Deutschland Tour

2020 Deutschland-Tour:

Tja, was soll man sagen die geplante Tour über die französischen Alpen ist einem kleinen Virus zum Opfer gefallen. Alternativen im weiteren Ausland waren nicht wirklich erstrebenswert, Grenzsperrungen und Quarantäneverordnungen machen eine Planung schier unmöglich. Somit stand nur noch das eigene Heimatland zur Verfügung. Die kürzlichen Shutdown-Lockerungen der Bundesländer machte es dann auch möglich.

Das Deutschland landschaftlich vieles zu bieten hat, ist schließlich bekannt und somit reifte folgender Tourplan; Bayrischer Wald – Erzgebirge – Sächsische Schweiz – Spreewald – Berlin – Mecklenburgische Seenplatte – Harz – Nördlicher Schwarzwald. 10 Tage wurden angesetzt, gute Wetterbedingungen vorausgesetzt.

Tag_1 (330km)
Frühmorgens um 7:00 Uhr ging es los. Jörg holte mich mit seiner Suzuki V-Strom 650 pünktlich ab. Mit Koffern und Zelt bepackt stand meine 660ger Tenere bereits vor der Haustüre. Wir wollten uns mit der Mitnahme unseres Camping-Equipments alle Übernachtungs-Optionen offenhalten, da wir in der Corona-Zeit auch auf Hotel-Vorreservierungen verzichtet haben.

Die Ein- und Zweizylinder-Motoren gestartet ging es nun vom Münchner Norden über Landstraßen grob Richtung Bayrischen Wald. Dabei fuhren wir über Freising, Moosburg, Straubing in dessen nördlichen Ausläufer. Das Wetter war hervorragend, Sonnenschein und blauer Himmel.

 

Die klasse geschwungene Strecke ab dem bayrischen Wald lies keine Wünsche offen und Cham hinter uns fuhren wir der ST2145 der Ortschaft Schönwald entgegen. ( https://kurv.gr/TgB7b ) Hier übernachteten wir im Hotel Gasthof Turm. Woher der Namen stammt ist klar ersichtlich. Die Unterkunft an sich bietet alles für unseren Zwischenstopp. Auch die Parkgelegenheit der Motorräder war ungewöhnlich…direkt vor unseren Zimmerfenstern. Zum Frühstück bekommt man neben Nutella auch gerne mal statt ein, zwei Eier serviert. Erwähnenswert: Hier wurden strikt die Corona-Maßnahmen, der bay. Landesregierung, umgesetzt.

 

Probleme machte nur mein Navi: TomTom Rider (SE), welches permanent, nach gekappter Dauerstromverbindung, die GPS-Verbindung verlor und diese nur noch nach einem „Not-Kaltstart“ wieder fand. Gaaanz schön nervig…, denn das sollte sich bis Ende der Tour auch nicht mehr ändern. Tag 1 wurde trotz allem mit einem schönen Sonnenuntergang verabschiedet…

Tag_2 (250km) ( https://kurv.gr/kPRbS )
Gut ausgeschlafen hatten wir nicht. Dies war nicht den Betten geschuldet, sondern dem Unwetter in der Nacht. Blitz und Donner störte die Biker-Nachtruhe. Und wie zu erwarten regnete es am frühen Morgen. Die Regenklamotten grazienhaft übergestreift fuhren wir nun der Tschechischen Grenze entlang. Auch hier zu erwähnen; eine erstklassige Motorradstrecke vom Vogtland bis hin ins Erzgebirge. Bei Schönwetter – auf trockenen Straßen – könnte man es hier schon mal richtig  „knacken“ lassen. Folgende Stopps waren in dieser Region geplant:

Der bekannte Bikertreffpunkt beim Talsperrenblick bei Neidhardtsthal. Wo jedoch aufgrund des Regenwetters kein Biker anzutreffen war… Trotzdem gönnten wir uns hier eine verdiente Kaffeepause…

 

… und beim Ort Wolkenstein, an der Bundesstraße S222, erblickt man das Schloss Wolkenstein, oben auf dem ca.80m hohen gelegenen Gneisfelsen. Am Fuße des Felsens steht ein stillgelegter roter Zug aus DDR-Zeiten, das „Wolkensteiner Zughotel“. Die Mitropa-Wagen werden immer noch als Restaurant genutzt. Im gegenüberliegenden Café „Burg Blick“ machten wir unsere Mittagspause mit leckerer Bockwurst und Kartoffelsalat und abschließendem Cappuccino.

  

Generell der Tschechischen Grenze entlang zu fahren ist ein Genuss. Meinungen gehen dahin, dass die tschechische Seite noch besser zu fahren ist. Das behalten wir uns mal im Hinterkopf. Der Weg führt uns weiter zum Landhotel Heidekrug in 01796 Cotta, süd-östlich bei Dresden. Das Hotel ist, aus meiner Sicht, wirklich zu empfehlen ( http://www.heidekrug-cotta.de ). Das nette Ambiente (dazu zählt u.a. der Trabi) wurde auch von anderen Motorradfahrern genutzt. Auf dem separatem Moped-Parkplatz standen neben einer Harley u.a. eine alte Kawa Z1000, sowie Yamaha Vmax, XJR1300 oder FJ1200.

  

Tag_3 (250km)
Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es von Cotta aus zur Bastei. Die Bastei ist eine Felsformation mit Aussichtsplattform in der Sächsischen Schweiz am rechten Ufer der Elbe auf dem Gebiet der Gemeinde Lohmen zwischen dem Kurort Rathen und der Stadt Wehlen. Sie zählt zu den meistbesuchten Touristenattraktionen der Sächsischen Schweiz. Von der Bastei fällt das schmale Felsriff über knapp 200 m steil zur Elbe ab. Sie bietet eine weite Aussicht ins Elbtal und über das Elbsandsteingebirge. Schwindelfrei sollte man sein…

 

 

Nachdem die Temperaturen schon fortgeschritten waren, und wir in den schweren Motorradklamotten in Wallung gerieten, gönnten wir uns auch hier noch eine obligatorische Cappuccino-Pause.

Danach schnurrten unsere Motorräder durch den bekannten Spreewald. Die Strecke dorthin war jedoch optisch in erster Linie der Agrarwirtschaft geschuldet. Weite Flächenfelder mit Mohn, Gerste und weiteren Getreidesorten waren stetiger Anblick. Die Streckenführung war recht unspektakulär und demnach nicht sonderlich attraktiv. Langweilige Geraden, mit Kieferwäldern links und rechts der Straße, prägten das Bild. Diese wurden nur durch die kleinen Dorfgemeinschaften unterbrochen. Beim Anblick der, aus meiner Erinnerung stammenden Sechzigerjahrehäuser, hatte man das Gefühl, dass hier die Wende noch nicht angekommen ist. Ein Beleg dazu wären die Kopfsteinpflasterstraßen und deren Unebenheiten…

  

Das auf dem Weg gelegene „Auto-Ost-Museum“ ( http://www.mobileweltdesostens.de ) hatte leider nicht geöffnet. Schade, dies wäre sicher interessant geworden. Die geplante „Besuchszeit“ wurde somit am Waschplatz investiert. Die Motorräder hatten es auch bitter nötig nach den vorangegangenen Regenfahrten.

 

Der erste angefahrene Spreewald-Campingplatz in Lübbenau, in der Nähe des Schlossbezirks, war bereits voll belegt. Das hatten wir nicht erwartet. Aber beim zweitem Campingplatz ( Spreewald-Camping Lübben ) klappte es mit einen Stellplatz für uns. Die Sanitären Anlagen wurden den Corona-Auflagen gerecht und waren gut geführt. Nach dem Zeltaufbau gab es Abendessen mit Tomatensuppe, Brötchen und Bratwurst. Tag 3 ging somit zu Ende…

Tag_4 (280km)

Brrrr… Die nächtlichen tiefen 10 Grad Celsius im Zelt ließen uns früher aufwachen als geplant. Nach heißem Kaffee aus dem Campingkocher, welcher die Lebensgeister erwachen lies, packten wir unsere sieben Sachen auf das motorisierte Zweirad und zogen von dannen.

Wiederum zogen die spreewaldtypischen Kiefer-Alleen an uns vorbei, bevor wir uns eine kurze Frühstückspause gönnten. Heute steht Berlin auf dem Zettel. Das heißt in erster Linie das Brandenburger Tor und der Regierungsbezirk mit Reichstag/Bundestag. Ich persönlich war noch nie dort, und somit nutzten wir die Gelegenheit einmal durch das Brandenburger Tor zu schreiten.

 

 

 

Nach der Besichtigung der imposanten Gebäude fuhren wir weiter. Dem McDonald auf dem Weg zur Mecklenburgischen Seenplatte konnten wir nicht wiederstehen, da sich bereits der Hunger meldete. Burger und Pommes wurden genüsslich verspeist… Berlin hinter uns wurde die Landschaft wieder so flach wie wir es aus der Spreewaldebene her kannten. Nur wurde das Bild durch grüne Wiesen ersetzt. Um schneller voran zu kommen nutzten wir diesmal auch die Autobahn…

Und da passierte es…, der hintere Teil meines Motorrades rauchte verdächtig und am Seitenstreifen angehalten roch es beißend nach verbranntem Kunststoff (!) Was war passiert: Mein Brustbeutel, in dem ich alle nötigen Ladekabel und das Powerpack transportierte, und eigentlich im Tankrucksack verstaut sein sollte, rutschte in Höhe des Auspuffs. Tja, was soll ich sagen der Beutel und alle Kabel waren verschmolzen – zu einem Brei aus Plastik und Elektronikteilen verkohlt. Beutel vom Motorrad entfernt – auf den Boden geworfen – und mit ´ner Wasserflasche gelöscht. Sch…ade. Pfff,…Staub aus den Klamotten klopfen, lächeln (es hätte schlimmer kommen können) und weiter geht´s… Ziel ist folgender bezeichneter Campingplatz: „Zielow an der Mürnitz“ gelegen am Seeufer 1.

Hier haben wir wiederum unsere Zelte aufgeschlagen. Der Campingplatz pflegt den Charme eines Bauernhof-Urlaubes. Viel Natur. Viel Ruhe. Dazu stiegen die Temperaturen auf 26 Grad, ideal zum Zelten. Auch die Nachttemperaturen fielen nicht unter 15 Grad und der Bauwagen hatte freien Stom und Wasserzugang – perfekt.

 

Allgemeine Info: Die Müritz ist ein See innerhalb der Mecklenburgischen Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist der größte See, der vollständig innerhalb Deutschlands liegt. Der Bodensee ist zwar größer, an ihm haben aber auch Österreich und die Schweiz Anteile.

 

Am See selber konnten wir neben den vielen Seevögelarten auch Wildgänse beobachten. Besonders der Anteil von Pferden ist in dieser Region beachtlich.

 

Tag_5 (Ruhetag / 65km)
Ja, den Ruhetag hier gönnen wir uns, Entspannung pur. Nur zum Einkaufen waren wir im ca. 33km entfernten Ort Waren/Müritz. Hier besorgte ich mir auch ein neues Handy-Ladekabel. Nach einem weiteren Spaziergang zum Seeufer machten wir uns zum Abendessen die typische Ravioli-Dose auf dem Gaskocher warm. Schließlich muss ja das Camper-Klischee hoch gehalten werden…

 

Am Abend wurde noch intensiv der Wetterbericht verfolgt…, dieser verhieß nichts Gutes. Im Nordwesten und Mitte Deutschlands wurde nur Regen angesagt. Damit wird die nächste Station, der Harz, buchstäblich ins Wasser fallen. Entscheidung; um nicht weiter im Nass zu fahren: schnellst möglich wieder zurück in den Süden…

Tag_6 (462km)  https://kurv.gr/WmWsC

Hmm, am Morgen spürte man es schon. Es kühlt merklich ab, die Sonne kam schon nicht heraus. Das heißt: Zelte abbrechen, rauf auf die Karre und ab Richtung Süden.

Um 8:30 Uhr sind wir los. Zum Frühstück gab es unsere letzten verbliebenen essbaren Köstlichkeiten und Kaffee aus der Gaskartusche. Bis zum Ziel, Burgkunstadt, sind es heute gute 460km. Das geht nur mit Unterstützung einer Autobahnfahrt. Es geht über Wittstock/Dosse und Brandenburg an der Havel bis Göritz der Landstraße entlang, um bei Köselitz auf die Autobahn zu kommen. Trotz der zügigen Wegbeschreitung mussten wir ca.160km im Regen fahren, bis wir bei Blintendorf wiederum die Landstraße nach Burgkunstadt nutzen konnten.

Tja, und hier sieht die Straßenführung wieder völlig anders aus. Wir sind in den Ausläufern des Mittelgebirges. Schöne kurvige Straßen und einige Höhenzüge machen dem Motorradfahrer sofort wieder bessere Laune.

Das Ziel heute: Hotel Gasthof „Drei Kronen“. Auch hier zweckmäßige Unterkunft. Im Hotel angekommen; Duschen und anschließend Essen. Mit der Erkenntnis: Im Bayern kann man schöner, reizvoller Motorradfahren als im Spreewald und an der Seenplatte.

Tag_ 7 (280km)

Frühstück 7:30, Start 8:14, Plan für die heutige Strecke… Fränkische Schweiz, Mühltal, Schobenhausen, Münchner Norden. Und so war es dann auch. An Nürnberg und Ingolstadt vorbei die Fränkische Schweiz zu durchfahren ist wiederum ein Genuss. Auch das bekannte Mühltal lässt keine Wünsche offen. Leider hat uns der Regen dann doch noch auf den letzten 40km erwischt, aber das ließ sich verschmerzen. Die Heimat war nah…

Fazit:

Es war eine schöne Corona-Tour. Leider konnten wir den Harz nicht mitnehmen (wetterbedingt), schließlich sind wir ja doch schon gut 500km von den über 1900km im Regen gefahren. Irgendwann ist man vom oberen Nass bedient… Doch die Fränkische Schweiz, das Erzgebirge, das Vogtland sowie der Bayrischer Wald mit Tschechien werden uns sicher nochmal wiedersehen…