Endurowandern in Rumänien 2015


Abfahrt

Donnerstag, 14.05.2015 Anfahrt nach Biled (Maren)

Hilfsgüter - das muss alles noch ins Auto
Hilfsgüter – das muss alles noch ins Auto

Morgens um viertel vor 6:00 Uhr klingelt der Wecker, Abfahrt ist um 6:00 Uhr.

Kein Problem, sag ich noch zu Fred am Vorabend. Ich überhör den nie…
Nachdem ich Mittwochs bereits zu ihm gereist war, hatten wir die Mopeds auf’m Hänger nochmal umgeladen, die ganzen Hilfsgüter im Dachgepäckträger und im Auto verstaut, und unser Gepäck auch schon eingeräumt. Nach nem Besuch im Biergarten fiel ich dann gegen 23:00 Uhr schon in’s Bett.
Und? Nix war mit Wecker hören! Um viertel nach 6 klopft’s an der Tür, ich schieß kurz durch’s Bad, und mit ner mehr als halbstündigen Verspätung kommen wir (ohne Kaffee) dann endlich los.
Anmerkung Fred: Den Kaffee gab es dann in Deggendorf 😉
Kurz vor Passau überqueren wir das erste Mal die Donau – eins unserer geplanten Ausflugsziele in Rumänien – die Vorfreude steigt!

Jetzt ist das Team komplett
Jetzt ist das Team komplett

Getankt wird auch noch, da der Sprit nicht ganz reicht zu unserem ersten Zwischenstop in Linz, wo wir den Rest der Bande treffen wollen, und so komm ich zu meinem ersten ersehnten Kaffee 🙂

Zurück auf die Autobahn, Pickerl gekauft, ab nach Linz, wo Jürgen, Rebecca und Marion schon auf uns warten. Die Freude is groß, als wir uns treffen (Gelegenheit für’n Kaffee ^^), wir quatschen noch ein bißchen bevor wir uns wieder in die Autos verteilen.
Weiter geht’s, die Landschaft angucken, der Ausblick über Wien bei der Vorbeifahrt ruft mir in Erinnerung daß ich da au mal hin muss…
Weiter nach Ungarn, an Budapest vorbei (sieht auch interessant aus von weitem!), die Autobahnetappe is aber eher langweilig, alles gradeaus… Land- und Forstwirtschaft, viele Rehe, aber keine großen, wie von mir erhofften Pferdeherden…
Tatabánya (Ungarn)
Tatabánya (Ungarn)

Jürgen meldet sich, Zeit zum Tanken.  Wir stehen zwischen den Autos in Funkverbindung, Fred hat in jedem ein Funkgerät deponiert, coole Sache.

Also runter von der Autobahn, tanken, Pipi und kurz beim Eis bissel quatschen.
Das Navi führt uns nicht direkt auf die Autobahn, wir fahren ne Weile Landstraße, das berechtigt mich eigentlich, nen Länderpunkt für Ungarn meiner Liste hinzuzufügen, oder? 😉
Weiter geht’s, die anderen langweilen sich auch auf der eintönigen Fahrt, ich lese ein paar Passagen aus Fred’s Reiseführer vor – über rumänisches Essen, und den dortigen selbstgebrannten Schnaps…
Endlich - Rumänien
Endlich – Rumänien

Endlich die Grenze zu Rumänien: fühlt sich wie Urlaub an jetzt! Wir machen ein Foto vorm Landesschild 🙂
Wir fahren Landstraße bis Biled, jetzt isses nimmer weit, die Sonne im Rücken bewunder ich die ersten Storchennester in den Dörfern.

Spät am Abend erreichen wir Biled, wo wir bei Roswitha und Adam, die dort eine Sozialstation unterhalten, Quartier nehmen. Sie erwarten uns bereits, mit neiner heißen Ciorbă. Was hab ich mich auf das rumänische Essen gefreut!! Zu Recht 😛
Dann geht Adam los und besorgt uns ein paar Häuser weiter die ersten Mititei (Mici), leckere Hackröllchen, wir verputzen die Spezialität bis zum letztem Krümel, mit nem Schluck Timisoreana, unserem ersten rumänischen Bier. Der Speisesaal ist ein ehemaliger Pferdestall, es sind noch die Pferdetröge an der Wand zu sehn… in denen lagert das Bier 😉
Beim Essen erzählt uns Adam viel über die Geschichte der Rumäniendeutschen, lehrreich und interessant! Zu meiner Überraschung unterhalten sie enge Verbindungen nach Karlsruhe, wo ich herkomme. Die Welt ist doch klein 🙂
Unsere Gastgeber verabschieden sich, und wir genießen noch ein Gute-Nacht-Bier auf der Bank vor dem Haus, bevor wir unser Nachtasyl beziehen.
Sonnenuntergang
Sonnenuntergang

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Timisoara

Freitag, 15.05.2015 Biled – Timiosoara – Pianu de Sus (Maren)

Es wird geschraubt
Es wird geschraubt

Die Sonne scheint, als wir auwachen.

Marion und ich schnappen uns schonmal ein Käffchen in der Küche der Sozialstation, wo schon reger Betrieb herrscht.
Von hier werden die alten Leutchen der Umgebung, die das selbst nicht mehr können, mit Essen versorgt.
An Rebeccas XT wird schon geschraubt, der Tank is noch lose, und die Schrauben hierfür werden noch abgeflext.
Dann wir uns unser erstes rumänisches Frühstück serviert – mit dem berühmten Speck und hausgemachtem Käse, lecker!
Das erste Frühstück in Rumänien
Das erste Frühstück in Rumänien

Nach einem Eintrag ins Gästebuch – es hat uns sehr gefallen! – brechen wir auf Richtung Timisoara, wo wir im Lenau Gymnasium die erste Fuhre Hilfsgüter loswerden wollen. Beide Autos mitsamt Hänger rollen mitten in den Schulhof, und wir werden im Lehrerzimmer mit Kaffee und Gebäck bewirtet. Die Rektorin – Frau Wolf und ihre Kollegen freuen sich sehr über die von Fred gebrachten Notebooks, und wir besuchen noch ein Klassenzimmer – Physikunterricht, der Junge der grad an der Tafel steht, freut sich bestimmt über die Unterbrechung ^^

Es klingelt zur Pause, die Kids scharen sich um die Mopeds, aber keiner traut sich draufzusitzen.Wir dürfen die Autos stehn lassen und brechen auf zu nem Stadtrundgang.
Übergabe der Notebooks
Übergabe der Notebooks

Tolle alte Häuser, vieles wird renoviert.

Wir bummeln durch die Innenstadt Richtung Metropolitenkathedrale, die wir kurz besichtigen. Davor im Park steht eine Skulptur von Romulus und Remus, eins der Wahrzeichen der Stadt.
Weiter besuchen wir die Markthalle, toll anzusehn, die Unmengen von frischen Obst und Gemüse, und auch wunderschöne Blumen.In einer der Straßen ist eine Art Ausstellung zu sehen: aus fast 120000 gesammelten Plastikverschlüssen und Deckeln hängen dort große, bunte, wunderschöne Wandbilder, sie sollen aufmerksam machen auf die Müllproblematik und Recycling, ein großes Thema in dem Land.
Timișoara
Timișoara

Zurück zur Schule, und weiter geht’s Richtung Pianu de Sus, unserem Ziel für die nächsten 3 Nächte.

An ner Landtraße gibt’s Mittagspause in nem kleinen Lokal, ich muß gleich mal ne Ciorba de Burta (Kuttelsuppe) ausprobieren – legga 🙂 Am frühen Abend erreichen wir unser Hotel Casa Dives, ein Träumchen!
Erstmal Mopeds abladen – auf Schotter *grins* die Vorfreude steigt, am nächsten Tag wollen wir zum Transalpina…
Auf dem Weg zum Hotel runter lockt der Pool – für den werden wir wohl keine Zeit haben 😉 Aber erstmal Abendessen! Wir speisen im ehemaligen Knast!

Ein echtes Flugzeug als Gästezimmer im Garten - das hat was
Ein echtes Flugzeug als Gästezimmer im Garten – das hat was

Direkt an diese ehemalige Polizeidienststelle hat der Besitzer sein komfortables Hotel erbaut, es ist gemütlich in dem gemauerten Gewölbe, außer uns ist niemand da. Auf dem Tisch stehen 2 Viertelliterflaschen mit Ţuică (Pflaumenschnaps) und einer Art Pflaumenlikör auf Ţuicăbasis – for free, das ist schonmal nicht schlecht ^^

Es gibt ne lecker Ciorbă de perișoare (Fleischklößchensuppe) mit Smântână, einer Art saurer Sahne, und dann Schnitzel mit
Salată de varză’ – dem typischen Krautsalat. Wir sind so satt daß wir den Nachtisch ablehnen, aber ein kleines Stückchen Käse würden wir noch nehmen… das wird uns ne Riesenplatte mit verschiedenem Käse, Wurst, Speck und roten Zwiebeln gereicht… Wir platzen gleich!!
Nach ein paar Bierchen beziehen wir unsere mit Antiquitäten eingerichteten Zimmer, die Mopedsachen mitsamt Helm machen nen interessanten Kontrast zur Vitrine voller Porzellannippes ^^ Die Mopedstiefel parken wir lieber mal vor der Tür…
Endlich sind wir angekommen!!! Ich freu mich so auf die nächsten Tage.
Die kleine Käseplatte als Ersatz für den Nachtisch
Die kleine Käseplatte als Ersatz für den Nachtisch

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Transalpina

Samstag, 16.05.2015 Transalpina, Papanași und ein Heiratsantrag (Jürgen)

Ohne Mampf kein Kampf (Zitat Jürgen)
Ohne Mampf kein Kampf (Zitat Jürgen)

Unser erster Fahrtag steht endlich vor der Türe. Mit Vogelgezwitscher werde ich geweckt und da ich heute mit dem Schreiben unseres Tagesbuchs dran bin (was absolutes Neuland für mich ist) liege ich schon aufgeregt seit 7 Uhr im Bett und lasse die ersten 2 Tage Revue passieren und notiere mir die ersten Gedanken.

Als dann um 07:30 Uhr der Wecker klingelt und Fred auch wach ist bringt ein erster prüfender Blick aus dem Fenster erst einmal Ernüchterung. Keine Sonne sondern wie angekündigt bewölkt und leicht nass. Egal , heute wird gefahren , komme was wolle.

Jetzt geht es erst einmal zum Frühstücken , denn ohne Mampf kein Kampf. Wenn das genau so üppig ausfallen sollte wie das Abendessen gestern Abend, werden wir alle mit 10 kg mehr auf der Waage aus Rumänien zurück kommen.. hmm , ok wer den Teufel an die Wand malt. Wir wurden mit allen Köstlichkeiten welche man sich nur vorstellen kann verwöhnt , oh das wird böse enden 🙂

Letzte Vorbereitungen
Letzte Vorbereitungen

An den Motorrädern gehören auch noch ein paar Kleinigkeiten vorbereitet. Die Hecktaschen müssen teilweise noch aufgepackt werden und bei Rebeccas Motorrad gehört der Ständer, den ich zuhause noch schnell für sie geschweißt habe aber aus Mangel an Zeit nicht mehr montieren konnte, auch noch dran. Wäre ja irgendwie mühsam sich bei jedem Stop eine Hauswand oder einen Baum zum daran lehnen zu suchen.

Gegen 10.30 Uhr starten wir dann endlich und nach ca 2 km Wegstrecke heisst es erst einmal Stop, da Fred den GPS-Tracker im Auto vergessen hat. Während wir warten fährt er zurück. Marion ist so ungeduldig dass sie keinesfalls stehen bleiben kann und so fährt sie munter die Strasse auf und ab, nur den angekündigten Wheelie bleibt sie uns schuldig.

Endlich - ein Fell für die Sitzbank
Endlich – ein Fell für die Sitzbank

Als Fred zurück ist setzen wir unseren Weg munter Richtung Transalpina fort. Die kleinen Strassen führen uns durch ganz arme Dörfer und irgend wie sind die ganzen Eindrücke für mich nicht so einfach. Man hat einerseits diese Wahnsinnige geniale Landschaft und diese traumhaften kleinen Strassen und andererseits wird man mit vielen uns unbekannten Situationen konfrontiert. Da winken Dir in den armen Dörfern die Leute zu, die Kinder kommen von weitem beim Geräusch von unseren Motorrädern die Böschung hoch gelaufen nur um einen kleinen Blick zu ergattern und einen Wink zu hinterlassen und selbst die alten Leute winken oder nicken dir freundlich zu. Bei uns in Deutschland hat man diese extremen Unterschiede nicht ansatzweise, nicht mal auf dem Land, und als Motorradfahrer abseits der Wege stürmt höchstens mal der Bauer auf Dich zu aber das hat meist nichts mit Grüßen zu tun.

Die vielen Strassenhunde, Hirtenhunde, Haushunde … Hunde in allen Formen finde ich persönlich auch noch sehr schwierig. Fred hat uns allen zwar gesagt dass die nichts tun, aber wenn dann mal eine ganze Meute neben Deinem Motorrad nebenher läuft und 10 cm neben Deinem Bein Radau macht, hat das alles nichts entspanntes. Aber Fred sagte uns ja, am Freitag haben wir keine Angst mehr vor diesen Hunden. „ Sein Wort in Gottes Ohr „.

Der ‘Transalpina’

Straße des Königs

Die Straße DN67C wurde im Jahr 1939 vom damaligen König Carol II von Rumänien als „Straße des Königs“ offiziell eröffnet. Der König hatte sich persönlich für die Sanierung der Straße durch die Parang Berge eingesetzt.
Der Urdele-Pass ist ein ‘Pass im Pass’ und bildet mit 2.145m die höchste Stelle des Transalpina an der Flanke des Urdele, ein Berg im Parang-Gebirge (Munții Parâng).

Der Transalpina ist der höchste Pass Rumäniens.

Transalpina
Transalpina

20 km von unserer Unterkunft entfernt halten wir bei einem Schäfer, um unsere „original Rumänischen Fernreise Sitzbank Schafsfelle“ zu erwerben, welcher von unserem Wirt empfohlene wurde. Jeder nimmt kurzentschlossen ein schwarzes Fell in Empfang und kaum 20 Minuten später befinden wir uns schon wieder auf dem Weg zum Transalpina – über kleine Pass Straßen immer weiter nach oben.

Auf halber Strecke machen wir eine kleine Pause auf einer Brücke und Fred erzählt uns noch ein bisschen von der Geschichte des Landes. Nach unendlich vielen genialen Kurven ohne Verkehr erreichen wir dann bei schönstem Sonnenschein den höchsten Punkt auf 2110 m und sammeln uns abseits der Strasse für zahlreiche Fotoaufnahmen. Beim Wendemanöver fällt Rebeccas gute alte 600 er auf den Asphalt, was uns später noch einiges an Ärger einheimste. Weiter ging es durch die Wolken und damit teilweise nur 5 Meter Sicht und dabei an mehrere Meter hohen Schneewänden vorbei auf den Urdele Pass.

Wir kommen pünktlich, als der Radlader die letzte Schaufel Schnee von der Straße nimmt
Wir kommen pünktlich, als der Radlader die letzte Schaufel Schnee von der Straße nimmt

Weiter geht es durch den Skiort Rânca, danach  gibt es noch eine kurze Schotteneinlage rauf bis zu der Funkstation. Von dort oben hat man eine super Fernsicht und man erkennt auch noch Teile des alten Transalpina, nämlich noch geschottert. Wäre sicher schön gewesen die ganze Strecke auf Schotter und nicht auf Teer hinter uns zu bringen, aber so läuft auch das Rad der Zeit in Rumänien kontinuierlich weiter.

Oben an der Funkstation stellten wir leider fest dass Rebeccas Motorrad welches ja auf der Passhöhe vorhin umgefallen war ein Loch im Motor hat und auch Motoröl verliert.

provisorisch abgedichtet
provisorisch abgedichtet

Der Schalthebel hat beim Umfallen das Motorgehäuse beschädigt. Der erste Versuch das Leck mit Panzertape abzudichten scheiterte schon nach den ersten Kilometern

und so war es an Fred Mc Gyver seine Erfahrung spielen zu lassen und siehe da, Kaugummi zerkaut auf das Leck, mit bisschen Benzin zum Aushärten bringen (die Zeit hatten wir aber leider nicht) und genügend Panzertape hat dann soweit funktioniert dass wir die Rückreise zur Unterkunft auf eigener Achse versuchen konnten.

Auf Hälfte der Strecke gab es jetzt die vielfach von Fred angepriesenen Papanași, und was soll ich sagen, einfach göttlich. Wo wir aber wieder bei unseren 10 kg wären, argh..

Der Kellner hatte ein Auge auf unsere Rebecca geworfen und hat ihr doch tatsächlich eine Art Heiratsantrag gemacht was natürlich zur allgemeinen Erheiterung führte und Rebecca einiges an Spott einbrachte. Nachdem Sie ihn dann doch mit einem Foto von den beiden auf ihrem Motorrad abwimmeln konnte setzten wir unsere Fahrt fort. Auf der Rückfahrt kommen wir nur langsam voran, da wir immer wieder Rebeccas Motorrad überprüfen, bzw. nachdichten müssen.

Ein außergewöhnlicher Heiratsantrag
Ein außergewöhnlicher Heiratsantrag

Nach einer grandiosen Abfahrt, wo uns Fred auch mal von der Leine gelassen hat und ich mit Marion zum Kurven jagen voraus geeilt bin, dabei das ein oder andere skurrile Pferdefuhrwerk, Gebäude oder total überladene Holztransporter – welche mit irrsinniger Geschwindigkeit die ganze Strasse einnehmend den Berg runter donnern – gesehen habe, kommen wir dann pünktlich um 19:30 Uhr wieder in der Unterkunft in Piano de Sus an, wo uns nach einer kurzen Nachbereitung der Motorräder und der Reparatur von Rebeccas Motorgehäuses mittels Kaltmetall (Ja, Fred hat für alles etwas dabei) schon wieder ein utopisches Abendessen erwartete.

Bei dem ein oder anderem Fläschchen Timisoreana und leckerem Rotwein lassen wir den Tag nochmal Revue passieren, sind dann zur späten Stunde mit glücklichen Gesichtern ins Bett .

Heimwärts
Heimwärts

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Eingestürzte Brücke

Sonntag, 17.05.2015 Râpa Roșie und Hunedoara (Marion)

Beim Frühstück
Beim Frühstück

Heute durften wir etwas länger schlafen und mussten erst um 9 Uhr beim Frühstück sein, was „MIR“ natürlich sehr entgegen kam. Das Frühstück war wie gestern reichlich und sehr lecker. Es gab für uns „cafea cu lapte“ (Kaffee mit Milch), für Fred gab es wie immer „ceai“ (Tee), dazu selber gemachten „Brânză de vaci“ (Kuhkäse), „Şuncă“ (Schinken), „Roşii“ (Tomaten), „Castraveţi“ (Gurken), „Ceapa“ (Zwiebeln), „Cârnaţiorul“ (kleine Würstchen), „Omleta“ (Omelett), „Gem de Prune“ (Pflaumenmarmelade) und natürlich „Pâine“ (Brot). Der Chef unserer Unterkunft versicherte uns, dass alles BIO sei und aus der unmittelbaren Nachbarschaft käme. Er selbst bewirtschaftet, so wie mehr oder weniger alle Rumänen im Hinterland ein kleines Feld, in dem das Nötigste selbst angepflanzt wird.

Sebeş

Der Landstrich, in dem Mühlbach gegründet wurde, war bereits in vorchristlichen Jahrhunderten von den Dakern besiedelt worden. Kurzzeitig war er auch Teil des Römischen Reichs. Im 11. Jahrhundert gelangte das Gebiet unter ungarische Herrschaft. Die ungarischen Könige verbrachten zur Grenzsicherung das Hilfsvolk der Szekler dorthin, welches aber bereits Mitte des 12. Jahrhunderts zur neuen, sich weiter östlich befindlichen Reichsgrenze umgesiedelt wurde.

Direkt danach wurden deutsche Siedler in der damals Terra Sebus genannten Gegend sesshaft gemacht (Siebenbürger Sachsen). Sie nannten ihre neue Ortschaft Mühlbach und bestimmten bis ins 20. Jahrhundert hinein die Geschicke der Stadt. Mühlbach lag auf Königsboden und war Vorort des Mühlbacher Stuhls. Bereits im 13. Jahrhundert erhielt der Ort das Stadtrecht. Die Stadt Sebeş liegt im sog. Unterwald auf einer Ebene im südlichen Kreis Alba in der Nähe des Zusammenflusses des Flusses Sebeş (Mühlbach) in den Mureş (Mieresch). In Sebeş kreuzen sich die Nationalstraße DN1 Sibiu – Cluj (Klausenburg) und Sibiu – Arad.

Nach dem Frühstück, bekamen wir von Fred eine Einweisung in Sachen Kette ölen, Kette spannen, Kette austauschen usw.. Für Jürgen war es nichts Neues, aber für uns Mädels war es sehr interessant und nun hoffen wir, dass wir in Zukunft unsere Ketten und Ritzel selber warten können. Bevor es dann endlich losging, überzeugten wir uns noch, ob der Gehäusedeckel an Rebeccas Moped nicht mehr ölte, was er zum Glück nicht mehr tat, denn er wurde ja von Fred mit Flüssigmetall geflickt.

Kleiner Pflege-Workshop
Kleiner Pflege-Workshop

Die Sonne scheinte und es war angenehm warm an diesem Morgen. Wir machten uns so gegen 11:30 Uhr auf nach Sebeș (Mühlbach) zum Tanken. Der Weg dort hin führte uns über eine gut ausgebaute Straße, auf der wir mit ordentlich Seitenwind zu kämpfen hatten. In Sebeș fiel mir auf, dass auch am Sonntag dort die großen europäisch weit bekannten Lebensmittelgeschäfte wie Penny, Billa, Lidl usw. geöffnet waren, die einheimischen kleinen Geschäfte waren jedoch geschlossen.

In Sebeș bogen wir dann irgendwann einmal links in eine unbefestigte Straße ab, der anschließend eine Schotterpiste folgte. Der Weg führte an der A1 entlang und schließlich führte er uns unter der A1 hindurch, wo auch schon die erste kleinere Herausforderung an unser fahrerisches Können folgte. Der Weg war sehr uneben und wir mussten einen Betongraben überwinden, wo es dann anschließend für Rebecca den 1. Strich der Challenge gab.

Râpa Roșie
Râpa Roșie

Offroad mit hohem Mopped und kurzen Beinen, ist eine wirkliche Herausforderung, was Rebecca aber trotz alle dem super meisterte. Das Mopped war schnell wieder aufgestellt und Rebecca war nichts passiert, so ging die Fahrt gleich weiter über einen schönen Feldweg, der auch von den hiesigen Pferdefuhrwerken benutzt wird. Kurz darauf waren wir unterhalb vom Naturschutzgebiet „Râpa Roșie“ und stellten unsere Mopeds auf einer grünen Wiese ab. Zu Fuß ging es dann offroad, down- and uphill durch ein kleines Wäldchen hoch zu den Pyramiden aus rotem Gestein. Inzwischen war es schon ganz schön warm geworden und wir setzten uns dort in die Sonne und genossen die Aussicht auf Sebeș.

Castelul Corvinilor (Hunedoara)
Castelul Corvinilor (Hunedoara)

Maren fotografierte Blumen und Schmetterlinge für ihre Freundin, die an diesem Tag Geburtstag hatte und Rebecca inspizierte ein tiefes Loch, welches sie, wäre sie hinein gefallen, für immer behalten hätte.

Um 12:30 Uhr machten wir uns von dort aus auf den Weg nach Hunedoara, wo wir das Castelul Corvinilor besichtigten. Auf halbem Weg dort hin führte uns Fred aber noch zuvor an einem Imbisswagen vorbei, an dem des super leckere „Kürtos Kalacs“ zu kaufen gab. Wir bestellten jeweils einen mit Haselnuss, Vanille und einen mit Kokos, da wir ja noch nichts zu Mittag gegessen hatten. Einer kostete 10 Lei = ca. 2,25 €. Dieser zu Deutsch „Baumstriezel“ schmeckt außerordentlich lecker und jeder von uns hatte so seinen Favoriten gefunden. Der deutsche Name „Baumstriezel“ stammt von “Baum” (Holzrolle) und “Striezel” (geflochtenes süßes Brot) ab.

Die Burg Hunedoara
.. wurde um das Jahr 1452 im gotischen Stil von Johann Hunyadi auf einem Kalkfelsen auf den Resten einer Festung aus dem 14. Jahrhundert errichtet. Die übrigen Teile wurden unter Matthias Corvinus und den Fürsten Bethlen erbaut.
Die Pro7-Fernsehserie „48 Stunden Angst“ wurde in diesem Schloss gedreht. Dabei wurde immer wieder fälschlicherweise erwähnt, dass es sich um das echte Schloss des Grafen Dracula handelte. Dessen historisches Vorbild, Vlad III. Draculea, hatte sich hier lediglich zeitweilig aufgehalten. Ansonsten ist die Burg eine ideale Filmkulisse und wird auch zu diesem Zweck oft vermietet. Eine Vielzahl an internationalen Filmen wurde dort bereits gedreht.
Kürtos Kalacs
Kürtos Kalacs

An der Burg in Hunedoara angekommen, stellten wir unsere Moppeds ab. Fred blieb bei den Motorrädern, da er die Burg schon besichtigt hatte. Jürgen, Maren, Rebecca und ich machten uns bei gefühlten 40 Grad im Schatten auf, die Burg zu besichtigen. Die Besichtigung kostet pro Nase 30 Lei, umgerechnet ca. 7 €, was für rumänische Verhältnisse ganz schön viel ist. Aber es hat sich gelohnt, die Burg ist echt sehenswert und gut besucht. Beim Betreten der Festung hatte ich gleich den Film „Der Name der Rose“ im Kopf. Nach späterer Recherche wurde dieser Film dort aber nicht gedreht. Maren und Jürgen war total neugierig auf die Folterkammern und wären doch zum Schluss noch fast dran vorbei gelaufen. Die Folterkammern (2 Stück) hatten einiges an Equipment zu bieten und ich kann nur sagen: Wie gut, dass wir heute leben und nicht zu dieser Zeit.

Nach der Besichtigung machten wir für Erhan (der leider nicht mitkommen konnte) noch ein Gruppenbild, in das Fred anschließend auf dem PC einen Schatten, in der Gestalt von Erhan einfügte.

Roma-Villa
Roma-Villa

Das Bild wurde abends noch von Fred in Erhans Facebook-Profil gestellt, mit den besten Grüßen an Erhan.
Es war schon spät geworden und wir machten uns auf den Nachhauseweg nach „Pianu de Sus“. Der Heimweg (nennen wir ihn lieber „Fred“) führte uns zuerst vorbei an einer Ansiedlung von Zigeunervillen, die man sich so nicht vorzustellen vermag und anschließend noch an eine eingestürzte Brücke. Hochwasser hatte diese Brücke vor ein paar Jahren zusammenbrechen lassen und seither steht bzw. liegt sie dort unverändert über dem Fluss. Die Einheimischen benützen diese Brücke immer noch, da sie sonst einen riesigen Umweg machen müssten um ans andere Ufer zu kommen. Über den Spalten liegen jetzt unbefestigt ein paar Bretter über die man max. mit dem Moped drüber fahren kann. Ein Brett davon stammte immer noch von Fred, welches er Jahre zuvor bei seiner ersten Überquerung dort abgelegt hatte. Ja, und wie soll es anders sein (wir sind ja nicht zum Spaß hier), fragte uns Fred, wer da rüber fahren möchte.

Grenzen überwinden ;)
Grenzen überwinden 😉

Wir schauten uns alle ungläubig an, da es schon etwas waghalsig aussah, aber nach dem Fred uns bewiesen hatte, dass es machbar ist, gab sich Jürgen dann einen kräftigen Ruck und fuhr drüber, wie wenn`s nix wär. Rebecca überlegt auch noch, lies es aber dann doch lieber sein, da sie sich dachte, „wenn ich hier das Mopped hinschmeiß, ist auf alle Fälle mehr kaputt und ich kann womöglich nicht mehr mit zum Offroaden“. So kürten wir Jürgen an diesem Tag zum „Held des Tages“.
In einer kleinen Ortschaft gab es dann für Rebecca, Maren, Jürgen und mich ein kühles „Bergenbier“, sowie für Fred ein kühles „Schwarzes“. Um halb Acht kehrten wir nach 200 Tageskilometern und vielen schönen Eindrücken alle wieder unversehrt und glücklich in unserer Unterkunft „Casa Dives“ ein.

Feldarbeit wie Anno Dazumal
Feldarbeit wie Anno Dazumal

Im „Casa Dives“ gab es wie die Abende zuvor wieder eine Ciorbă mit Peperoni und Smântână dazu, die ihres gleichen suchte und der Hauptgang Sarmale (Krautwickel) mit Mămăligă (Maisbrei) war auch oberlecker.
Alle waren glücklich und zufrieden, der Bauch spannte ein wenig und wir mussten befürchten, dass uns die Mopedklamotten zu eng werden. Aus dem Grund gab es von mir, wie am Abend zuvor auch, einen selbst gebrannten Chillischnaps und einen Williams.

Eigentlich wollte ich den Chef des Hauses einen Schnaps aus meiner Heimat probieren lassen, aber leider war er schon den zweiten Abend auf einer Hochzeit und somit mussten wir den Schnaps halt leider selber trinken. Der leckere rote Hauswein tat dann noch sein Übriges und so gingen wir alle wohl genährt und glücklich mal wieder viel zu spät ins Bettle.


Aufladen in Pianu de Sus

Montag, 18.05.2015 Alba Julia – Brebu Nou (Rebecca)

Unsere spartanische Unterkunft
Unsere spartanische Unterkunft

Heute ist der Tag an dem wir Pianu de Sus verlassen und uns auf den Weg machen nach Brebu Nou.

Es hat wieder richtig kitschiges warmes Wetter. Auch wenn das Thermometer nur 20 Grad anzeigt, fühlt es sich richtig südländisch an. Das liegt wahrscheinlich an der Trockenheit. Hier ist zwar alles grün, aber der Staub deutet darauf hin, dass es insgesamt weniger Niederschlag gibt als bei uns.

Morgens  nach dem Aufstehen packen wir gleich zusammen, mir fällt auf, wie leicht es uns miteinander fällt. Irgendwie hat jeder seinen Rhythmus, und jeder seine eigene Art, aber jeder macht sein Zeug, hilft den anderen bei Bedarf und fein.  Es ist ein gemeinsames hier sein und die Zeit genießen, kein Suchen von Fehlern und Unzulänglichkeiten. Mal gutmütiger Spott, aber auch der nett. Ich kann mir Gruppen vorstellen, wo es anders ist, und bin uns dankbar, dass wir es uns so einrichten, wie wir es tun.

Schwester Maren, den Tupfer
Schwester Maren, den Tupfer

Ein letztes Mal das tolle Frühstück mit dem genialen Käse und dem gehaltvollen Omelett, dann werden die Möppis verladen.

Bei der Gelegenheit lerne ich auch, dass man die Zettel an den Spanngurten dran lassen soll. Jürgen findet die wichtiger als ich… Wieder was gelernt.

Dafür weise ich auf Tretminen hin, die Duftmarke mag bei der Wärme keiner im Auto.

Und dann musste ich ganz schnell Notizen machen für meinen Bericht:

Jürgen: „Meine Augenbrauen san zkloa füa des wos i schwitz!

Fred: “Musst fragen ob da der Waigl seine ausleiht.

Auch die Kinder helfen mit ausladen
Auch die Kinder helfen mit ausladen

Jürgen: „Und wenn ma mit lauter zickige Weiber in Urlaub foard ….

Fred: „Und lauter Matscho-Oarscherln….

Worauf allgemeines Grinsen sich ausbreitete und tiefe Dankbarkeit, dass wir uns beides sparen.

Unser erster Stopp ist dann der Kindergarten in Alba Iulia. Als wir ankommen, weiß erst mal keiner von nix. Aber dann finden wir eine Dame, die von der Abmachung und unserem Besuch weiß. Werner von Hoffnung für eine neue Generation e.V. hatte uns ja angekündigt.

Unsere Hilfsgüter sind angekommen
Unsere Hilfsgüter sind angekommen

Nach der Leerung zweier Dachboxen und zweier halben Kofferräume ist ein großer Haufen Klamotten, Instrumente und Stofftiere dort angekommen, wo es genutzt und gebraucht wird.

Wir bekommen noch ein Lied vorgesungen und als der Sportbespaßer der Kinder kommt, werde ich gleich eingespannt zum Seilschwingen. Meine Mitfahrer haben Spaß daran, dem jungen Mann zu unterstellen, dass er mich gut findet.

Die Weiterfahrt nach Brebu Nou geht nun mit mehr Platz und deutlich erleichterten Autos von statten.

Der Baum der Freundschaft
Der Baum der Freundschaft

Mit der Zeit werden wir quengelig, Marion mag aufs Klo, Jürgen hat schon seit dem Kindergarten Hunger und mein Magen regt sich auch. Per Funk sagt Fred Bescheid, dass wir bald Magengymnastik machen.

Dann eine neue Nachricht: Es dauert noch 20 km – Seufz – aber da sich seine Tipps immer lohnen, halten wir tapfer durch und stellen unsere Körper auf Standby. Nach der Kalorienbilanz der letzten Tage ist es auch völlig unmöglich, dass wir bis dahin verhungern.

Endlich Essen: Kotelett und Cartofi Prajit – Fritten – und ein sehr redseliger Wirt, der gerne reist, und schon zwei Mal Urlaub am Chiemsee machte und auch in Köln war und gerne davon berichtet.

Der Transsemenic-Pass erstmal mit dem Auto
Der Transsemenic-Pass erstmal mit dem Auto

Die Weiterfahrt geht durch die Heimat der früheren Daker (einstige Gladiatoren) und die Vegetation an den südwestlichen Karpaten ist ein Traum! Wir sehen viel Feldarbeit mit Pferden, wie es früher auch bei uns noch war und auch Traktoren. Der Gegensatz zwischen Feldarbeit mit einfachen Mitteln neben vielen neuen Autos mutet krass an. Die rumänischen Monatsgehälter sind ein Bruchteil von unseren, aber die Preise entsprechen oft in etwa unseren.

Auch der rumänische Fahrstil ist eigen. Man wird durchaus in der Ortschaft überholt… wenn man bereits 70 fährt!

Wir nähern uns Brebu Nou und wollen vor der Ankunft noch tanken, um für morgen gerüstet zu sein.  Leider haben die 4 letzten Tankstellen vor Brebu Nou kein Benzin  mehr, weswegen wir umdrehen müssen und nach Caransebes zurückfahren. Hier klappt es endlich – Gott sei Dank bekommen wir nun Benzin.

Am Marterpfahl und trotzdem Spaß
Am Marterpfahl und trotzdem Spaß

Nun aber ab ins Quartier. Uns jucken die Hände und der Hintern. Aber wir glauben schon nicht mehr dran, dass wir noch eine Abendrunde schaffen. Marion mag sich schon aufm Hänger aufs Moped setzen. Auch wenn ihre DR falsch rum drauf steht. Sie rutscht schon auf dem Sitz herum, als es nach Brebu Nou einen 20 km Pass raufgeht ….

Endlich am gelobten Platz! Zimmer suchen, Gepäck abwerfen, Möppis abladen und … nix ….

Abendrunde? Mhmmmm, geht es sich aus oder nicht??? Fred ist gerade nicht da. Naja, wir ziehen uns mal um, ist spät, aber noch hell. Ha, und dann sind alle doch gerüstet und wir grinsen breit als wir den Hof verlassen.

Erstes Ziel kurz vor Sonnenuntergang
Erstes Ziel kurz vor Sonnenuntergang

Jetzt geht’s tatsächlich los. Über Wiesenwege, trockene Lehmwege, durch eine große Pfütze, zu einem CheckPoint der Enduromania (Wir platzen fast vor Stolz!), weiter zu den 3 Kreuzen und und und … am Ende auch wieder zurück ins Quartier… Beim Fahren sind es immer so viele Eindrücke, dass es sehr schwer ist, das hinterher sortiert zu bekommen. Sogar wenn man es direkt anschließend in Stichpunkten notiert.

Wir kamen alle durch, aber es gab schon die ersten Gelegenheiten, wo man tief durchatmet, ehe man reinfährt. Es war super, das noch am ersten Abend zu haben, damit man bis zum nächsten Tag anverdauen kann.

Und dann hat es doch noch geklappt mit der Abendrunde – toll wars.

Die Auffahrten wirken auf Fotos immer flach
Die Auffahrten wirken auf Fotos immer flach

Und das Bierchen im Anschluß haben wir uns redlich verdient.


Der Weg nach Lindenfeld

Dienstag, 19.05.2015 Lindenfeld (Jürgen)

Briefing nach dem Frühstück
Briefing nach dem Frühstück

Der heutige Tag empfängt uns mit strahlendem Sonnenschein. Ich bin mal wieder 1 Stunde früher wach und mache mich schon mal auf zum Auto noch ein paar restliche Sachen zu holen. Als ich an der Terrasse vorm Hauptgebäude so vorbei schlendere , sitzt doch tatsächlich schon Maren gemütlich an einer Tasse Kaffee schlürfend auf der Bank und geniesst den Morgen. 🙂

Ich geselle mich gleich dazu und nach und nach tauchen auch die anderen drei auf. Wir sitzen tatsächlich über eine halbe Stunde vor der vereinbarten Zeit geschlossen beim Frühstück .

Jeder ist aufgeregt und voll scharf nach der gestrigen Einführungsrunde diese wundervolle Gegend zu erkunden.

Zuvor bekommen wir beim Briefing eine Einführung in Navigation. Fred erklärt uns wie wir die Koordinaten der einzelnen Checkpoints der EnduRoMania in die Karte übertragen können .

Das erste Wasserloch
Das erste Wasserloch

Um 11:00 Uhr geht es dann endlich los , die ersten paar Kilometer raus aus dem Ort auf Asphalt bis nach Wolfsberg, dann rechts ab  und schon rollen wir gemütlich über Schotter. Keine 10 Minuten später kommt das erste wirkliche Wasserloch, welches Fred auch gleich ausgiebig für Fotoaufnahmen nutzt.
Es geht weiter über unterschiedlichste Untergründe bis wir in einem Waldstück zu unserer ersten Schlüsselstelle kommen. Die steinige, sehr steile Auffahrt fordert uns alle. Marion legt ihre Sturzpremiere im unterem Drittel hin und zwingt somit auch Maren und mich  zum stoppen .
Die Bergemaßnahmen sind – wie meinst am Hang – etwas anstrengender , aber wir kommen letzten Endes alle mit oder ohne Hilfe rauf. Oben machen wir erst einmal Pause und füllen unseren Wasserhaushalt wieder auf. Nach der Feststellung, dass Getränke unterwegs sehr wichtig sind und Offroad fahren im allgemeinen unvorstellbar anstrengend sein kann setzen wir unseren Weg Richtung Lindenfeld durch ein wahnsinnig schönes Waldstück mit super genialer Wegführung fort .

Die 'Baumkuschlerin' Maren
Die ‘Baumkuschlerin’ Maren

Irgendwo in diesem Teilstück übersieht Maren mal einen Baumstamm in ihrer Spur und legt sich auch gleich  ganz elegant in die Büsche . Dass das alles sehr kräftezehrend ist, bekommt Maren kurze Zeit später gleich noch einmal zu spüren. Als wir ein Schlammloch umfahren und gerade wieder auf den ursprünglichen Weg zurück fahren, bekommt sie ein wenig Panik , will mit den Füßen auf den Boden , gibt dabei Vollgas und springt so mit aufheulendem Motor geradewegs aus dem Hohlweg raus direkt auf einen Baum zu, mit welchen sie dann ganz elegant „gekuschelt“ hat.
Gott sei dank ist Maren bei diesem Sturz nichts passiert, nur der armen XT sind sprichwörtlich  die „Lichter ausgegangen“, da an dem Baum  leider der Scheinwerfer als Airbag herhalten musste.
Unsere liebe Maren darf sich jetzt mit angeschlagenem Ego und der Gewissheit, die nächsten Tage ohne Licht zu fahren, herumschlagen 🙂 .

Pause im Schatten
Pause im Schatten

Auf diese Aktion hin entscheiden wir erst eine etwas längere Pause zu machen und so haben wir uns auf einer hübschen Lichtung in den rettenden Schatten geworfen und ein wenig die Seele baumeln lassen .
Bis Lindenfeld, eine verlassene kleine Geisterstadt, ging es dann mit einigen Stürzen weiter durch die absolut genialen  Landschaften auf mal mehr oder weniger schweren Pfaden.

Die Abfahrt in den Ort hat es noch einmal in sich, im ersten Part schlammige Passagen und dann noch eine sehr steile Abfahrt im 2. Teil, die wir langsam hinunter trailen .

Den links neben dem Weg hinter einem Zaun lauernden Hirtenhund sehen unsere Mädels gar nicht mehr, so sehr sind sie auf den Weg und die eigene Konstitution konzentriert 😉

In Lindenfeld angekommen, legen wir wieder eine größere Pause ein. Fred erzählt noch ein paar Anekdoten zu dem Dörfchen und den letzten beiden Bewohnern, welche er 2006 noch kennenlernen durfte, die aber mittlerweile verstorben sind .

Überbleibsel vergangener Zeiten
Überbleibsel vergangener Zeiten

Irgendwie kommen wir nochmal auf die Strecke zu sprechen und da meint Fred, ich solle doch die Ortsdurchfahrt mal ganz nach oben fahren, da kommt ein Kreuz, und dort soll ich dann umdrehen.
Gesagt getan. Ich schwinge ich mich auf meine – mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsene – DR und heize die Auffahrt hoch. Die recht steile und steinige Auffahrt absolviere ich locker ohne Probleme. Oben sind rechts ein paar Schäferbehausungen, die Strasse führt gerade weiter , aber Fred sagte: Immer geradeaus bis zum Kreuz. Ich sehe mich um, die einzige Möglichkeit hoch ist ein kleiner Singletrail, links steil den Berg rauf . Ich zögere kurz aber dann denk ich mir , Ich probiere das jetzt , ist doch egal kann ja nix passieren die Rettung ist ja nicht weit 😉 .

Kleine Zusatzrunde
Kleine Zusatzrunde

Nach etwa 100 Metern teilt sich der Weg bzw. geht links eine extreme Steilauffahrt als Abkürzung hoch, wo mich dann doch extreme Bedenken plagen. Ich entscheide mich, den flacheren, weiteren Weg zu fahren. So quäle ich mich mit mehrmaligen Abwürgen meines Motorrades, gefühlte tausend Kicks zum wieder Anlassen und etlichen fast-Stürzen, fluchend und dumme Sprüche in die Go Pro Kamera plappernd, den Weg immer weiter nach oben. Da ich auf einem flachen Stück oberhalb der Abkürzung dann immer noch kein Kreuz sehe, verlässt mich dann doch der Mut. Ich wendete mein Motorrad und fahre auf dem selben Weg wieder abwärts zu den Anderen .

Dort angekommen bin ich erst einmal richtig platt, lechze nach Wasser. Wir müssen unsere Pause noch ein bisschen ausdehnen. Fred und Marion nutzen die Gelegenheit, eines der verfallenen Häuser zu stürmen und Fotos zu schießen. Maren und ich suchen lieber nach Schatten.
Als wir wieder starten wollen, verweigert Rebeccas Zündschloss den Dienst und auch mehrmalige Versuche von jedem von uns bringen keine Besserung. Erst Fred mit den Zauberhänden beseitigt das Problem.

Grandiose Aussicht
Grandiose Aussicht

Die Abfahrt von Lindenfeld nach Poiana ist relativ einfach, bis auf einen kleinen Abstecher auf einen super Aussichtshügel, wo ich mich bei der Steilauffahrt das erste Mal ganz elegant samt DR in die Wiese schmeisse und mir somit den ersten Challenge Strich abhole. Wir üben beim Abfahren Gleichgewicht halten und teilweise ganz langsam balancieren.

Von Poiana geht es dann auf Asphalt nach Caransebeș, wo wir gemütlich zu Mittag essen (hab ich eigentlich schon mal erwähnt, wie sehr mir die Rumänische Küche schmeckt?). Auch die Moppeds bekommen was zu trinken.

Staubige Schotterstraße
Staubige Schotterstraße

Von Slatina-Timiș aus geht es wieder über den Trans-Semenic-Pass nach Brebu Nou zurück. Da wir auf dieser Strecke immer freie Fahrt haben, uns von der Gruppe entfernen dürfen nutzen Marion und ich auch dieses Mal wieder die Gelegenheit, unsere Enduros wie wild den Pass hoch zu hetzen :-). Ich bin immer wieder erstaunt, was mit so alten Motorrädern alles geht. Auch Marion bekommt von Tag zu Tag mehr Vertrauen zu unserem TKC 80 Reifen mit wenihger als 1 Bar Luft .
Da ich diesmal hinter Rebecca festhänge und sie nicht erschrecken will, wenn ich unangemeldet an ihr in der Kurve vorbeiziehe, genieße ich die Auffahrt und arbeite an meiner Linie. Marion lehnt schon mit breitem Grinsen im Gesicht auf der Passhöhe am ‘Marterpfahl’ (unserem Treffpunkt) in der Sonne als auch wir oben ankommen .

Schlammpiste
Schlammpiste

Da Maren von ihrem ersten wirklichen Offroad-Tag schon sehr erschöpft ist beschliessen wir, sie gemeinsam zurück zum Headquarter zu bringen. Wir Anderen ziehen noch einmal los auf eine kleine Runde mit ein paar Stürzen, Schlammpassagen  und einer interessanten Abfahrt durch einen ausgewaschenen Hohlweg, der uns alle noch einmal richtig fordert.
Zurück im Lager gibt es noch einen kleinen Workshop von Fred über die korrekte Nachbereitung der Motorräder und dem täglichen Kette schmieren. Danach endlich das verdiente Feierabendbier und ein richtig geselliger Abend.

Fazit des Tages:

Man muss nicht immer schnell durch das Gelände pflügen. Es macht auch Spaß, ganz langsam zu fahren.
Die Landschaft hier ist einfach unbeschreiblich schön und wenn man bei Abfahrten den Motor abstellt, hat das ganze einen noch cooleren Flair.
Offroad fahren ist anstrengender als ich jemals gedacht hätte aber es ist jede Mühe wert!

So und jetzt „Noroc“


Rudaria

Mittwoch, 20.05.2015 Rudăria (Rebecca)

Die Nacht war anstrengend ;)
Die Nacht war anstrengend 😉

Marion legt gut los und hat Fred in unserem Stockwerk eingesperrt. Wir sitzen schon am Frühstück, dann fällt Marion auf, dass sie zugesperrt hat und Fred noch oben ist. Mit schlechtem Gewissen wird sofort durchgestartet, damit auch Fred frühstücken kann.

Erste Praxistests der Ausrüstung bringen Ergebnisse: Die weichen Kontaktlinsen sind echt blöd zum Laptoptippen und Bildschirmlesen beim vor-dem-Frühstück-Bericht-tippen – aber beim Fahren sind sie deutlich besser als die harten Linsen, die sehr staubempfindlich sind.

Road of waterpods
Road of waterpods

Wir spüren nach gestern unsere Muskeln, können uns aber noch bewegen. Auch Magnesium sei Dank. Marens Knie hat sich nach grünem Öl auch wieder erholt. Nachdem es in der Nacht viel geregnet hat, haben wir beim Frühstück beschlossen nicht wirklich ins Gelände zu fahren, weil der Schwierigkeitsgrad für Anfänger zu hoch ist.

Onroadtage sind aber auch schön. Erst zum Start den Transsemenic-Pass in die andere Richtung 30 km runter. Dann die Road of Waterpots (wie Fred sie nennt), eine ewig lange Forststraße durch den Wald (ca. 30 km), die 2/3 Pfützen und 1/3 Straße hat – dann sind die Bikes bereits trotz Straßentag stilgerecht eingeschlammt. Bei einer Pause haben wir auch eine nette Begegnung mit einem Maikäfer gehabt, der sich auf unseren Händen recht wohl gefühlt hat.

Eisenbahnmuseum Resita
Eisenbahnmuseum Resita

Weiter ging es dann nach Resita um das Outdoor-Eisenbahnmuseum anzusehen. Lauter alte Dampfloks die früher die Firma CSR in Resita hergestellt hat. Die riesigen Eisenhaufen sind wirklich beindruckend. Und viele davon wirken auf den ersten Blick noch so, als ob sie morgen losfahren könnten.

Uns war gut warm und wir waren froh, als wir nach etwas Suche in Resita auch am frühen Nachmittag etwas zum Essen gefunden haben. Fred hatte initial etwas anderes im Auge, aber das gab es wohl nicht mehr. Aber wenn man draußen sitzt und Kartoffelpüree, Fleisch und Krautsalat und je nach Geschmack alkoholfreies Bier oder Cola bekommt, ists fein. Das Thermometer gegenüber zeigte 30 Grad an, gelegentlich sogar 32. Das wurde bei nächster Gelegenheit den Lieben zu Hause erzählt mit virtuell süffisantem Grinsen. Der Brenner wurde am gleichen Tag wegen Schnee gesperrt…

Hierher gehts zu Fuß
Hierher gehts zu Fuß

Dann ging es wieder weiter, später haben wir noch die Rudaria-Mühlen angesehen und einen beinahe unspektakulären Wasserfall, der aus einem anderen Winkel wunderschön ist. Und auch recht bekannt. Da war Maren schon recht müde und wollte eigentlich nur noch heim. So machten wir uns auf den Weg um die ca. 30 km nach Resita und von dort aus weitere 30 -40 km nach Brebu Nou hinter uns zu bringen. Spät war es auch bereits, bzw. es war klar, dass es spät würde, bis wir zu Hause sind. Aber es waren auch viele wunderschöne Dinge und Strecken, die wir gesehen haben. Maren ging heute die Energie aus. Sie hat die Maschine noch tapfer heimgefahren war dann aber restlos platt. Nach einer Gedenkpause haben wir noch zusammen gegessen und zwei Flaschen Wein geleert und sind ins Bett. Es war hart für Maren so an ihre Grenze zu kommen, aber am Ende hat das das Team zusammen geschweißt, und dafür gebührt Maren der Dank des Teams.

Endurowandern
Endurowandern
Cascada Bigar
Cascada Bigar
Track 20-05-2015
Tracklog. Gesamte gefahrene Strecke: 187km

Auf den Spuren der RedBull Romaniacs

Donnerstag, 21.05.2015 Poarta Orientală (Marion)

Da wir gestern Abend so spät nach Hause gekommen sind und viel zu kaputt waren um noch zu duschen, bin ich um 7 Uhr aufgestanden um dies nachzuholen. Somit war die Nacht für mich doch ziemlich kurz, aber nach der Dusche war ich wieder fit und voller Vorfreude auf den neuen Tag. Vor dem Frühstück ölte uns Jürgen noch die Ketten an den Mopeds und ich schaute bei meiner DR 350 nach dem Motoröl, welches schon wieder nach meeehhhhrrrr schrie. Anschließend organisierte ich mir bei dem Schotten „Dougie“ dem Race-Director der Red Bull Romaniacs noch eine Mutter für meine Motorhalterung, die ich gestern verloren hatte.

Die Gesundheitsstation in Slatina Timis
Die Gesundheitsstation in Slatina Timis

Nach einem relaxten Frühstück fuhren wir um halb 11 Uhr nach Slatina-Timiș runter um die Spenden für die Medizinische Station A.D.A.M.S. abzugeben. Fred und Maren fuhren mit dem Auto, da sich in Freds Auto die Spenden befanden. Rebecca, Jürgen und ich fuhren mit den Mopeds, da die Strecke dort runter einfach nur der Hammer ist, 20 Kilometer, gute Straßenverhältnisse, gefühlte 100 Kurven in allen Variationen und absolut kein Verkehr. Für mich Kurvenjunkie einfach nur geil, wobei Jürgen und Rebecca natürlich auch ihren Spaß hatten.

Johny erzählt uns vom Leben hier
Johny erzählt uns vom Leben hier

In der Station wurden wir bereits von Johny dem „Mädchen für alles“ in der Station (Arzt, Putzfrau, Hausmeister …) erwartet und herzlichst begrüßt. Die Spenden wurden rein getragen und wir bekamen einen Kaffee und Wasser serviert. Johny erzählte uns etwas über seine Station, seine Arbeit, die Organisation und über die Menschen, die zu ihm kommen. Es ist schon sehr bedrückend zu wissen, dass es vor allem den Menschen im Hinterland von Rumänien, mehr oder weniger an Allem fehlt und dass die Spendenbereitschaft sehr zurück gegangen ist, seit Rumänien in der EU ist. Wir blieben eine Stunde dort und fuhren dann mit gemischten Gefühlen wieder zum Camp hinauf. Die Kurvenhatz hoch zum Camp, lies mich die Not der Menschen in Rumänien jedoch wenigstens für die Fahrt wieder vergessen und ich hatte abermals riesigen Spaß den Pass mit meiner DR 350 hochzujagen. Fred und Maren machten sich oben angekommen gleich fertig für unser neues Abenteuer und so fuhren wir alle zusammen abermals den geilen Pass nach Slatina-Timiș hinunter.

Der Tunnel 'Poarta Orientală'
Der Tunnel ‘Poarta Orientală’

Das Formationsfahren in der Gruppe, auf der breiten E70 Richtung Teregova, klappte heute zum ersten Mal perfekt und so standen wir um kurz vor 14 Uhr vor dem sagenumwobenen Tunnel, durch den vor vielen Jahren mal der Orient-Express fuhr. Dem Tunnel entstieg kalte modrige Luft und über den Pfützen vor dem Tunnel stiegen Nebelschwaden auf. Wir stellten erst einmal die Mopeds ab, befestigten an Rebeccas Moped den Motorschutz mit Kabelbindern und schauten uns das große schwarze Loch aus der Nähe an. Das Ende des Tunnels in mehr als 900 Meter Entfernung war winzig klein, aber erkennbar (zum Glück). Fred gab uns noch ein paar Instruktionen und fuhr dann als Erster durch, gefolgt von Maren (mit dem kaputten Licht).

Motorschutz provisorisch befestigen
Motorschutz provisorisch befestigen

Ich fuhr leicht versetzt neben Maren her und versuchte ihr so den Weg zu leuchten, was dort, wo wir durchs Wasser fuhren, nicht sehr gut gelang, da das Wasser und die dunklen Wände das Licht schluckten. Gefolgt von Rebecca und Jürgen (dem Kamerakind) fuhren wir also zuerst einmal geschätzte 450 Meter durch 20-30 cm hohes, abgestandenes, schmodderiges Wasser, in dem unsichtbar jede Menge Ziegelsteine von der Tunneldecke drin lagen, was das Fahren in der Dunkelheit nicht wirklich vereinfachte. Der Ein oder Andere musste dann doch noch die Füße mal von den Fußrasten nehmen, aber im Großen und Ganzen meisterten wir das Ganze mit relativ trockenen Füßen. Nach der Wassereinfahrt ging es dann trocken weiter, aber auch hier lagen jede Menge Ziegelstein auf der Erde. Vorallem am Rand entlang lagen große Haufen Ziegelsteine und den Geruch der Dampflock konnte man immer noch leicht riechen. Es ist schon ein besonderes Erlebnis durch einen maroden, dunklen, muffigen und langen Tunnel zu fahren, durch den vor Jahren einmal der geschichtsträchtige Orient-Express fuhr.

Unsere Tunneldurchfahrt als Video:

Nach dem Tunnel teilte sich der Weg und wir fuhren rechts auf einem Feldweg weiter. Der Weg wurde hier und da steil und matschig, aber alle kamen gut durch. Wieder einmal standen urplötzlich ein paar Kühe vor uns und so mussten wir durchs hohe Gras um sie herum fahren. Als der Weg dann im Nichts zu verschwinden schien und wir mehr oder weniger durchs Grün fuhren, stellten wir unsere Mopeds am Rand eines Feldes ab und Fred ging zu Fuß erst einmal los und suchte nach dem Weg.

Ortsverbindungswege
Ortsverbindungswege

Der eigentlich Weg war mehr oder weniger total zugewachsen, so dass Fred einen anderen Weg für uns suchte und auch fand. Wir mussten unsere Mopeds wenden und Fred zeigte uns wie man das ohne große Umstände an Ort und Stelle mit Hilfe des Seitenständers macht. Dies wiederholte sich dann noch einmal bis wir wieder auf einem trockenen lehmigen Weg durch eine wundervolle Landschaft fuhren. Die Sonne gab ihr Bestes, es war fast schon zu heiß um Moped zu fahren, aber die Ausblicke über die Hügel und bewirtschafteten Felder ließen uns die Hitze nicht wirklich spüren. Kurze Zeit später standen wir dann vor einer Auffahrt, die laut Fred die Jahre zuvor noch als einfacher Weg zu befahren war. Heute aber war er zum Hohlweg mutiert, eng und an den Seiten mit Büschen bewachsen, so dass gerade mal ein Traktor durchkam. Der Boden war lehmig, rutschig, die Steigung geschätzt mit ca. 35-40 Grad und einer geschätzten Länge von ca. 120 Metern schon sehr anspruchsvoll für uns Anfänger.

Ortseinfahrt
Ortseinfahrt

Fred fuhr zuerst, dann folgte Maren und Rebecca. Sie kamen bis auf ein-, zweimal Moped abwürgen relativ gut hoch. Ich wartete unten bis die Beiden oben waren und fuhr los. Auch ich musste mehrere Male mein Moped wieder ankicken und nach dem mir Fred erklärt hatte, wie man so etwas angeht, bin ich dann doch noch relativ gut hoch gekommen. Jürgen meisterte die Auffahrt von uns Vieren am Besten und fuhr in einem Zug hoch. Der Weg endet in Luncavița. Der Laden hier existiert nicht mehr. Rebecca und Fred fragen eine alte Frau, die uns nach  und wir fuhren erst einmal nach Verendin zu einem „Magazin Mix“ um uns mit Salami, Brot und Cola zu stärken. Als wir anschließend durch das Dorf Richtung Mehadica fuhren, kamen uns jede Menge alte Frauen und Männer entgegen, die alle schwarz gekleidet waren und jeder einen Beutel mit Brot und Joghurt in den Händen hatten. So wie es aussah, kamen sie gerade aus der Kirche. Wir wurden zum Teil neugierig beäugt, einige der alten Frauen und Männern, winkten uns freundlich zu.

Aufwärts zum Kammweg
Aufwärts zum Kammweg

Fred sollte dann nach einer Möglichkeit Ausschau halten, wo Maren auf die Toiletten gehen konnte, vergaß dies aber sogleich und als wir dann kurz vor einer Tankstelle in einen Weg einbogen, fuhr Maren in die Tankstelle und alle Anderen folgten Fred auf dem Schotterweg. Maren musste also nochmals alles zusammen klemmen, ihr Moped wenden und uns mit gefüllter Blase auf dem Schotterweg folgen. Wir fuhren durch das kleine Dorf Canicea mit einer steilen, aber geraden Auffahrt, die es bei uns so nicht gibt. Der Weg führte uns abermals auf einer Schotterpiste in groß geschwungenen Serpentinen den Weg hinauf, vorbei an Kühen und Pferden, die auf der Weide grasten. Weit oben hielt Fred dann endlich an und Maren beschwerte sich erst einmal, dass er nicht an die Tankstelle gefahren war. Fred entschuldigte sich, dass er es vergessen hatte.

Motorräder-Suchbild
Motorräder-Suchbild

Nichts desto Trotz, bekam Maren nun die Gelegenheit, sich bei einem wundervollen Ausblick zu erleichtern. Als Rebecca ihr Moped abstellen wollte, waren mal wieder die Beine zu kurz, das Moped fiel um und ihr Helm, der am Lenker hing, kullerte erst einmal 50 Meter den Berg hinunter. Wir mussten alle fürchterlich lachen. Nach einer kurzen Biesel- und Fotopause ging es danach weiter den Berg hinauf, durch Wald und Wiese, über die Baumgrenze bis dann vor uns eine mehrere hundert Meter lange Auffahrt mit geschätzter 45 Grad Neigung erschien. Fred fragte, ob er uns zeigen soll wie man da rauf fährt. Klar, nachdem er oben war, wollten bis auf Maren alle dort hoch. Zuerst fuhr Rebecca, dann ich und zum Schluss noch Jürgen – unser Kamerakind. Rauf mussten unsere Oberarme Hochleistung bringen, aber wir schafften es alle drei ohne Sturz und ohne anzuhalten. Beim Runterfahren, machte Jürgen dann einen nicht ganz perfekten Purzelbaum und Filmte seine Beine wie sie in den Himmel zeigten. Aber zum Glück ist wieder einmal nichts passiert und so meisterte Jürgen nach Freds Anweisung die Abfahrt doch noch mit Bravour. Rebecca und ich folgten ohne Probleme und Fred (und wir natürlich erst Recht) waren stolz auf uns, denn diese Auffahrt war eher schon etwas für Fortgeschrittene.

Im Anschluss folgte noch das Warnwesten- und Klapphelmfoto für unseren gemeinsamen Freund in der Fernweh-Gruppe. Wir hatten dabei unheimlich Spaß und viel zu lachen.

Begegnung mit Hirtenhunden
Begegnung mit Hirtenhunden

Der Weg führte uns weiter auf dem Bergrücken entlang, wir hatten ringsum einen wunderbaren Ausblick. Endurowandern in Rumänien ist einfach super, super schön. Allen war es anzusehen und es machte auch nichts aus, dass uns hinter dem nächsten Bergkam eine Meute von Hirtenhunden der größeren Art hinterher jagten. Rebecca fuhr tapfer vorne weg und ca. 4-5 Hunde rannten an ihrer Seite bellend her, bis Sie aus ihrem Territorium war. Ungleich später waren wir an der Reihe, aber selbst mir, wo ich doch so Angst vor diesen Begegnungen hatte, machte es fast gar nichts mehr aus.

Unterwegs auf den Trails der RedBull Romaniacs
Unterwegs auf den Trails der RedBull Romaniacs

Unsere Fahrt auf dem Bergrücken endete in einem abwärts führenden Weg, gesäumt mit skurrilen Bäumen. Manche von den Bäumen bestanden nur noch aus den äußeren Jahresringen, waren innen hohl und trugen aber trotzdem frisches Laub. Der Weg war zu Beginn nicht besonders steil und wir trailten ohne Motor den Berg hinunter. Fred, Maren und Rebecca fuhren voraus. Jürgen und ich hinterher. Als Jürgen dann auf einmal fehlt, dachte ich mir, er ist wohl kurz für kleine Jungs gegangen, denn der Weg war recht unspektakulär. Es dauerte dann eine ganze Weile bis er wieder bei uns war und als er neben mir zum Stehen kam, beschwerte er sich erst ein mal bei mir, warum ich ihm nicht geholfen habe sein Moped aufzustellen und einfach zugefahren bin, als es ihn da oben hingeschmissen hat. Upss, dachte ich mir, das hab ich jetzt wohl nicht mitbekommen. Aber egal, er war ja wieder da und nun stand es zwischen uns 3 zu 3 und das freute mich. Das kommt halt davon, wenn man zu übermütig wird. Jürgen kam dann die Idee, den Gleichstand auf eine nicht Gentleman like Art und Weise manipulieren zu können und wollte mich gleich umschubsen, aber nachdem ich ihm androhte, dass ich das beim Guide und den Anderen petzen würde, hat er sich dann doch noch besonnen. Nach einer kleinen Pause ging es schließlich weiter Richtung Tal. Die Wege wurden immer steiler und unwegsamer und unser fahrerisches Können wurde immer mehr gefragt. Dann war der Weg auf einmal zu steil für uns. Wir stellten unsere Mopeds ab, während Fred sich mit seinem Moped auf den Weg machte, um eine leichtere Passage zu finden. Nach einer gefühlten viertel Stunde sahen wir ihn dann etwas Abseits den Berg zu Fuß heraufkommen und uns zuwinken. Wir wendeten unsere Mopeds auf dem Seitenständer und fuhren zu Fred.

Wenn der Weg schwierig wird, fahren wir ihn zu zweit
Wenn der Weg schwierig wird, fahren wir ihn zu zweit 😉

Da es auch dieser Weg in sich hatte und Maren schon etwas kaputt war, fuhr Fred mit Maren hintendrauf den Weg hinunter bis zu einer Stelle, wo das Motorrad mit dem Vorderrad in einem Winkel von ca. 60 Grad in einem Schlammloch stecken blieb und die Beiden absteigen mussten. Der Vorderreifen steckte richtig fest und Fred und Jürgen mussten ein wenig Kraft anwenden um das Moped zu befreien. In einem vom Wasser ausgewaschen, steilen und mit lockeren Steinen belegten Weg ging die Fahrt weiter bis wir wieder an Freds Moped ankamen. Zeitweise sah es so aus, als dass wir nicht mehr so weit hätten, bis wir auf die E70 kommen, aber Fred musste noch ein weiteres Mal nach dem Weg suchen und ließ uns dazu abermals zurück. Wir trafen wieder auf eine Meute von Hunden, die uns aber wie die Anderen auch nur verbellten.

„ois foahboar“
„ois foahboar“

Die Abfahrt die wir dort meisterten, gehört auch zur Strecke der Red Bull Romaniacs – eines der härtesten Endurorennen der Welt. Hier und da musste Jürgen seinen Edding zücken und ein Strich machen, aber zum Glück waren das immer nur Umfaller und keine wirklich bösen Stürze, man kann sagen, „ois foahboar“.

Um 21 Uhr erreichten wir dann endlich – glücklich aber erschöpft die E70 nach Slatina Timis. Wir zogen unsere Regenjacken über, da wir alle total verschwitz waren und fuhren los. Vor dem Pass nahmen wir Maren dann mit ihrem kaputten Licht in die Mitte, ich voraus, Fred und Jürgen nebeneinander hinterher und Rebecca zum Schluss. Auch an diesem Abend waren wir erst wieder bei völliger Dunkelheit zurück im Camp. Oben angekommen freuten sich alle erst einmal auf ein schönes kühles Bier, denn das hatten wir uns echt verdient. Der Abend endete anschließend wie immer noch mit einem leckerem Essen und wieder kamen wir erst spät ins Bettle.

Track 21-05-2015
Tracklog. Gesamte gefahrene Strecke: 143km

Cuntu

Freitag, 22.05.2015 Cuntu (Rebecca)

Ein freundlicher Blick
Ein freundlicher Blick

Diesen Morgen, habe ich nach dem Aufwachen erstmal ganzkörperlich das Gefühl, den Tag vorher etwas getan zu haben. Nicht schmerzhaft, eher durchgewalkt. Erst mal duschen, dazu waren wir gestern nach dem Essen und nach dem Bier zu platt. Dann geht’s schon besser.

Wichtige Dinge folgen: Frühstücken und Ketten ölen.

Fred erzählt beim Frühstück von seinen bisherigen rumänischen Begegnungen und gibt uns so einen engeren Bezug zur Umgebung. Wir freuen uns riesig über das gestrige Warnwesten-Klapphelmfoto! Egal was der Rest sagt oder denkt, wir hatten bei der Produktion großen Spaß.

Staubige Angelegenheit
Staubige Angelegenheit

Heute freuen wir uns erst mal auf die letzte Tour des Urlaubs und befüllen die Wasserflaschen, ziehen uns anständig an, schauen, ob alles am Möppi ist… . Wir fahren erst Strasse los und dann einen schönen langen Pass rauf. Mir taugts und ich schau dass ich Möppi schön hochfahre. Oben geht ein Weg noch weiter hinauf zu einem weißen Kreuz. Als ich anhalte und das Möppi abstelle… sehe ich unter mir Öl. Schlagartig ist mein gutes Gefühl weg und ich habe kein gutes Gefühl mehr sie zu belasten. Große Teile des Weges runter fahre ich erstmal ohne Motor. Etwas weiter unten treffen wir Fred und Maren wieder. Maren raucht in den Pausen öfter. Für mich gibt es heute das erste Mal eine Zigarette tagsüber… Kurzer Routencheck. Ok. Es ist der letzte Tag. Ich beschließe sie hält durch. Wir fahren ins Gelände.

Wieso nimmt keiner die Pfütze?
Wieso nimmt keiner die Pfütze?

Aber irgendwie ist bei mir heute die Luft raus. Auf dem weiteren Weg bitte ich Jürgen zwei Mal die Maschine hochzufahren, obwohl ich das die ganze Zeit nie brauchte und stolz darauf war, es alleine geschafft zu haben.

Aber heute war das Gefühl da, dass ich sie vielleicht einen oder zwei Meter mit Kraft und Adrenalin weiter bringe, aber sie sofort wieder umschmeisse. Voraussichtlich wäre es möglich gewesen, aber dann komme ich nicht mehr nach Hause. Ich weiß den Luxus zu schätzen, dass Jürgen das übernimmt und freue mich riesig mit den anderen für Maren die diese Stellen heute souverän hochfährt.

Maren wächst über sich selbst raus
Maren wächst über sich selbst raus – Leider zeigt das Foto nicht, wie steil es wirklich war.

Irgendwann sind wir dann am Cuntu oben. Ganz großes Uff!!! Den Tarcu sparen wir uns dann doch. Der schlimmere Teil vom Berg muss als Anfänger mal noch nicht sein.

Unser Highligt fast am Ende der Tour
Unser Highligt fast am Ende der Tour
Wir helfen uns gegenseitig
Wir helfen uns gegenseitig

Nach einer Fotopause mit einer zweiten Zigarette für mich hilfts nix. Wieder auf die Möppis und runter. Ich zittere, bringe die Maschine aber fast umschmeissfrei runter – bis ich mir eine Stelle anschauen will und stehen bleiben will und – baammm. Nicht im Fokus und kurze Beine…. Das eine macht das andere nicht besser…

Unten angekommen, machen wir am Übergang zur Strasse nochmal eine kurze Pause und beschließen ohne weiteres Gelände nach Hause zu fahren. Heute bin ich das schwache Glied in der Kette. Maren ist aber auch dankbarJ

Am Heimweg wird noch getankt. Da geht’s dann schon besser. Nach dem Tanken geht’s nur noch den Pass wieder hinauf. Da ich mir Sorgen ums Möppi mache, fahre ich mit so wenig Schaltvorgängen wie möglich rauf.

Grandioses Gebiet
Grandioses Gebiet

Maren fährt eine sehr schöne Linie vor. Die Reifen sind dann schön angefahren, trotz der vorsichtigen Fahrweise.

Mopeds das letzte Mal in Brebu Nou abstellen und Pause! Und bei meinem Moped ist mir klar, dass ich ihr jetzt echt viel abverlangt habe. Die wird keinen Meter mehr unnötig bewegt. Tapferes Möppi!!! Danke.

 

Ihr Leben war die Tage am härtesten, weil sie am öftesten Bodenkontakt hatte. Wobei… wenn ich mich recht erinnere… haben wir alle unsere Brems-und Kupplungshebel geliefert?

Der Abend war so schön wie immer mit dem Team.

Track 22-05-2015
Tracklog. Gesamte gefahrene Strecke: 158km

Bratislava

Samstag, 23.05.2015 Brebu Nou – Bratislava (Jürgen)

Moppeds verladen und packen
Moppeds verladen und packen

Unser letzter Tag in Brebu Nuo beginnt mit dunklen Wolken und leichtem Regen.
Ob unsere geplante Wiederholung der Anfangsrunde überhaupt stattfinden kann, oder ob wir gleich zusammen packen, wird sich beim Frühstück herausstellen. Da es im selben Moment heftig anfängt zu regnen, hat sich diese Frage erledigt. Wir beginnen damit, die ersten Sachen ins Auto zu bringen und die Motorräder zu verladen.
Danach gehen wir gemütlich zum Frühstück über, wo Fred die Gunst der Stunde nutzt, um mit uns den bisherigen Urlaubsverlauf und unsere vollbrachten Leistungen Revue passieren zu lassen.

Ein letzter Blick übers EnduRoMania-Gebiet
Ein letzter Blick übers EnduRoMania-Gebiet

Da ist einerseits Rebecca, die trotz ihrer Körpergröße eine Wahnsinns Leistung gezeigt hat, Hut ab!
Andererseits Marion, die ihre Hundephobie, wie von Fred angekündigt, fast besiegt und die Vorzüge einer leichten Enduro auch auf Passstrassen lieben gelernt hat 😉 .
Ich persönlich hatte wahnsinnig viel Spass und bin froh mit den Mädels unterwegs gewesen zu sein. Ich bin gerne hinten nach gefahren und habe den „Retter” gespielt, habe selber viel gelernt. Man muss nicht immer alles Vollgas fahren. Klar hätte ich vieles auch flotter fahren können, wäre aber dann auch sicher öfter im Dreck gelegen. Auch hier hat Fred ein super Händchen bewiesen und die Leute immer wieder zur rechten Zeit von der Leine gelassen.

Anerkennung für Maren, die über sich selbst hinausgewachsen ist
Anerkennung für Maren, die über sich selbst hinausgewachsen ist

Der „Champion of the Week“ ist Maren, die Fred auch ganz besonders lobt.
Maren, die wirklich körperlich wie auch psychisch weit über ihre Grenzen gegangen ist, ist im Laufe der Woche (auch durch regen Zuspruch der Gruppe) über sich hinaus gewachsen und hat am letzten Fahrtag eine Steigerung von 180 % gezeigt.
Als Anerkennung bekommt sie von Fred die EnduRoMania Goldmedaille, welche sie sichtlich gerührt und den Tränen nahe, unter anerkennendem Beifall aller Beteiligten entgegen nimmt.

Altes Fabrikgebäude in Reșița
Altes Fabrikgebäude in Reșița

Um 11:00 Uhr kommen wir dann, wenn auch mit schweren Herzen, endlich los. In Reșița legen wir einen kurzen Tankstop ein, dann fahren wir weiter nach Timișoara wo wir noch die Julius Mall besuchen wollen.
Dort angekommen fällt uns – wie in den letzten Tagen auch – dieser gravierende Unterschied finanziellen Wohlstands und unmittelbar daneben absolute Armut auf, was sich für uns irgendwie surreal anfühlt.
Nach dem Mittagessen geht Fred noch ein paar Besorgungen machen, während die Mädels und ich die Zeit nutzen, uns durch die Mall in die Tiefgarage zu kämpfen, um ein von Sergio (dem Gründer der EnduRoMania) initiiertes Kunstprojekt zu besichtigen.

Graffiti in Timișoara
Graffiti in Timișoara

Das Projekt ermöglicht alle 2 Jahre nationalen und internationalen Graffiti-Künstlern auf legal zur Verfügung gestellten Flächen ihre Kunst auszuüben. Nachdem wir die meisten Bilder angesehen und fotografiert haben, geht es zügig weiter, es ist bereits nach 15:00 Uhr, unser heutiges Tagesziel Bratislava ist noch weit entfernt. 😉

Auf der langen Fahrt schwelgen wir in Erinnerungen, reden über das Erlebte und sind uns alle einig, dieser Urlaub war nicht nur einfaches Motorrad fahren, sondern er hat vor allem unsere Sichtweise auf das ganze Land, das Leben, die Umwelt, die Natur, das kulturelle verandert; die Sicht auf uns selbst und das Miteinander als Gruppe gestärkt.
Wir sind Fred überaus dankbar dass er uns an ‘seinem Rumänien’ teilhaben lässt.

Ankunft in Bratislava
Ankunft in Bratislava

Gegen 22:00 Uhr erreichen wir unser Hotel in Bratislava. Nach dem Einchecken und Zimmer beziehen gehen wir auf die Suche nach etwas Essbarem.
Das Hotelrestaurant hat schon geschlossen, der Kellner verweist uns auf eine Pizzeria in 50m Entfernung. So stürmen wir voller Elan in die kleine Pizzeria, müssen aber schnell feststellen, dass die eigentlich auch schon am Zusperren sind. Der Chef hat ein Einsehen bzw. Dollarzeichen vor den Augen und weist seinen Kellner an, uns doch noch etwas zu kredenzen. Wir haben die Teller kaum geleert, schon steht unser bedienender Freund  mit der Rechnung vor uns, da er endlich in den Feierabend gehen will.

Nette Runde im Hotel
Nette Runde im Hotel

Nachdem Marion noch schnell ein Fläschchen Rotwein für später gekauft hat, verlassen wir das Lokal – um direkt nebenan gleich noch  in ein kleines Weinlokal zu stolpern.
Eine Karaffe guten Merlot später geht es dann zurück ins Hotel, wo wir uns auf dem Zimmer noch die Flasche „Gute Nacht Wein“ von Marion schmecken lassen.

Nach der anstrengenden Woche und der ganzen Fahrerei von heute fallen mir aber ganz schnell die Augen zu.

Da auch alle anderen geschafft sind, geht es um 2:00 Uhr ins wohlverdiente Bett.

 


Bratislava

Sonntag, 24.05.2015 Bratislava (Maren)

Bratislava City Limit
Bratislava City Limit

Heute is Ausschlafen angesagt, Frühstück erst um 10:00 Uhr 😀

Beim Blick aus dem Fenster im 5. Stock sehn wir unten die Moppeds auf’m Hänger stehn, ganz allein :-/
Unsere Mädels-WG trudelt kurz nach vereinbarter Uhrzeit im Speisesaal ein, der seine Bezeichnung verdient hat. Die Hohen Wände werden verziert von allerlei Jagdtrophäen… Das Buffet ist super und reichhaltig, mit beladenen Tellern setzen wir uns zu den Jungs an’s Fenster.
Heute lassen wir’s ruhiger angehn, die letzten Tage waren doch ein bissel anstrengend. Gegen Mittag brechen wir auf um die Stadt zu erkunden, und laufen zur Bushaltestelle um die Ecke. Auf Nachfrage ob wir beim Busfahrer Tickets bekommen, winkt er uns nur ungeduldig weiter. Und dann geht es los: wer nicht sitzt und sich festhält, hat verloren!!!
Die „Null-Kilometer“ Platte beim Michaelertor
Die „Null-Kilometer“ Platte beim Michaelertor

Dringende Empfehlung an alle Adrenalinjunkies da draußen: Fahrt ne Runde mit dem Oberleitungsbus!!! Festhalten empfohlen, die Kurvenlage und der Fahrstil sind grandios! Ich kann gar net aufhören zu lachen 🙂

Nach dem Aussteigen bummeln wir durch die Fußgängerzone, unterm Michaelsturm lang in Richtung der Burg Bratislava, die hoch auf Felsen über der Donau thront. Es sind einige Stufen zu überwinden, aber der tolle Ausblick lohnt sich!
Vor dem Schloß findet gerade ein Food Festival statt, es duftet verführerisch aus allen Ecken, aber wir beschließen den aufkommenden Hunger lieber in der Altstadt in einer der vielen Kneipen mit traditioneller Küche zu stillen.
Most Slovenského národného povstania
Most Slovenského národného povstania

Danach setzen wir unseren Stadtrundgang fort, am Ufer der Donau entlang bis zur Brücke des slowakischen Nationalaufstandes, einer asymmetrische Schrägseilbrücke, auf deren Pylon sich auf 80m Höhe das Ufo-Restaurant befindet. Mit dem Fahrstuhl fahren wir zuerst auf die Aussichtsplattorm auf 95m Höhe, was eine phantastische Aussicht!

Im Ufo nehmen wir dann nen Kaffee zu uns, bemerkenswert sind die Toiletten: Außen verglast bis zum Boden, quasi pinkeln mit Weitblick… Nich wirklich was für Leute mit Höhenangst 😉
Weiter geht der Stadtbummel (Sonntags sind die Läden ja geschlossen, aber einige Kunst- und Andenkenläden haben geöffnet), bis wir uns in ner Rockkneipe beim Bierchen zum quatschen niederlassen. So geht der Tag au rum, und schwupps is Zeit für Abendessen…
Abendessen und ein gelungener Ausklang unserer Tour
Abendessen und ein gelungener Ausklang unserer Tour

Die Restaurants schließen ziemlich früh, aber wir finden noch ein nettes Lokal was uns versorgt. Die slowakische Küche ist ähnlich lecker und reichhaltig wie die rumänische.

Später nehmen wir den Nachtbus zurück in’s Hotel, die Fahrt ist ähnlich abenteuerlich, als Fußgänger muß man echt flitzen wenn so einer um die Ecke kommt 😀
Immer wieder im Verlauf des Tages kommen wir auf unsere Urlaubserlebnisse zu sprechen, jeder erinnert sich an andere Details, erzählt seine Sicht der Anekdoten, wir alle können gar nicht aufhören zu schwärmen…
Es fällt uns schwer, es ist der allerletzte gemeinsame Urlaubsabend, und wir sind zu einer tollen Truppe zusammengewachsen, aber irgendwann müssen wir doch in’s Bett…

Abschied

Pfingst-Montag, 25.05.2015 Nach Hause (Marion)

Lobby im Hotel Apollo
Lobby im Hotel Apollo

Auch die schönste Reise geht ein mal zu Ende und so kamen wir um 10:15 Uhr, bei angenehm warmen Temperaturen vom Hotel Apollo in Bratislava los und fuhren über Wien Richtung Linz, wo wir abermals im MC Donalds halt machten um uns zu verabschieden. Die Stimmung war etwas gedrückt und wir stärkten uns nochmals für den Rest des Weges, welcher sich kurz darauf trennte. Fred und Maren fuhr weiter über Passau nach Hause, Rebecca, Jürgen und ich fuhren über Salzburg. Das Wetter wurde immer schlechter und die Temperaturen der vergangen Tage waren nun auch wieder Vergangenheit und so kamen wir kurz vor 17 Uhr bei Jürgen zu Hause an. Im Hof vor dem Haus saßen bereits Franzi und Günter und erwarteten uns sehnsüchtig. Das Gepäck war schnell umgeladen, die Mopeds wurden ebenso schnell wieder vom Hänger befreit und so war noch kurz Zeit bei Franzi und Jürgen die Schildkröten und Vogelspinnen zu bestaunen.

Hier trennen sich unsere Wege (erstmal)
Hier trennen sich unsere Wege (erstmal)

Dann hieß es auch für mich Abschied zu nehmen, von meinen neuen Freunden, welche ich vor ein paar Wochen noch nicht kannte, mit denen ich aber sofort oder eigentlich am liebsten gleich noch einmal mein unbändiges Fernweh beruhigen würde. Wir, das Team EnduRoMania individual 2015 zusammengewürfelt aus der FB-Gruppe „Fernweh“ und dem „XT-Stammtisch.de“ freuen uns schon auf die nächsten Abenteuer mit Fred.

Fazit und Danksagung:

Rumänien, du hast uns alle in Deinen Bann gezogen, mit deinen freundlichen Menschen, dem super leckerem Essen, mit deiner unbändigen und atemberaubenden Natur, die es bei uns so nicht mehr gibt. Wir alle hoffen, dich bald wieder zu sehen.

Habe die Ehre ;)
Habe die Ehre 😉

Fred, Du bist ein großartiger Mensch, Du hast ein großes Herz. Du hast für uns selbstlos und kostenlos diese einzigartige Reise organisiert. Du hast uns alle zu Dir nach Hause eingeladen, wir wurden von Dir und Elisabeth bekocht und gut gebettet. Du hast Maren eines Deiner Schätzchen geliehen, damit sie mitkommen konnte, Du hast uns ‘Dein’ Rumänien gezeigt, Du hast uns Land und Leute näher gebracht, uns von so manchen Ängsten befreit, uns gestärkt für neue Wege. Wir alle sind dankbar und froh, Dich kennen gelernt zu haben und freuen uns schon auf ein Wiedersehen mit Dir.

Rebecca, Du hast uns allen gezeigt, das Größe nicht alles ist. Dein Möpi hat super durchgehalten und mitgemacht, was uns und so manchem KTM´ler im Camp hat insgeheim staunen lassen. Für Dich war es am schwierigsten die anspruchsvollen Trails zu fahren, Hut ab, Du bist ne taffe Frau.

Maren, Du bist über Dich hinaus gewachsen und alle waren sprachlos, als Du zum Schluss die steilsten Wege einfach, ohne links oder rechts zu schauen, hoch gefahren bist. Hut ab.

Jürgen, Du warst und bist unser Held, Du warst unser Kamerakind, Mechaniker, Mopedaufsteller und -ankicker, Chauffeur und Marmeladebrotschmierer, was hätten wir nur ohne Dich gemacht.

Ich für meinen Teil, hatte irrsinnigen Spaß mit euch allen, bin voll auf meine Kosten gekommen, was Moppedfahren anbelangt, habe viel gelernt, Moppedtechnisch und auch menschlich. Und Mädels, wir waren eine super WG!

Hoffentlich bis nächstes Jahr!


Rebecca:

Ihr Lieben, ich danke Euch allen für einen wunderbaren erholsamen Urlaub!!!

Ich freue mich riesig auf das nächste Mal!


Tracking des XT-Stammtisch.de beim Endurowandern in Rumänien 2015