe gibt. Ich erschrecke kurz, mir bleibt aber nichts übrig als am Gas zu bleiben, denn sonst gehe ich wohl mit samt dem Moped baden. Rebecca hat das mitbekommen und Respekt bekommen, da der Weg runter zum Bach für sie mit dem hohen Moped schon etwas schwierig ist und sie nicht vor den vielen Leuten, die dem Spektakel beiwohnen, im Bach landen will. Fred fährt ihr die XT durch das Nass. Anschließend teilen wir uns mit den Wanderern den grob geschotterten Weg, aber es stört niemanden, dass wir mit den Mopeds hoch fahren. Nach dem wir eine Holzbrücke überquert haben endet der Weg dann auch bald für uns und wir parken die Mopeds und gehen das letzte Stück zu Fuß hoch.

Die Ialomiţa-Höhle..
..ist ist eine der bekanntesten in Rumänien. Am Eingang der Höhle befindet sich das Ialomiţa-Kloster, das im 16. Jahrhundert gebaut und von dem Fürsten des Rumänischen Landes, Mihnea der Böse, ein Sohn des berüchtigten Vlad III. Drăculea, zur Sühne seiner Taten gestiftet wurde.
Das Kloster war ursprünglich aus Holz und ist mehrfach abgebrannt oder durch Steinschläge zerstört worden.
Begegnungen..
Begegnungen..

Kurz Zeit später erblicken wir vor uns im Berg das Kloster „Apostoli Petru și Pavel“. Oberhalb vom Glockenturm, durch den wir anschließend gehen, ragt die blanke Felswand in den Himmel. Im Innenhof zwischen Kloster und Höhleneingang steht eine kleine Kapelle, die wir uns dann von innen anschauen.
Vor dem Eingang zur Höhle gleich unmittelbar neben der Kapelle gibt es eine lange Schlange von Wartenden die alle in die Höhle wollen. Keiner von uns will sich anstellen und die Höhle besichtigen, da wir ja noch Schotterpiste fahren wollen.
So geht es dann auch bald wieder runter zu den Mopeds und den gleichen Weg zurück durch den Bach bis zum Plateau wo die Camper sind, dort hat Ingmar zuvor einige Esel gesehen und will unbedingt noch einen streicheln und ein Foto mit einem Esel machen. Ingmar und ich fahren auf die Wiese zu den Eseln und Marion bleibt auf der Straße zurück und hofft, dass Ingmar sich keinen hinten aufs Moped schnallt.

Ausblick
Ausblick

Die Straße führt uns dann wieder zurück auf herrlich geschwungenen Kurven zum Stausee, wo wir dieses mal rechts abbiegen, um auf der anderen Uferseite entlang zu fahren. Die Piste ist breit und hat recht ordentliche Schlaglöcher, so dass volle Konzentration nötig ist. Am Ende müssen wir einige Autos überholen, die recht langsam im Slalom um die Schlaglöcher kurven. An der Staumauer angekommen, habe ich die Idee vom Parkplatz direkt runter zum See zu fahren um dort ein Photo zu machen. Aber es war doch etwas steil, so dass nur Ingmar, Urs und ich runter fahren. Die Anderen bleiben oben und schauen runter. Kurze Zeit später sammeln sich oben auf dem Parkplatz Leute um zu sehen, wie wir mit unseren Mopeds wieder hoch kommen. Trotzdem mein Reifen nicht mehr der Beste ist, geht es mehr oder weniger gut. Ingmar und Urs haben da ja eh keine Probleme, sie fahren mit links die mit Gras bewachsene nasse Steigung hoch.

im Schotterparadies
im Schotterparadies

Die schwarzen Wolken haben uns indes eingeholt und es beginnt mäßig zu regnen. Vor uns ist es heller und so beraten wir uns kurz ob es Sinn macht das Regenzeug anzuziehen oder nicht. Wir sind optimistisch, hoffen das es gleich wieder aufhört und folgen der Schotterpiste. Im Wald treffen wir dann auf eine Kreuzung und nehmen erst einmal den rechten Weg. Der Weg wird bald immer schmaler und anspruchsvoller, d. h. es sind große Furchen im Weg, lockeres größeres Gestein und sehr holprig, aber spaßig für alle. Der für uns fahrbare Weg endet am Lacul Scropoasa, dahinter gibt es nur noch einen Singeltrail, den Fred mit uns aber nicht fahren will, da er meint, die Zeit reicht nicht aus und er ist auch etwas anspruchsvoller wie das was wir bisher gefahren sind. Also drehen wir nach einem kurzen Trink- und Photostopp um und fahren den holprigen Weg wieder hoch bis zur Abzweigung im Wald. An der Abzweigung treffen wir dann auf einen Waldarbeiter, der uns zuvor schon vorbeifahren sah. Er freut sich, kurz mit uns ins Gespräch zu kommen. Fred schenkt ihm ein paar Zigaretten und von mir bekommt er ein Feuerzeug (immer gut wenn man so kleine giveaways dabei hat).

Kleines Stromkraftwerk
Kleines Stromkraftwerk

Der Weg, der von den Holzlastern mächtig gezeichnet istr, führt uns wieder talwärts. Der Regen hat zum Glück wieder aufgehört. Immer wieder können wir tolle Ausblicke auf das Tal erhaschen und so kurven wir vorbei an wilden Pferden und Kühen. Kurz vor dem Zigeunerdorf Glod ist die Straße dann geteert, aber ehrlich, das hätten die besser sein gelassen, die Straße ist so was von wellig und wir müssen unheimlich aufpassen um nicht abzuheben.
Wir fahren also von der Bergseite her in das Dorf Glod, in dem damals ein Teil des Films Borat gedreht wurde. Es ist ganz schön was los im Dorf, die Leute sind alle am Bauen. Fred erzählt uns später, dass das vor 5 Jahren noch ganz anders aussah.  Die Kinder und auch die Erwachsenen winken uns freundlich zu.

Peles
Peles

Nach Glod bieogen wir links auf die 71 ab, welche auch hier noch sehr abenteuerlich geteert ist und fahren runter nach Sinaia. Fred macht mit uns dann noch einen kurzen Abstecher links hoch zum Schloss Peles welches ihr im Trailer von „The Brothers Bloom“ auch von innen sehen könnt.
Es ist schon wieder kurz nach 20:00 Uhr, als wir in der Pension eintreffen und uns der Pensionsbesitzer, wie auch die Tage zuvor schon, erwartet um uns das Tor zu öffnen. Was für ein Service.
Nach 204 super schönen Kilometer und jeder Menge Eindrücke, stellen wir die Mopeds im Hof ab.

Ingmar hat die Tage zuvor immer mal mit Merle und Robert von der Fernweh Gruppe geschrieben, da die beiden uns hier in Brasov treffen wollen. Wir duschen also kurz, bestellen 2 Taxis und fahren zum Sergiana, wo Merle und Robert bereits warten. Wir genießen das leckere Abendessen in geselliger Runde und um 0:45 Uhr sind wir dann alle glücklich und zufrieden im Bett.


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Sonntag, 21.08.2016: Papanaşi, steile Schotterpisten und Grillen (Marion R.)

Ready for takeoff..
Ready for takeoff..

Wie auch schon die Tage zuvor werde ich liebevoll von Rebecca um 8:00 Uhr geweckt. An der Stelle nochmals herzlichen Danke an dich Rebecca für den tollen Service.

Um 8:30 Uhr sitzen wir wieder alle mehr oder weniger ausgeschlafen unten beim Frühstück und Fred meint, heute fahren wir Papanaşi essen. Das klingt ja schon mal vielversprechend. Urs kommt heute nicht mit, da wir abends zum Grillen bei ihm, Laura und ihren Eltern eingeladen sind. Das Wetter ist wie immer leicht bewölkt, aber zum Glück nicht so heiß wie es normalerweise im August in Rumänien ist.

erst ein toller Asphaltpass, dann Schotter..
erst ein toller Asphaltpass, dann Schotter..

Der Weg zu den Papanaşi soll laut Fred ne anspruchsvolle Schotterpiste hoch gehen, so entscheide ich mich heute für meine Enduro-ausrüstung.
Um 10:00 Uhr sind wir startbereit und fahren wie die Tage zuvor erst einmal auf der sechsspurigen Straße raus aus Brasov.

Wir folgen dann aber nicht der E60 sondern biegen links ab Richtung Osten der 1A entlang. Die Straße ist gut in Schuss und der Fluss Tarlung begleitet uns. Da es heute Sonntag ist, sehen wir am Flussufer jede Menge Rumänen, die dort mit ihren Freunden und Familien grillen und den Tag verbringen. Die Straße schlängelt sich so dahin und es macht wie immer unheimlich Spaß. Kurz darauf winkt mich Fred wieder vorbei und so hoffe ich gleich auf geile Kurven, die auch nicht lange auf sich warten lassen. Da der Belag in den Kurven mehr schlecht als recht ist und zudem heute etwas mehr Autos unterwegs sind, komme ich nicht ganz auf meine Kosten, aber egal, Hauptsache Mopped fahren.

Gleich oben!!
Gleich oben!!

Gleich nach den tollen Kurven geht es links eine Schotterpiste hoch. Zuerst vorbei an grünen Wiesen und anschließend durch den Wald. Immer wieder mal überholen wir Wanderer, die sich durch uns zum Glück nicht gestört fühlen. Es machte unheimlich Spaß bis es dann doch recht steil wird und die Piste für  Jeeps mit Eisenbahnschwellen aus Beton flächig befestigt ist, was irre hoppelt.
Die Schwellen sind nicht so breit, dass sie die ganze Breite des Wegs bedecken und so sind sie versetzt verlegt. In der Mitte liegen die Schwellen eng aneinander, außen gibt es durch diese Art der Verlegung Lücken, weil so immer eine Schwelle fehlt, was noch mehr hoppelt.

Ich versuche in der Mitte zu fahren, gefällt mir nicht, dann probiere ich es weiter außen, gefällt mir noch weniger. Ganz außen fahren geht nicht, da geht es gleich noch viel steiler den Berg runter zum Bach. Dann kommt in dem steilen Stück auch noch eine relativ enge Kurven und ich denk mir nur „ja nicht anhalten, da kommst du nicht mehr weg“. Boah ey, und dann auch noch auf die Wanderer aufpassen. Einige sitzen am Rand der Piste auf Felsen und müssen verschnaufen, die Anderen schauen uns ungläubig an und wieder andere lächeln bzw. finden es amüsant wie ich immer mal wieder diverse Laute von mir gebe.

Alle oben. Ihr seid Spitze!
Alle oben. Ihr seid Spitze!

Ich fahr also die 2. und auch noch die 3. und letzte enge Kurve im Stehen hoch und bin froh, dass ich nicht anhalten muss und mir auch kein Jeep entgegenkommt. Nach der letzten steilen Kurve wird die Piste endlich wieder flacher und es sind auch keine Betonschwellen mehr eingearbeitet. Kurz darauf erblicken meine Augen das Hotel Restaurant „Cabana Ciucas“. Ich suche mir einen ebenen Parkplatz, wo wir alle Platz haben. Es dauert dann auch nicht mehr lange bis Rebecca mit ihrer XT ankommt und ich denk mir nur „Respekt“, mit dem hohen und doch etwas schwereren Moped da hoch, das hätte letztes Jahr wahrscheinlich noch nicht so gut funktioniert. Sie grinst, als sie neben mir das Moped abstellt. Marion kommt als nächste und sieht von Weitem eigentlich auch ganz entspannt aus, was sie aber leider nicht ist. Dies merken wir erst, als sie sagt: „Ich brauch mal gerade einen Moment“ und sich von uns entfernt. Es folgen zum Schluss noch Ingmar und Fred, die glaube ich, gerade mal irren Spaß hatten. Nachdem Marion wieder bei uns ist und Fred mit ihr gesprochen hat, laufen wir hoch zum Restaurant, setzen uns auf die Terrasse und bestellen erst einmal alle Papanaşi, Kaffee und Cola. Sogleich ist der anstrengende und für uns Frauen sehr herausfordernde Weg fürs Erste vergessen.

Traktionsvermehrung für die Abfahrt ;)
Traktionsvermehrung für die Abfahrt 😉

Wir genießen die Sonne auf der Terrasse und ergötzen uns an dem schönen Weitblick über die Berge. Marion und ich machen uns, nachdem wir die Papanaşi gegessen haben auf, und fotografieren das Restaurant mit seiner außergewöhnlichen Eingangstür, dem rustikal ausgebauten Inneren mit seinem aus Stirnholz verlegten Holzboden.
Die Leute die sich die Mühe machen um den Berg zu Fuß hoch zu wandern, machen es sich auf der Wiese und auf dem großen Parkplatz gemütlich, vespern, spielen Federball oder auch Schach. Es geht sehr ruhig und beschaulich zu und so denken wir erst gar nicht an den Weg hinunter, der uns ja noch bevorsteht.

Dann ist es aber soweit und da es zu diesen leckeren Papanaşi nur den einen Weg rauf und runter  gibt, müssen wir Mädels all unseren Mut zusammennehmen und uns auf den Weg nach unten machen. Ich probiere gleich mal das umzusetzen, was Fred uns zuvor erklärt hat und versuche etwas mehr Gefühl in meinen rechten Fuß zu bekommen, der die Fußbremse bedient, was mir oben im ziemlich flachen Teil und auch noch in der ersten und zweiten steilen Kurve relativ gut gelingt.

Kopfsache..
Kopfsache..

Kurz darauf erblicke ich ein kurzes, flaches Stück, an dem ich anhalten kann und suche mir ein geeignetes Plätzchen um mein Moped einigermaßen gerade abzustellen. Jetzt muss ich erst mal Luft holen und sowieso ein paar Bilder machen, da ich ja für den Tagesbericht zuständig bin. Ingmar düst freudestrahlend  an mir vorbei wie wenn´s voll flach wäre und hält nach der 3. Kurve in steilem Gelände an, macht sein Moped aus und setzt seinen Helm ab. Gleich drauf kommt Rebecca die 1. steile Kurve mühelos runter gefahren und muss im steilen Hang anhalten und erst einmal einen Jeep vorbeilassen. Zuletzt fahren dann Marion und Fred runter. Ich bin froh, dass es ein wenig dauert bis alle an mir vorbei sind, denn so kann ich noch etwas verschnaufen. Als alle unten sind, fahre ich die letzte von den 3 steilen Kurven im Sitzen runter, da ich mich nicht traue aufzustehen, was bestimmt besser wäre. Ich habe das Gefühl, dann brauche ich zu lange um wieder voll bremsbereit zu sein um in dem abschüssigen steilen Gelände anhalten zu können. Dann höre ich hinter mir auch noch einen SUV, der wohl so seine Probleme bei der Abfahrt hat, denn er rutscht beim Bremsen Richtung Hang als er an mir vorbei ist. Das Geräusch von etwas das bremst, aber rutscht mag ich überhaupt nicht und bin nur froh, dass der nicht hinter mir ist. Zum Glück kommt der auch noch an den Anderen gut vorbei.

Der Oberschlaue
Der Oberschlaue

Die Leute, die uns entgegen kommen schnaufen nicht schlecht und schauen uns zum Teil mitleidig an, wie wir im Schneckentempo den Berg runter fahren bzw. runter bremsen. Die Fingerspitzen meiner rechten Hand sind schon taub, da ich die Handbremse nicht los lassen kann und zudem noch beide Beine auf dem Boden habe und so Stück für Stück runter rolle. Plötzlich kommt von unten ein gestörter Rollerfahrer den holprigen Weg hochgebrettert, er hält neben mir und versucht (ich nehme es mal an) mir zu erklären wie ich fahren soll. Nachdem er merkt, dass ich nichts verstehe, gibt er Gas, die Räder drehen durch, die Steine spritzen hinten nur so weg und ich bin nur froh, dass gerade kein Wanderer in der Nähe ist. Er quält anschließend seinen Roller noch bis zur 1. Kurve hoch und stellt dann fest, dass er da mit dem großen Motorroller ohne Stollenreifen nicht hoch kommt, also kommt er kurze Zeit später wieder neben mir zum Stehen und gestikuliert nochmals wild umher. Ich lächle nur und denke mir „was für ein Irrer“.

Sperre im Kopf überwunden. Klasse!
Sperre im Kopf überwunden. Klasse!

Meine Fingerspitzen sind wieder etwas besser durchblutet und so mache ich mich im Schneckentempo auf den Weg nach unten.
Rebecca ist schon längst weiter unten, Ingmar sitzt auf einem Stein und schaut zu wie Fred das Moped von Marion runter fährt und seine frisch angetraute Frau den Berg zu Fuß hinunter läuft.
Da dieses Stückchen Schotterpiste steil und auch noch nur gerade aus geht, ich also sehen kann wie lange der Weg noch ist, bis wieder für mich fahrbarer Untergrund kommt, dauert es gefühlt ewig bis ich bei den Anderen bin.

Wir beschließen erst einmal eine Pause zu machen und ich bin froh unbeschadet diese Piste gemeistert zu haben. Der restliche Weg ist dann wieder echt easy. Fred meint, als ich unten bei der geteerten Straße ankomme, wir haben noch Zeit und sollten nochmal dahin fahren, wo wir mit Urs am Freitag waren. Ingmar fährt voraus.

Im Ciucas
Im Ciucas

Inzwischen ist es irre heiß und wir müssen erst einmal unsere Getränke auffüllen, bevor wir in das Dorf Zizin mit dem gleichnamigen Fluss abbiegen. Dort angekommen, rutscht Marion vor der Brücke auf Schotter weg und stürzt. Zum Glück verletzt sie sich nicht wirklich böse und wir können, nachdem Ingmar sie mit einem Küsschen verarztet hat die Fahrt fortsetzen. Die Piste durchs Dorf ist übersät von Schlaglöchern und so brausen wir Staub aufwirbelnd hinaus. Das Gelände ist eben, der Fluss Zizin begleitete uns, wir kommen an freilaufenden Pferdeherden vorbei, überholen Schäfer mit ihren Schafen und grüßen immer freundlich wenn wir an Leuten vorbei fahren, die picknicken.

Kurze Zeit später geht es rechts ab und wir sind da. Das Gelände ist nicht wirklich aufregend, aber zum Üben perfekt, da es kleine und große Matschlöcher gibt, Flussdurchfahrten möglich sind und genügend Platz für Sonstiges bietet. Wir stellen unsere Mopeds ab und Marion erinnert uns nochmals an ihren hier verloren gegangen Objektivdeckel. Da wir doch etwas geschafft sind von der vorherigen Tour und keiner mehr so richtig Lust hat zu üben, sind wir froh um die Aufgabe den  Objecktivdeckel zu suchen. Keine 2 Minuten später hält Fred ihn in der Hand, was für ein Zufall.

Heimwärts ..
Heimwärts ..

Es ist 16:00 Uhr , wir starten unsere Mopeds und halten uns Richtung Pension, da wir ja noch abends zum Grillen bei Laura und Urs eingeladen sind. Als wir wieder vorne bei der Brücke ankommen, fällt mir auf, dass Fred fehlt. Rebecca winkt mich zu sich herüber um mir zu berichten, dass Fred noch auf der Suche nach ihrem Nummernschild ist, da sie dieses wohl eben verloren hat. Wir sollen schon mal in die Pension fahren, er würde nachkommen. Ingmar führt die Mädelstruppe an und um 16:40 Uhr sitzen wir etwas erledigt im Hof der Pension.

Uns gelüstet es nach einem kühlen Bier und so macht sich Marion auf in die naheliegende Kneipe. Kurze Zeit später kehrt sie freudestrahlend zurück, in der Hand 4 kühle URSUS und in der Hose steckt eine kühle Mirinda für Fred. Wir stoßen an auf unseren anstrengenden Tag, freuen uns, dass mal wieder alles gut gegangen ist und genießen das kühle URSUS Bier.

Dann kommt Fred um die Ecke gedüst, allerdings ohne Rebeccas Nummernschild. Shit happens, das Nummernschild war nagelneu und hat gerade mal nur 4 Tage am Moped gehangen. Das Bier und die Mirinda sind ruck zuck leer und alle machen sich auf sich für den Grillabend fertig zumachen.

Grillen bei Freunden ..
Grillen bei Freunden ..

Um 18:00 Uhr sitzen wir alle in Marions und Ingmars Mercedes und fahren zu Laura und Urs. Dort angekommen, werden wir herzlichst begrüßt und nehmen bei schönstem Wetter im Hof an der gedeckten Tafel Platz. Urs und Lauras Vater werfen gleich den Grill an und kümmern sich um das Fleisch, Laura und ihre Mutter versorgen uns mit Getränken. Lauras Vater freut sich über die Abwechslung und holt gleich mal seinen Selbstgebrannten hervor und so stoßen wir erst einmal an und freuen uns über die herzliche Einladung. Dann ist es auch schon so weit und das Fleisch ist fertig, es gibt jede Menge frischen Salat aus dem eigenen Garten, Micis, Steaks mit selbstgemachter Knoblauchsoße…. hmmmm lecker. Dann wird es erst einmal leise am Tisch und wir genießen das gute Essen und hin und wieder einen kleinen Selbstgebrannten zwischendurch.

Vor mir auf dem Tisch stehen jetzt schon drei Gläser: Ein Schnapsglas, ein Glas mit Cola und eines mit Bier. Dem ist aber nicht genug, denn der Vater von Laura möchte, dass wir noch seinen eigenen Weißwein probieren (der auch echt lecker ist). Kurze Zeit später kommt die Mutter von Laura und bringt noch Kaffee und lecker Kuchen. Ich glaub ich platze gleich!!! Zum Glück kommen noch 5 Nachbarskinder zum Kuchenessen vorbei. Jedem Kind wird gleich ein Stück Küchen und ein Getränk serviert, die Eltern von Laura freuen sich über den Besuch der Kinder.

Den Tag Revue passieren lassen ..
Den Tag Revue passieren lassen ..

Anschließend zeigt uns Laura den Hof und den Gemüsegarten, Ingmar und Fred werden von Lauras Vater durch seine Garage geführt. Die Sonne geht unter, wir sitzen gemütlich beisammen und unterhalten uns. Urs erzählt ein paar Witze und der Vater von Laura, stößt immer wieder mal mit uns und seinem Selbstgebrannten an. Als er merkt, dass die Eine oder Andere etwas zu frösteln beginnt, holt er gleich jedem von uns eine Jacke aus dem Haus und legt sie uns über die Schultern – was für eine Gastfreundschaft. Da ich von Haus aus neugierig bin, zeigt mir Laura noch ihre Photos die sie zum Teil selber von sich geschossen hat und die Urs von ihr gemacht hat. Ich bin beeindruckt, die Photos sind irre schön.

Um 23:00 Uhr beschließen wir zu gehen, da wir ja morgen weiter ziehen wollen nach Băile Herculane. So verabschieden wir uns von unseren neuen, liebgewonnenen Freunden und sind kurz vor Mitternacht wieder in der Pension. Was für ein toller Tag!!!

Nochmals herzlichen Dank an Laura und Urs für die Einladung und ein ebenso herzliches  Vă mulțumesc an Dich Fred, dass ich wieder dabei sein durfte.


Aufbruch in den Westen

Montag, 22.08.2016:  Brașov – Baile Herculane (Fred)

Aufladen ..
Aufladen ..

Heute fahren wir eine Verbinungsetappe in den Südwesten von Rumänien. Uns erwarten fast 500km Strecke, deshalb sitzen wir schon relativ zeitig am Frühstückstisch. Ein letztes Mal lassen wir uns von unseren Gastgebern verwöhnen. Auch wenn das Frühstück typisch rumänisch ist, so werden wir dabei jedoch umsorgt wie bei Muttern. Frisch gestärkt machen wir uns daran, die Motorräder aufzuladen. Je nachdem, wie wir geparkt haben, kommt ein Hänger nach dem Anderen an die Reihe. Ich habe das Auto draußen geparkt und den Hänger ganz hinten, deshalb bin ich als letzter dran. Aber die Handgriffe sitzen mittlwerweile, kaum 5 Minuten später sind beide XT’s auf dem Hänger verzurrt. Das Gepäck ist auch schnell verstaut, ich habe jetzt wieder Platz im Kofferraum und kann die Gehhilfen und Rollstühle von Ingmar noch mit bei mir einladen.

.. für den Ortswechsel
.. für den Ortswechsel

Kurz nach halb Zehn rollen wir vom Hof, nachdem wir von unseren Herbergseltern liebevoll verabschiedet wurden. Ein letztes Mal passieren wir die Innenstadt von Brașov und fahren auch nochmal an Ghimbav vorbei, wo wir auf die DN1/E68 in Richtung Sibiu einbiegen. Dann geht es in weiten Kurven auf gut ausgebauter Straße über einen Ausläufer der Karpaten, macht auch mit dem Auto Spaß. In den Dörfern gibt es gerade Zwiebeln, Knoblauch, Pilze und Kartoffeln direkt vom Erzeuger, oder – wie man hier sagt – de casă.
Am Ortseingang von Făgăraș machen wir Halt, um unsere Getränkevorräte aufzufüllen. Ich bin etwas früher dran und entdecke beim Ausgang in der Metzgerei die leckere Vorspeise, die wir im Sergiano bekommen haben. Es ist nicht mehr viel davon da, deshalb nehme ich alles. Draußen am Parkplatz reiche ich den Beutel herum, alle greifen zu und lassen sich die Leckerei schmecken.

Catedrala Sf. Ioan Botezătorul
Catedrala Sf. Ioan Botezătorul

Weiter geht es durch Făgăraș, wo die goldglasierten Dachzielgel der Kuppeln der Kathedrale nicht nur der Cetatea (Burg) die Show stehlen, sondern gleichzeitig auch irgendwie so überhaupt nicht zum restlichen Erscheinungsbild der 31.000 Einwohner zählenden Stadt passen wollen.
Rechter Hand begleitet uns der Olt, der ab und an zu beträchtlichen Seen angestaut ist. Mit Beclean, Voila und Sâmbăta de Jos durchqueren wir das Kartoffelanbaugebiet in Rumänien schlechthin. Entsprechend viele von den Erdfrüchten werden hier am Wegesrand feilgeboten. In Sâmbăta de Jos gibt es auch das einzige Gestüt in ganz Rumänien, wo Lippizaner gezüchtet werden. Das erzähle ich mal der Rebecca vorsichtshalber nicht, obwohl wir mittels Sprechfunk zwischen den Autos kommunizieren können.

Regionale Produkte am Straßenrand
Regionale Produkte am Straßenrand

Wenig später passieren wir den Kreisverkehr bei Oberkerz, dort wo der Transfăgărășan in die DN1 einmündet. Ab hier betreten meine Mitreisenden Neuland, die Strecke von hier bis Sebeș sind sie bisher noch nicht gefahren. Bei Avrig überqueren wir nochmals einen Höhenzug, bevor wir kurz vor Sibiu auf die Autobahn A1 einbiegen, die uns in weitem Bogen um Hermannstadt herum führt. Doch bereits bei Săliște müssen wir diese wieder verlassen, hier ist ein Teilstück der neuen Autobahn abgerutscht, was wir umfahren müssen. Knapp 20 Minuten später sind wir bei Cunța zurück auf der A1.
Bei Sebeș überlege ich kurz, ob wir vielleicht die nördliche Hälfte des Transalpina fahren sollten, um dann hinunter nach Petroșani zu queren. Von dort aus gibt es eine tolle, kurvige Strecke, die direkt nach Baile Herculane führt. Da es aber bereits vietel vor Drei ist und wir noch viel Strecke vor uns haben, verwerfe ich den Gedanken schnell wieder. Vor ein paar Wochen gab es heftige Regenfälle mit Überflutungen bei Vulcan, schlimmstenfalls ist die Strecke dort nicht befahrbar und wir müssen umkehren.

Das Fagaras-Massiv
Das Fagaras-Massiv

In Șoimuș müssen wir die Autobahn verlassen. Ein letztes Teilstück davon ist hier noch nicht fertig und muss auf 95km – teils über Pass-Straßen – umfahren werden. Mit dem Motorrad einfach geil, mit den Gespannen eher weniger, weil natürlich auch der ganze Schwerlastverkehr hier duch muss. Überholen wird für einen alleine schon schwierig, in der Gruppe fast unmöglich. Ich weiß, wo eine übersichtliche, lange Gerade kommt und überhole ein paar Kilometer vorher einen LKW bergauf in einer Kehre, damit die Freunde oben mehr Zeit haben. Dort kommt dann aber so viel Gegenverkehr, dass es nicht möglich ist, vorbei zu kommen.

Kurz nach Făget fahren wir wieder auf die Autobahn, um diese wenige Kilometer später bei Țipari endgültig zu verlassen. Lugoj umfahren wir über die neue Umgehung, Caransebeș ebenso. Es ist mittlerweile viertel nach Sieben, wir fahren in einem Tal, das die Timiș im Laufe der Jahrtausende tief hineingegraben hat, die Sonne versinkt langsam hinter den Bergrücken rechts von uns. Der Pasul Poarta Orientală bietet nochmal Fahrspaß, dann rollen wir auch schon in Baile Herculane ein. 

Ausblick vom Balkon der Pension
Ausblick vom Balkon der Pension

Unsere Unterkunft befindet sich gleich am Ortseingang und hat einen großen Parkplatz für uns und unsere Gespanne. Knapp 480km zeigt der Tageskilometerzähler. Meine Mitfahrer und ich sind ziemlich geschafft und froh, um 20:45 Uhr endlich angekommen zu sein. Während sie sich draußen die Beine vertreten, suche ich im Haus nach einem Ansprechpartner zum Einchecken. Den finde ich dann auch in der Küche. Es ist der Chef selber und der merkt nach den ersten Sätzen gleich, dass ich kein Nativ-Speaker bin und antwortet mir auf deutsch.
Als er in seinem Buch nachschaut, erklärt er mir, dass erst ab morgen fü runs reserviert wäre. Das kann eigentlich nicht sein, sage ich und zeige ihm meine Buchungsbestätigung. Er blättert hin und her, bis ich ihn frage, ob es noch freie Zimmer gibt. Ja klar, unsere Zimmer sind frei, die Wochenendgäste schon gestern abgereist. Problem gelöst – ich fülle ein Meldeformular aus und bekomme die Schlüssel für die Zimmer. Diese befinden sich im oberen Stock, liegen direkt nebeneinander und haben einen tollen Blick auf Baile Herculane und die dahinterliegenden Berge.

Wenig später sitzen wir unten auf der Terrasse. Während wir die Speisekarte durchforsten, bekommen wir schon kalte Getränke serviert. Gefüllte Paprika ist leider aus, man verspricht uns, dass wir die während unseres Aufenthalts noch bekommen. Für heute Abend findet aber auch jeder etwas, was dem Gaumen schmeckt. Allzu lange dauert unser Gelage heute nicht, die Verbindungsetappe hat uns mehr mitgenommen als ein harter Tag auf der Enduro.


Schotter

Dienstag, 23.08.2016: Steile Wege, Nebel und Poarta Orientală (Fred)

Unser Revier
Unser Revier

Nach der doch recht anstrengenden Verbindungsetappe gestern lassen wir es heute erstmal etwas ruhiger angehen. Wir frühstücken genüsslich und unterhalten uns dabei mit unseren Gastgebern, die sehr gut deutsch sprechen, weil sie lange Zeit in Augsburg gelebt haben. Mit dem dort erarbeiteten Geld haben sie sich hier eine Pension und damit eine neue Existenz aufgebaut. Schnell wird auch der Fernseher eingeschaltet, uns wäre es lieber, wenn er aus bliebe. Aber das ist in Rumänien wohl irgend eine Art Gastfreundschaft, selbst bei meinen Freunden in Biled hat es lange gedauert, bis sie verstanden haben, dass mir die Unterhaltung wichtiger ist als die Information. Reisen ist auch immer eine kleine Auszeit von der Nachrichtenflut aus aller Welt und gibt die Chance, sich auf das hier und jetzt zu konzentrieren.

Ich muss nicht lange warten ..
Ich muss nicht lange warten ..

Nach dem Frühstück ziehen wir die Enduroklamotten an und laden die Motorräder ab. Dann starten wir runter in Richtung E70 und biegen auf die in nördlicher Richtung ein. Wenige Kilometer später nutzen wir die Petrom-Tanke, um die Luft aus den Tanks zu lassen. Rebeccas Pampera fährt mit Gemisch und wir haben noch nicht so wirklich ein Gespür dafür, wie viel sie verbraucht. Das wollen wir heute herausfinden, weshalb wir uns heute entlang der E70 bewegen werden.

Weiter geht es auf der Bundesstraße, ich lasse Marion immer dann von der Leine (voraus fahren), wenn es kurvig wird und setze mich auch ab und an ganz hinten dran, um den Ingmar mal aus dem Zweitakt-Nebel von Rebecca rauszuholen. Ein paar Kilometer nördlich von Cornea biegen wir rechts ab. Der Fahrbahnbelag wechselt von Asphalt zu Beton, die Fahrbahnbreite von Fernstraße zu einspurig. Ein Auto steht am rechten Wegrand, mit den Motorrädern kommen wir aber problemlos vorbei.

Unten Nebel - oben Wolken
Unten Nebel – oben Wolken

Dann kommen wir ein einen kleinen Ort, dessen Straßen für unsere Verhältnisse ungewöhnlich steil sind. Letztes Jahr war ich schon mal mit Rebecca und Marion hier, für Ingmar und Marion ist es der erste Besuch. Als wir um eine Ecke biegen, sehen wir weiter oben vor einem Haus eine Trauergemeinde stehen. Wir machen die Motoren aus und warten. Als uns die Leute wahrnehmen, winken sie uns zu und deuten an, dass wir das Haus umfahren können. Wir starten die Motoren und biegen auf einen Schotterweg ab, der uns zwischen einem Hof und einen Bach bergauf führt. Kurz vor dem oberen Ortsende erreichen wir wieder die ursprüngliche Strecke.

Hier winke ich alle vorbei, es geht über weichem Schotter in Serpentinen mit langen Geraden dazwischen stetig bergan. Die grandiose Aussicht vom letzten Jahr haben wir diesmal nicht, ein Nebelschleier liegt über dem Tal. Ich fahre jedem der Gruppe mal ein Stück weit hinterher, um mir die Fahrtechnnik anzusehen. Ingmar genießt es sichtlich, endlich mal auf losem Terrain unterwegs zu sein und spielt mit dem Gas. Zwischendrin machen wir mal eine Pause zum Trinken, Fotografieren etc.

Wir sind nicht alleine
Wir sind nicht alleine

Als wir oben auf dem Plateau ankommen ist aus der Nebeldecke im Tal eine Wolkendecke geworden, durch die wir fahren. Die Sicht ist bei weniger als 50m. Ein Stück weiter hinten erreichen wir einen Steilhang mit einem fast zugewachsenen Weg, der zum höchsten Punkt hier in der Ecke auf 1.300m hoch führt. Hier haben wir letztes Jahr schon geübt und bleiben auch diesmal stehen. Während Ingmar einfach losbrettert, braucht es bei seiner Marion schon ein wenig Überzeugungsarbeit, dass sie das auch kann. Aber genau dafür sind wir hier. Ich erkläre der Gruppe, wie man den Hang am besten angeht und auf was man achten muss, dann fährt einer nach dem Anderen hoch und wieder runter. Das Runter ist bei Marion G. das größere Problem. Ich erkläre die verschiedenen Möglichkeiten, wie man so eine Problemstelle möglichst sicher meistern kann und mit ein wenig Zureden nimmt sie dann einen zweiten und einen dritten Anlauf. Als sie zum dritten Mal runterkommt, ist die verkrampfte Haltung schon größtenteils weg. Das soll fürs erste Mal reichen.

erleichtert
erleichtert

Nach einer Pause fahren wir weiter. Es geht einen Feldweg entlang durch ein kleines Wäldchen. Dann kommen wir auf eine Hochebene und von da aus geht es in nördlicher Richtung leicht bergab.

Ingmar sieht nochmal einen kurzen, mit Felsbrocken gespickten Hang und versucht sein Glück. Er bleibt im Hang hängen und hat Mühe, die Suzuki zu drehen. Bis ich dort bin und einen sicheren Stand für meine XT gefunden habe, hat er aber schon wieder alles unter Kontrolle. Er probiert es noch ein paarmal, bevor er aufgibt.

Wir rollen derweil weiter, es geht wieder ein kurzes Stück bergan, wo verschiedene Wege hochführen. In solchen Fällen nehme ich oft den schlechtesten Weg, weil ich meinen Mitfahrern beibringen will, dass jeder für sich seine Spur suchen soll. Wie immer tappen einige in die Falle und folgen mir blind, Marion P. hat es geschnallt und sucht sich ihre – weitaus einfachere Spur. So soll es sein! Eine Gruppe Pferde taucht aus den Wolkenschwaden auf und verschwindet alsbald wieder. Wir kommen durch ein Waldstück, der Untergrund wird zunehmend schmieriger.

Respekt voreinander
Respekt voreinander

Dann erreichen wir eine Stelle, wo der Weg recht steil bergab führt. Hier kommen wir mit unseren Kompromissreifen nur schwer wieder hoch, weshalb wir uns kurz beraten. Es ist bereits 16:00 Uhr, wir beschließen umzudrehen und wieder so zurück zu fahren, wie wir gekommen sind. Wir wollen ja auch noch den Eisenbahntunnel fahren.

Am Rückweg umfahren wir den Wald etwas oberhalb. Links davon gibt es eine Wiese, auf der ein paar Kühe grasen. Eine davon ist recht neugierig und löst mit ihren stattlichen Hörnern bei meinen Mitfahrern Respekt aus, so dass ich vorausfahre und die Milchlieferantin ablenke. Etwas später kommen nochmal ein paar übermütige Jungbullen daher, aber auch diese Situation meistern wir mit gegenseitigem Respekt. Dann lassen wir uns ohne Motor die lange Serpentinenstrecke hinunterrollen. Ingmar und ich haben Spaß, jeder versucht, so langsam wie möglich zu fahren, bis wir dann den Mädels wieder hinterherjagen.

Wieder unten an der E70 angekommen halten wir uns rechts. Ich winke Marion gleich wieder vorbei, denn hier kommt der Pass Poarta Orientală, was für die Seele unseres Kurvenjunkies 😉
Danach biegen wir links ab und folgen der versteckten Zufahrt zum Tunnel.

'Unser' Tunnel ;)
‘Unser’ Tunnel 😉

Vor dem Tunnel bleiben wir kurz stehen. Es ist mittlerweile 18:30 Uhr. Als ich der Marion R. eröffne, dass sie dieses mal als Erste durchfahren soll, ernte ich erstmal einen ungläubigen Gesichtsausdruck. Dann stellt sie sich vor den Eingang und sucht den kleinen Lichtpunkt am Ende des Tunnels. Ob er wohl mittlerweile länger geworden ist, fragt sie. Sie ist fest davon überzeugt, letztes Jahr das Ende gesehen zu haben. Aber letztendlich habe ich sie richtig eingeschätzt. Helm auf, Handschuhe an und die DR angekickt. Dann fährt sie beherzt in den Höllenschlund, der Rest des Teams folgt ihr. Ich mache diesmal das Schlusslicht und muss wie immer schmunzeln, wenn ich vor mir die Schreie höre, wenn mal wieder unvermutet ein paar Ziegelsteine unsichtbar im Wasser liegen und den Lenker verreißen. Aber wie in den Jahren zuvor kommen wir auch diesmal mit dem Leben davon und verlassen das schwarze Loch auf der anderen Seite unbeschadet. Der/die ein oder andere ist nass geworden, was in der Regel auf das Gas aufreißen und damit erhoffter schnellerer Erlösung zurückzuführen ist.

Begegnungen
Begegnungen

Wir fahren beim alten Schäferhaus vorbei den Hang hoch. Auch diesmal ist der neue Weg, den ich letztes Jahr ausgekundschaftet habe, schon wieder verschwunden. Ich fahre am Rand eines Feldes entlang und finde recht schnell wieder den Weg, der uns nach Luncavița führt, wo wir gegen 19:20 ankommen. Dort machen wir eine Pause und kommen mit den Einwohnern ins Gespräch. Der Junggeselle im Ort ist hocherfreut über so viele weibliche Abenteurer und bandelt sogleich mit Marion R. an. Letztendlich gibt es ein Foto von den Beiden und das Versprechen, dass wir das bei einem der nächsten Besuche mitbringen. Aus meinem Tankrucksack bekommt er noch zwei Zigaretten und von Marion ein Feuerzeug dazu.

Es wird langsam Zeit für den Heimweg. Wir starten die Motoren unserer Einzylinder und fahren über schmale, kurvige Asphalt- oder Betonsträßchen nach Mehadica und Cuptoare zurück zur E70, auf der wir uns dann südwärts nach Baile Herculane treiben lassen.

Heimwärts ..
Heimwärts ..

Dort fahren wir durch den Ort bis hoch zu den öffentlichen Schwefelbädern. Die Straße im Ort ist aufgefräst, es fühlt sich an wie wenn man zwei Platten hat. Heute bleibt es aber bei der äußerlichen Besichtigung des ‘Kurbades für Einheimische‘.

Um Baden zu gehen ist es schon zu spät und ich glaube auch, die Wenigsten haben heute Lust dazu.Gegen 20:30 stellen wir die Motoren vor unserer Pension ab.

Nach einer Dusche treffen wir uns und fahren mit Ingmars Auto hoch in den Ort, um dort zu Abend zu essen. Wir finden trotz Mega-Betrieb einen Parkplatz und dann auch einen Tisch, wo wir uns die rumänische Küche schmecken lassen. Den Tag lassen wir dann auf unseren Balkons ausklingen. Unsere Zimmer sind nebeneinander, ich habe das Mittlere, so dass ich öfter Mal Wein oder Bier von einer Seite zur Anderen weiterreichen muss. Vor uns sehen wir die Lichter der Stadt und darüber die schroffen Felskonturen des Domogled-Valea Cernei National Park.


Mittwoch, 24.08.2016: Etwas Kultur und auch sonst vielseitig unterwegs (Ingmar)

Decebalus
Decebalus

Endurowandern, Kultur & Boot fahren steht heute auf dem Programm.

Es ist 10:00 Uhr als wir die Statue des Decebalus erreichen. Decebalus war von ca. 85–106 n. Chr. der letzte König von Dakien, einem Land, das Teile des heutigen Rumäniens umfasste.
Eine 55 Meter hohe Skulptur, welche von 1994 bis 2004 von verschiedenen Bildhauer in den Fels am Donauufer gemeißelt wurde ragt nun vor uns.

Einen schicken Bart hatte der alte Decebalus. Das gefällt mir und mache ein Selfie.

Los gehts ..
Los gehts ..

Da der Tag noch jung ist, entschließen wir uns zuerst einmal die Region um das Eiserne Tor mit unseren Enduros zu erkunden.

Wir folgen den Pfaden der EnduRoMania und entdecken immer wieder Punkte, Markierungen und Zeichen dieser „Schnitzeljagd für Endurofahrer“ an Bäumen und Felswänden.

Wir durchfahren dichten Wald und sind uns einig, dass hier schon lange keine Enduro mehr Stollenabdrücke in den lehmigen Waldboden hinterlassen hat. Nach dem Durchfahren einer morastigen und schlammigen Passage, macht ein nur wenige Zentimeter breiter Pfad kurz darauf eine Linkskurve. Versteckt hinter einem Felsvorsprung liegt der Kurvenausgang. Leider können wir dem Pfad nicht mehr weiter folgen.

Sind wir noch richtig?
Sind wir noch richtig?

Er hat seine Charakteristik komplett verändert. Vor uns liegt nun eine Auffahrt mit großen Moos bewachsenen Felsbrocken. Dazwischen liegen immer wieder dicke Baumstämme.

Bei mir denke ich: „Ach, das ist doch eine coole Sache. Da kommen wir schon durch,  werden aber wohl für die ungefähr 500 Meter bestimmt den ganzen Tag brauchen.“
Meinen Gedanken noch nicht zu Ende geführt, trifft auch schon Fred hinter mir ein und erklärt, dass er schon vor einigen Jahren an dieser Stelle vorbei kam. Damals befuhr er den Pfad allerdings abwärts, was um einiges einfacher ist als hinauf.
Somit entschließen wir uns kehrt zu machen und Endurieren noch ein wenig Kreuz und Quer durch die Wälder.

Ja. Guck: Hier sind wir gerade
Ja. Guck: Hier sind wir gerade

Wie so oft vergessen wir die Zeit und erreichen erst kurz vor 14:00 Uhr ein Fischrestaurant, welches direkt am Ufer der mächtigen Donau liegt. Auf der Sonnenterrasse genießen wir den Blick über die Donau nach Serbien.

Ingmar war offensichtlich schon mal hier :)
Ingmar war offensichtlich schon mal hier 🙂

Wir bestellen uns kühle Getränke und frischen Fisch.

Mit gefüllten Magen fahren wir wieder zum Decebalus zurück um dort unsere schon am Vormittag geplante Bootstour zu starten. Wir suchen uns ein Boot aus, tauschen unsere Endurokleidung durch Schwimmwesten aus und nehmen auf dem ca. 6 Meter langen Boot Platz.

Entspannt schippert uns der Bootsführer die Donau flussaufwärts. Gemächlich passieren wir das Kloster Mănăstirea Mraconia. Ein kleines orthodoxes Kloster in spektakulärer Lage und Landschaft am Taldurchbruch der Donau, in welchem heute noch Nonnen zuhause sind.

Weiter geht die Fahrt zur Veterani-Höhle. Die Höhle wurde im Laufe der Jahrhunderte genutzt um Opfer darzubringen oder den Göttern zu huldigen. Der in der Mitte der Höhle befindliche Steinaltar ist stummer Zeuge des Opfer- und Götterkultes. Die Daker verehrten hier die Gottheit Zamolxis.

Wahrschaustation am oberen Ende des Donaudurchbruchs
Wahrschaustation am oberen Ende des Donaudurchbruchs

Ganz weltlich wurde die Höhle während der türkisch-österreichischen Kriege genutzt, als Unterschlupf und Versteck.

Nun werden wir wieder am Anlegesteg der Veterani-Höhle abgeholt und zurück zum Ausgangspunkt der Bootsfahrt gebracht.
Gegen 17:00 Uhr haben wir wieder Festland unter den Füßen und sind zurück in unseren Enduroklamotten.

Die Kilometer zurück in Richtung Pension sind über die DN 57 und DN 70 rasch gefahren und so kommen wir gut eine Stunde später in Herkulesbad an.

Ein abwechslungsreicher Fahrtag mit vielen Eindrücken und völlig unterschiedlichen Untergründen lassen wir in geselliger Runde auf unseren Balkonen ausklingen.

 


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Donnerstag, 25.08.2016: Endurowandern in den Banater Bergen, Übungsstunden und gefüllte Paprika (Marion G.)

Morgends in Baile Herculane
Morgends in Baile Herculane

Als wir Fünf uns an diesem Morgen um kurz nach 9:00 Uhr auf die Motorräder schwingen, wissen wir, dass es der letzte gemeinsame Fahrtag sein wird. Die geplante Waldtour passt perfekt zum schwül warmen, leicht bewölkten Tag.
Entspannt fährt Fred voraus. Das Terrain ist wunderbar abwechslungsreich.
Lehm, Waldboden, Wiesenabschnitte und Schotter wechseln sich ab. Die Sonne hat sich inzwischen durchgesetzt und lässt das Grün der Bäume und Wiesen hell leuchten.

An einer der vielen Abzweigungen lässt Fred mich vor. Es macht Spaß vorzufahren und den Weg zu finden.
Wir schlängeln uns an einem geparkten Jeep vorbei und am hochgewachsenen Gras merken wir, dass hier schon lange keine zweispurige Fahrzeuge entlang gekommen sind.
Der Waldweg lichtet sich und bietet uns ein kühles schattiges Plätzchen für eine kurze Rast. Ein paar kräftige Schlucke aus dem Trinkrucksack, 1-2 Kekse und für die Orientierung, ein kurzer Blick in die Karte und schon geht es weiter.

Waldarbeiter roden uns eine Schneise
Waldarbeiter roden uns eine Schneise

Allerdings nicht für lange. Sobald das schützende Dach des Waldes fehlt, setzen sich die Gräser und Farne wieder durch. Wir kämpfen uns weiter voran. Insgeheim frage ich mich, wie lange es hier noch weiter geht.
Prompt hören wir Motorsägengeräusche und stehen nach der nächsten Kurve direkt vor einem Laubberg. Die wunderschöne Lichtung ist zugedeckt mit frisch geschnittenem Geäst.
Bevor wir es richtig einordnen können, kommen uns schon 1-2 Waldarbeiter zur Hilfe. Sie sind genauso überrascht uns hier zu treffen wie wir. Ohne Zögern packen sie ihre Motorsägen und fangen an einen Weg frei zu sägen.

Fred fährt vor und zeigt mir wie es geht. Doch als ich dran bin, wähle ich einen etwas anderen Weg und komme prompt ins Straucheln. Beim Versuch mich mit einem Bein abzustürzen, merke ich, dass ich genau über einer kleinen Bodenwelle gehalten habe. In Zeitlupe und mit breitem Grinsen im Helm, kippe ich in das weiche Bett aus Grünschnitt. Fred und die Waldarbeiter helfen mir auf und über die kniffelige Stelle hinweg. Total nass geschwitzt und außer Atem geht es weiter.

Einfach geil
Einfach geil

Schauerwolken haben den Himmel inzwischen etwas verdunkelt und kleine Rinnsale kommen uns unterwegs auf den Fahrspuren entgegen.  Plötzlich öffnet sich der Wald und wir stehen vor einer einsamen Waldarbeiterhütte. Hier machen wir eine kleine Rast.
Wir vertreten uns die Beine und mir bleibt Zeit, die Hütte etwas genau in Augenschein zu nehmen. Einfach zusammen genagelt, mit Außentoilette und mitten im Wald.

Es ist Mittag als wir das kleine Dorf Mehadia erreichen. Uns knurrt der Magen und der Hunger leitet uns zielstrebig zu einer kleinen Dorfgaststätte. Der Besitzer spricht Deutsch und zählt uns stolz all seine Spezialitäten auf. Entscheiden können wir uns dennoch nicht. Schlussendlich bringt er uns von jeder seiner selbst gemachten Ciorbas eine Kostprobe. Die Probehappen machen Lust auf mehr. Mit köstlicher rumänischer Hausmannskost stärken wir uns für den zweiten Teil des Tages.

Welche Ciorba hättest Du denn gern?
Welche Ciorba hättest Du denn gern?

Fred meint es gut mit uns und führt uns zum Abschluss in eine Kiesgrube. Hier können wir gezielt üben auf unterschiedlich groben Schotter und Steinen bergauf und bergab zu fahren.

Ingmar in Action
Ingmar in Action

Schon am Vormittag zeigte er uns unterschiedliche Fahrübungen. Ob es das richtige aufrechte Stehen ist, Lenken nur über die Fußrasten oder Bremsen über die Vorder- und Hinterradbremse um das richtige Gespür für Bremskraft und Gelände zu bekommen, alles wird direkt ins Fahren eingebaut.

Glücklich und gesund kommen wir an unserer Pension in Baile Herculane an. Bei 1-2 kühlen Dosen Bier und Cola lassen wir den Tag Revue passieren und verladen die Motorräder auf die Anhänger für die Abreise am nächsten Tag.

Als krönender Abschluss überrascht uns unsere Wirtin mit hausgemachten gefüllten Paprika. Wie wundervoll, hatten wir uns doch alle am ersten Abend dieses Essen ausgesucht, nichts ahnend, dass das Gericht gerade aus ist. Umso größer ist unsere Freude heute Abend.
Was für ein unerwartetes Festessen zum Abschluss unserer gemeinsamen Zeit.

 


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Freitag, 26.08.2016: Baile Hercuane – Timisoara (Fred)

Unterwegs im Banat
Unterwegs im Banat

Pünktlich um 08:00 Uhr trudeln alle beim Frühstück ein. Angenehm, dass diesmal der Fernseher nicht läuft. Ingmar meint, heut hat sich der Chef ums Frühstück gekümmert und ihn vergessen. uns soll es recht sein. Wir frühstücken und lassen uns dann die Rechnung bringen. Ein wenig kompliziert ist es schon, denn ein Teil will in Euro zahlen und ein Teil in Lei. Aber kein echtes Problem, mit einem riesigen Taschenrechner wird zusammengerechnet, durch 5 geteilt und auch die Währung umgerechnet.
Die Wirtsleute sind offenbar recht zufrieden mit uns, denn sie sagen, wir sollen bald wiederkommen. Wenn ich mal wieder in der Ecke unterwegs bin, dann werde ich das auch tun. Wir waren mit der Unterkunft alle sehr zufrieden. Dann noch schnell die Zimmer räumen und die Sachen ins Auto laden, bevor wir uns verabschieden.

Ankunft beim A.D.A.M
Ankunft beim A.D.A.M

Gestern habe ich nochmal Johny Bescheid gegeben, dass wir so gegen 09:00 Uhr losfahren wollen. Das schaffen wir fast. Eine knappe akademische Viertelstunde später setze ich mein Gespann zurück und fahre zur Straße. Ingmar hat gestern schon umgeparkt und kann vorwärts raus, Marion und Rebecca brauchen dann nur noch gerade zurücksetzen und können ihren Platz mit einem Bogen über unsere Standplätze verlassen.

Wir fahren runter zur E70 und dann rechts in Richtung Norden. Viel Schwerverkehr auf der Straße, aber nur wenige davon vom Fernverkehr. Offenbar wird die Autobahn oben rum gut angenommen. Es ist ein schöner Tag, die Sonne scheint, es ist viel wärmer als gestern. Wir kommen gut voran, knapp eine Stunde später setze ich den Blinker und biege von der E70 nach Slatina-Timiș ab. Noch ein kurzer Schlenker über die Brücke, dann parke ich mein Gespann vor der Gesundheitsstation, Ingmar und Marion setzen ihre Gespanne dahinter.

Im Gespräch mit Johny
Im Gespräch mit Johny

Als ich durch das Gartentor gehe, kommt mir Johny schon entgegen und begrüßt uns. Er läd uns gleich auf einen Kaffe ein, doch wir wollen erst die Autos ausladen, damit Rebecca und Marion keinen Zugzwang haben, wenn sie starten wollen. Dann setzen wir uns an die Bank im Hof, es gibt Kaffee und Kaltgetränke. Ich bitte Johny, ein wenig über seine Aufgaben und das Projekt an sich zu erzählen, was er auch gerne tut. Wir erfahren dabei auch, dass von Montag bis gestern eine Pflegeschulung stattgefunden hat, ein neuer Bereich im Aufgabenfeld.  Johny konnte dazu die Caritas gewinnen, und – wie in Rumänien üblich – wurden auch andere ortsnahe Einrichtungen eingeladen, daran teilzunehmen.
Marion hatte ja befürchtet, die Erwachseneneinlagen und -Windeln wären fehl am Platz, aber nun ist klar, dass auch die hier benötigt werden. Auch die Rollatoren und der Rollstuhl werden gebraucht, Johny entwickelt gerade ein Konzept, wie er diese Sachen quasi auf Mietbasis zur Verfügung stellen kann.
Er erzählt uns auch noch, dass es mittlerweile 4 kleine Autos für die Plegekräfte und für die Ärzte gibt, er selber hat keinen Führerschein und macht deshalb die Hausbesuche mit dem Fahrrad. Er verschwindet kurz im Haus und kommt kurz darauf mit einer 1,5l-Flasche Țuică zurück, die er uns schenkt. Ich revanchiere mich mit dem letzten Pack Kaffee, den ich noch im Auto habe.

Ein letztes Gruppenfoto
Ein letztes Gruppenfoto

Eine kleine Führung durch die Liegenschaft rundet unseren Besuch ab, bevor Marion und Rebecca sich verabschieden. Es wird Zeit für die Beiden, sich auf den Heimweg zu machen.Vorher machen wir noch das obligatorische Gruppenbild – diesmal mit den Motorrädern auf dem Hänger, irgendwie hatten wir es gestern unterwegs vergessen.

Nachdem wir uns herzlich verabschiedet haben – unsere Gruppe ist eng zusammengewachsen – starten die Beiden den BMW, während wir anfangen die Motorräder abzuladen und unsere Schutzkleidung anzulegen. Dann fahren auch wir los – den Transsemenic hinauf.

Ich fahre vorne, genieße die Schräglage in den Kurven und Kehren und denke immer wieder daran, wie schlecht die Straße vor 10 Jahren war, als ich sie zum ersten Mal fuhr. Vor 3 Jahren wurde sie nun fertig – frisch asphaltiert und ein Traum für jeden Kurvenjunkie.
Na ja, etwas weiter oben dann finden sich nach und nach mehr Flecken, wo die Asphalt-Oberschicht abgefräst wurde, um sie zu erneuern. Nach drei Jahren erscheint mir etwas früh für so viele Schäden, aber offenbar ist die Feinasphalt-Schicht nur 2-3cm dick und hat sich wohl nicht überall mit dem Unterbau verbunden.

Rund um Brebu Nou
Rund um Brebu Nou

Oben am ‘Marterpfahl‘ halte ich kurz, um einen Blick ins Tal und auf die gegenüberliegende Hügelwelt zu werfen. Dann nehme ich den Weg am Kreuz vorbei, der uns in weitem Bogen entgegen dem Uhrzeigersinn um Brebu Nou herumführt. Zwischendurch treffen wir immer wieder mal auf Hütehunde, diesmal hatten wir nur wenig Begegnungen, weshalb meine Begleiter etwas verhalten fahren. Eigentlich genau falsch. Wir hatten abgesprochen, dass sie sich in kurzem Abstand hinter mir positionieren sollen, denn die Hunde laufen immer dem Ersten nach. Trotz dass ich meine Geschwindigkeit verringere, wird der Abstand nicht kleiner, so dass Marion halt auch wie der Erste behandelt wird. Aber sie steckt es mit Bravour weg.

Irgendwann erreichen wir die Stelle, wo es seit 10 Jahren ein tiefes Schlammloch gibt. Ich fahre ein Stück voraus, um die Durchfahrten der Beiden zu fotografieren. Aber das Schlammloch ist verschwunden, dafür gibt es breit ausgefahrene Spuren von Holzlastern. Wir nutzen die Stelle dennoch für eine kurze Pause.

Ein letztes Mal Schlamm
Ein letztes Mal Schlamm

Weiter geht es dann auf dem Weg nach Wolfsberg, wir können die Häuser schon sehen. Es ist noch recht früh, das Wetter super, deshalb beschließe ich, unsere Tour ein wenig auszuweiten. So biegen wir nicht nach links hinunter ins Dorf ab, sondern rechts und fahre weiter den Waldrand entlang. Auch hier gibt es eine schlammige Passage und die ist noch da und auf der linken Seite breiter und tiefer als sonst. Nachdem mein Hinterreifen gerade noch 2mm Profil hat, umfahre ich das Hindernis über den alten Weg und muss dazu durchs Gestrüpp. Ingmar folgt meiner Anweisung und gräbt sich durch die rechte Spur. Marion steht vor der linken, tiefen und breiten und hat Probleme auf die rechte zu wechseln. So nimmt sie schlussendlich den gleichen Weg wie ich.

Beim Forsthaus gibt es für die heftige Abfahrt nun eine neue Umfahrung. Ich schicke den Ingmar über den alten Weg hinunter, er braucht es etwas anspruchsvoller. Marion folgt mir über die Umfahrung. Ein kurzes Stück davon lässt sie kurz zögern, aber letztendlich siegt ihr Fahrkönnen dann doch über die Sperre im Kopf.

Energiewende?
Energiewende?

An der Kreuzung überqueren wir den Transsemenic-Pass und fahren hoch in den Semenic zum ehemaligen Skigebiet. Aber nicht ganz, sondern nur bis zu den stillgelegten Windkraftanlagen. Dort machen wir eine Pause, fotografieren und schauen, während zwei Kuhhirten ihre Herde nebenan grasen lassen. Von unten ziehen Nebelschwaden über den Höhenzug, wo der Sendemast steht. Zusammen mit den rostigen Windrädern schafft das eine skurrile Atmosphäre.

Wir fahren noch gegenüber auf den Hügel, wo man neben interessanten Felsformationen noch einen grandiosen Blick über das Umland hat. Ein paar Wanderer grüßen uns auf halben Weg und ganz oben ist ein Radler, der uns ebenso freundlich grüßt. Ein paar Bilder, ein paar Minuten, in denen wir den Ausblick genießen, dann machen wir uns auf den Weg nach Brebu Nou. Die Route durch den Wald verkneife ich mir, da ist es nass und schlammig, das müssen wir am letzten Tag nicht mehr haben. Wir fahren den Weg zurück, den wir gekommen sind und biegen an der Kreuzung rechts auf den Transsemenic ein.

Im Semenic
Im Semenic

Auch hier wieder genussvolles Kurvenschwingen auf bestem Asphalt, während wir Wolfsberg durchfahren und schließlich in Brebu Nou ankommen. Ich zeige dem Ingmar eine kurze Offroad-Einlage, Marion sieht es und biegt auch gleich mit ab. Wir erreichen das EnduRoMania-Headquarter und werden gleich von Simina begrüßt, kaum das ich den Helm herunten habe. Auch Valy und der Rest der Küchencrew begrüßen mich, es ist, als ob ich nach Hause komme. Gaby setzt sich zu uns und erzählt ein wenig von den Neuigkeiten hier, in Timisoara und Rumänien. Wir bekommen etwas zum Trinken angeboten und als wir nach etwas Essbarem fragen, wird kurzerhand der Rest vom Gulasch von gestern warm gemacht. In der Zwischenzeit führe ich Marion und Ingmar ein wenig herum und vergesse dabei zu sagen, dass ich nur eine halbe Portion will. Als wir zurück zum Tisch gehen, kommt Sergio mit Laura und Urs im Auto angefahren. Laura winkt schon aus dem Auto und Sergio umarmt mich kurze Zeit später – wir haben uns lange schon nicht mehr gesehen.

Während wir essen, bekommt auch die Fotogruppe um Sergio vom Gulasch. Wir reden noch eine Zeitlang miteinander, dann wird es Zeit, sich zu verabschieden. Auch hier verabschieden sich Freunde, entsprechend herzlich geht es zur Sache.

Marion hält sich tapfer
Marion hält sich tapfer

Ich nehme den Weg hinunter aus dem Ort und dann geradeaus hinüber zur Staumauer des Trei-Ape Sees. Dort will ich die kurze, steile Aufahrt hoch, stelle aber dann fest, dass die unten geschoben ist. Dafür gibt es etwas weiter rechts einen neuen Weg. Den fahre ich ein Stück hoch und sehe dann, dass ich scharf links auf einen weiteren Weg einbiegen muss, um zu meinem Ziel zu gelangen. Dazu muss ich den Hohlweg queren, was dann wohl von hinten heftig aussieht und dafür sorgt, dass Marion ertmal stehen bleibt. Dann fährt sie eine Stelle an, wo sie das Motorrad mit ein paar Vor- und Zurückbewegungen in die richtige Richtung stellen kann. Wir fahren weiter hinauf zu den drei Kreuzen. Minuten später kommen die Kinder, die wir vorher in Brebu Nou gesehen haben, hinterher, einer mit einem Quad, der andere mit einer Enduro.

Auf Hochzeitsreise
Auf Hochzeitsreise

Wir fahren weiter, erst bergab und dann links den alten Weg hoch. Der neue ist teils sehr steil und es gibt etliche Rillen nebeneinander, das will ich der Marion heute nicht mehr zumuten. So ganz ohne ist der andere aber auch nicht. Aber kein Problem für uns drei, nach ein paar Kilometern feuchtem Sand kommen wir wieder beim Marterpfahl an und schwingen den Pass den Berg hinab.

Unten verladen wir die Motorräder auf den Hängern und ziehen bequemere Klamotten an. Johny kommt gerade nochmal vorbei, um sich in der Apotheke ein paar Gummihandschuhe zu holen, dann radelt er davon – mit einer Arzttasche wie aus einem Western auf dem Gepäckträger – zum Hausbesuch.

Wir starten diesmal die Motoren der Autos und fahren nach Caransebeș. Ich nehme diesmal nicht die Umfahrung, sondern fahre mitten durch, weil ich noch tanken muss. Am Ortsausgang gibt es ein paar Autowasch-Stationen und ich will versuchen, ob ich meine Motorräder gewaschen bekomme. Waschstraßen, wie man sie bei uns kennt, gibt es hier nur selten. Hier wird alles noch per Hand und Dampfstrahler gemacht.

Wir lassen die Motorräder waschen
Wir lassen die Motorräder waschen

Die erste sehe ich zu spät, die zweite ist gerade besetzt. Bei der dritten steht eine Harley auf dem Waschplatz. Ich halte an und gehe in die Halle. Dort sitzt der Harleyfahrer mit zwei weiteren Männern am Tisch. Ich frage auf rumänisch, ob es möglich ist, meine Motorräder auf dem Hänger zu waschen. Erstmal schaut man mich ungläubig an. Ich ergänze, dass es Enduros sind und zeige nach draußen. Einer der Männer steht auf und schaut. Ja ok, das sollte gehen, meint er. Ich frage nach dem Preis. Er überlegt und kalkuliert. Ich sage ihm, dass noch ein zweiter Hänger mit zwei Motorrädern draußen steht und die auch gewaschen werden sollen. Er meint dann, 10 Lei pro Motorrad wären angemessen. Ein Auto kostet laut Preisliste 15 Lei. Ich sage zu, kupple meinen Hänger ab und schiebe ihn auf den Waschplatz, nachdem der Harleyfahrer seine Maschine weggestellt hat. Sofort beginnt der Chef mit einer Sprühflasche den Reiniger aufzutragen. Ingmar hat mittlerweile gewendet und wir stellen auch den zweiten Hänger auf den Platz.

Das erste Mal mit Waschhandschuh
Das erste Mal mit Waschhandschuh

Während die beiden Männer anfangen, dem Schlamm zu Leibe zu rücken, unterhalte ich mich mit dem Harleyfahrer – er fragt, ob ich nicht nach Faak kommen will. Ich halte meine Motorräder für unpassend dafür. Wir unterhalten uns noch eine ganze Weile, während draußen nacheinander gespritzt, gesprüht und gewaschen wird. Dann steigt er auf seine Maschine und fährt davon.
Der Autowäscher nimmt indes die Lanze vom Dampfstrahler ab und macht ein Gefäß mit einer blauen Flüssigkeit drauf. Dann zielt er auf die Motorräder. Es sieht ein wenig aus wie Feuerlösch-Schaum, was sich um unsere Motorräder legt. Dann wechselt er zurück zur Lanze, während der Chef mit einem Waschhandschuh an meinen Motorrädern die Patina entfernen will. Definitiv das erste Mal seit ich die Motorräder besitze, dass ein Waschhandschuh zum Einsatz kam. 🙂

Es dauert noch geraume Zeit, bis die beiden mit ihrem Werk zufrieden sind. Wir sind es auch und geben jeder 10 Lei Trinkgeld obendrauf. Einen Zehner gebe ich dem Wäscher, den Preis und den zweien Zehner dem Chef. Wir bedanken und verabscheiden uns, hängern die Trailer wieder an und fahren weiter nach Timișoara.

blitzblank
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Dort halten wir an der ersten Tankstelle, um uns zu verabschieden. Das junge Brautpaar wird bereits von Freunden und Eltern erwartet, ich will mich ebenfalls mit Freunden treffen. Ein gelungener Tag geht erst spät in der Nacht zu Ende.


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Samstag, 27.08.2016: Zurück in die Gegenwart (Fred)

Kurzbesuch in Biled
Kurzbesuch in Biled

Es ist 10:00 Uhr Ortszeit, als ich im Auto sitze und den Zündschlüssel herumdrehe. Der Weg führt mich wie immer noch zur Julius Mall, um dort ein paar Besorgungen zu machen. Eine letzte Papanaşi als Mittagessen-Ersatz, dann belade ich das Auto und setze meinen Weg fort. Timișoara ist mir im Lauf der Jahre vertraut geworden.
Während ich aus der Stadt zirkle, denke ich an meinen ersten Besuch in 2006 zurück. Damals war die Stadt nicht nur ungewohnt, sondern auch abenteuerlich zu befahren. Die unzähligen Mega-Schlaglöcher sind mittlerweile verschwunden.

Gegen halb zwei fahre ich durch Biled und fahre einen kurzen Schlenker beim Forum vorbei. In der Küche wird noch geputz und auf meine Nachfrage teilt man mir mit, dass Roswitha im Gästebereich zu Gange ist. Dort finde ich sie auch beim Treppe putzen. Sie freut sich sehr über den Überraschungsbesuch und auch über die Neuigkeiten, die ich ihr zu berichten habe.

Während wir uns in der Gartenlaube unterhalten, ruft sich auch gleich beim Adam an. Allzuviel Zeit habe ich nicht. Als ich mich verabschiede, drückt mir Roswitha noch einen Beutel voll mit dicken Fleischtomaten in die Hand. A casa – aus dem eigenen Garten. Sie weiß, dass sie mir damit eine große Freude macht, denn auch wenn Tomate auf rumänisch roșie (rot) heißt, so ist es nicht die Farbe, sondern der Geruch und der Geschmack, der diese Tomaten so viel anders macht als die, die man in Deutschland bekommt. Bei diesen braucht man kein Brot und kein Salz, keine Gewürze. Das ist eine Geschmacksexplosion für sich.

Blick zurück
Blick zurück

Immer, wenn ich aus Biled wegfahre ist es, wie wenn man von zu Hause aufbricht. Die beiden Freunde sind im Lauf der Jahre ein Stück Familie geworden.

In Cenad halte ich noch mal kurz, weil ein alter Mann Gemüse aus dem eigenen Garten am Straßenrand verkauft. Ein Zopf Knoblach wechselt den Besitzer, bei den Zwiebeln passiert mir ein Fauxpas: Ich will ihn fragen, ob er noch mehr davon hat und übersetze das falsch mit ‘mai mare‘ anstatt ‘mai mult‘. Mai mare bedeutet ‘größer’. Entrüstet argumentiert er, dass seine Produkte alle Bio sind und deswegen eben nicht so groß sind, wie die künstlich gedüngten. Ich entschuldige mich und erkläre, dass ich nicht gut rumänisch spreche. Er will wissen, warum ich nach Rumänien fahre. Ich antworte ihm: Weil mir das Land so gut gefällt. Das will er mir nicht recht glauben und fragt, ob ich eine Frau aus Rumänien geheiratet habe. Nein, das habe ich nicht, entgegne ich. Wir reden noch ein wenig miteinander, während ich zahle, sieht er einen 100 Lei-Schein in meiner Geldbörse und bekommt große Augen. So viel Geld meint er (ca. 22€). Ja, ich habe noch einen weiten Heimweg und muss noch tanken, erwidere ich. Er verrät mir, dass er 450 Lei Rente im Monat bekommt (ca. 99 Euro).

la Revedere Romania
la Revedere Romania

An der Grenze muss ich warten. Seit der Flüchtlingskrise wurden die Kontrollen verschärft. Gegen 15:30 erreiche ich den Grenzübergang, eine halbe Stunde später bin ich durch. Letztes Jahr habe ich hier nie länger als 5 Minuten benötigt. Dennoch war es ein guter Entschluss, über Biled und Cenad zu fahren, denn im Radio erfahre ich, dass in Arad Wartezeiten von eineinhalb bis 2 Stunden einzukalkulieren sind. Der ungarische Grenzer bittet mich, den Kofferraum zu öffnen. Ich sage, er könne doch problemlos durch das Fenster in den Kofferraum sehen. Ich muss dennoch aussteigen und die Klappe aufmachen. Eigentlich guckt er nichtmal rein, während er sich den Schweiß von der Stirn wischt. Es ist noch immer recht heiß.

Um halb sieben erreiche ich den Grenzübergang nach Österreich. Nein, ich bin nicht geflogen, aber nach der rumänischen Grenze wird die Uhr wieder um eine Stunde zurückgestellt. Auch hier das gleiche Bild. Auch hier eine halbe Stunde, bis ich durch bin. Eine halbe Stunde später erreiche ich den Rasthof Göttlesbrunn, wo ich eine Pause einlege und eine Kleinigkeit zu Abend esse.

Bei Perchtolsdorf fahre ich kurz von der Autobahn, um zu tanken. Es dauert ein wenig, bis ich eine offene Tankstelle finde, dafür bekomme ich dort ein Los, was mir beim nächsten Tanken 2Cent Rabatt einräumt. Der Abendverkehr rund um Wien ist spürbar mehr als sonst, aber ich habe Zeit und schwimme einfach auf der rechten Spur mit.

Ölraffinerie in Schwechat
Ölraffinerie in Schwechat

Morgends um 01:30 passiere ich die Grenze zu Deutschland. Auch hier gibt es eine Kontrollstation, die aber jetzt unbesetzt ist, wir werden nur von der Autobahn auf einen Parkplatz und durch die unbesetzte Station hindurchgeleitet.

Zwischen Landau und Dingolfing verlasse ich die Autobahn gegen 03:00 Uhr und suche mir ein Plätzchen zum Schlafen. Gegen 07:00 starte ich den Focus wieder und lege die restlichen Kilometer zurück. Es ist kurz nach 09:00 Uhr, als ich auf den Hof rolle. Zwei wunderbare Wochen gehen zu Ende.


Es war mal wieder eine tolle Tour mit einem tollen Team, auch wenn diesmal die OffRoad-Anteil etwas weniger war als sonst.

Beim nächsten Mal wieder mehr 😉

  • Ein dickes Dankeschön an alle Mitfahrer. Es hat alles gepasst, wir wurden recht schnell zu einem Team und das ist mir wichtig. Danke auch für das Verständnis für meine ‘Geheimmission’, die jetzt zum Erscheinen des Artikels nicht mehr geheim bleiben muss: Ich habe mir ein Haus in Rumänien gekauft. Für den Notartermin musste das Team auf mich verzichten, aber ich denke, Urs hat die Lücke gut ausgefüllt;
  • Danke an Laura, Urs und Lauras Eltern für die Bewirtung und für die Unterstützung;
  • Danke auch an Maja Scheytt und ihr Team und an Johny. Ihr macht einen tollen Job dort unten. Danke für eure Erzählungen, durch die wir ein wenig am Leben in Rumänien teilhaben konnten und etwas davon mit nach Hause nehmen können!

Bildergalerie

Wir haben viele Bilder gemacht, aber nur wenige passen in die Tagesberichte. Deshalb haben wir hier zusätzlich noch ein paar zusammen gestellt. Viele Spaß beim Anschauen!

(Klick auf ein Bild öffnet die Diashow)

 


Tracking des XT-Stammtisch.de beim Endurowandern in Rumänien 2016