Der XT-Stammtisch und der Ötztaler Mopedmarathon

Was haben die XT-Stammtischler mit dem Ötztaler Mopedverein gemeinsam? Auf den ersten Blick eher wenig, denn während wir mit 500ccm aufwärts unterwegs sind, jagen die Ötztaler mit 50ccm abwärts durch die Gegend.

Na ja, eine Gemeinsamkeit haben wir auf jeden Fall: Man muss ein wenig verrückt sein (im positiven Sinn).

Während wir alte Motorräder wieder auf die Straße bringen und am Leben halten, bewegen sich die Ötztaler auf Fahrzeugen, die wir mangels passender Fahrerlaubnis in der Teenagerzeit bewegt haben. Nun bin ich ja zweimal die Allgäu-Orient Rallye mitgefahren – auch so ein verrücktes Projekt – und habe dabei Leute kennengelernt, die zu den schwachmotorisierten Zweirädertreibern gehören. Von denen habe ich erfahren, dass sie auch dieses Jahr wieder einen Mopedmarathon veranstalten. Das Timmelsjoch (gehört schon seit Jahren zu meinen Favoriten) ist das Higlight, aber außenrum ist auch nicht ohne.

Sölden – Kühtai – Innsbruck – Brennerpass – Sterzing – Jaufenpass – St. Leonhard im Passeiertal – Timmelsjoch – Obergurgl – Sölden. Das sind die Eckpunkte der Tour. 239km Länge und 5.500 Höhenmeter. Ich kenne nicht wenige Motorradfahrer, die das als eine anstrengende Tour bezeichnen würden. Das Ganze mit einem Moped? Ja, richtig, so ein Moped, Mockick, Roller – alles was ein kleines Versicherungskennzeichen bekommt.

–> YouTube Link zu einem Film vom Mopedmarathon 2013 <–

Das ist so verrückt, da muss ich mit, denke ich mir und melde mich auch gleich an. Das Starterfeld ist auf 100 Startplätze begrenzt, ich bekomme die Nummer 98 – puh, Glück gehabt. Erst jetzt überlege ich mir, womit ich den Marathon überhaupt mitfahren will. Ich bin zwar im Besitz einer üppigen Motorradsammlung, Mopeds sind aber nur zwei darunter: Die Piaggio Ciao von Florian scheidet eh aus, denn das ist ein Mofa. Bleibt nur meine DKW Hummel. 1,35 PS ziehen nicht gerade die Butter vom Brot und erst recht nicht meinen Astralleib das Timmelsjoch hinauf. Gut, sie hätte Pedale, ich könnte mittreten. Was die Hummel schonen würde, kann ich mir ohne Sauerstoffzelt nicht wirklich vorstellen. Aber ich habe ja noch ein paar Wochen Zeit zum Überlegen.

Martins Rennmaterial - Eine Puch X50
Martins Rennmaterial – Eine Puch X50

Zwischenzeitlich erfahre ich, dass aufgrund der großen Nachfrage das Starterfeld um weitere 20 Fahrer erweitert wird. Ich schreibe einen Eintrag im XT-Stammtisch-Forum, ob nicht wer Lust hat, mich zu begleiten. Martin lässt sich begeistern und bekommt die Startnummer 115. Moped hat er auch keines. Chris überlegt zu lange und verpasst die Chance.

Während sich Martin gleich auf die Suche nach einem fahrbaren Untersatz macht, plane ich erstmal meine dreieinhalbwöchige Rumänientour. Noch bevor ich unterwegs bin, meldet Martin Vollzug: Er hat sich eine Puch X50 angelacht. Baujahr 1982 und 2,72 PS.

Während Martin auf den März wartet, um sich ein Versicherungskennzeichen zu holen, bin ich mit meiner Rumänientour beschäftigt. Nebenbei finde ich auf der Starterliste zwischen mir und Martin noch einen bekannnten Namen: Mit der Startnummer 104 ist ein gewisser Niki Lauda am Start. Wenn es wirklich der ist, an den ich denke, dann ist das für ihn sicher ein weit größerer Leistungsrückschritt als bei uns und unseren XT’s.

Ich komme aus Rumänien zurück und mache mich gleich auf die Suche nach einem Untersatz. Bald habe ich auch etwas passendes im Auge: Ein Mokick mit 4Takt-Motor aus den sechziger Jahren. Genau meine Kragenweite, ich kontaktiere den Besitzer, der aber gerade auf dem Sprung in den Urlaub ist. Als er zurückkommt, bin ich wieder auf dem Sprung: Endurowandern in Rumänien mit dem XT-Stammtisch steht an.

Das Renngerät vom Chris
Das Renngerät vom Chris

Während wir in Rumänien Land, Leute, Straßen und ‚keine Straßen‘ (OffRoad) genießen, schnappt mir doch glatt jemand das Moped vor der Nase weg. Der Besitzer hat noch ein zweites, das will aber schon gleich nicht anspringen und ist auch unvollständig. Wenn, dann will ich eine Ganze, die soll ja zu meiner Sammlung dazu. Er hat auch noch eine Fantic Trial rumstehen. Die klingelt ein wenig, läuft sonst aber gut. Den Marathon will ich mit ihr aber trotzdem nicht angehen. Mit den Knien an den Ohren wird das auf Dauer ein wenig unbequem.

In der eigenen Fundgrube stehen noch ein paar Fragmenthaufen herum. Die 80er habe ich bereits dem Jörg für seinen Filius geschenkt – die wäre aber eh zu groß. Zwei weitere Teilehaufen sind noch da. Eines davon ist eine Yamaha DT50MX – das wäre zumindest Stammtischkonform. Beim grob Zusammenstecken stelle ich aber fest, dass jede Menge Teile fehlen – vor allem Beleuchtung. So kann ich nicht auf die Straße. An den anderen Haufen habe ich mich bisher nie getraut, weil es zu dem Fahrzeug so gut wie keine Informationen im Netz gibt. Ob ich die wieder zum Laufen kriege?

Gerade als ich nach dem Stammtischabend aus der Tür unseres Stammtischlokales trete, bekomme ich einen Anruf von Chris, dass er – wie auch immer – noch einen Startplatz ergattert hat. Unser Team ist somit auf 3 Fahrer angewachsen. Chris wird sich eine Schwalbe unter den Hintern packen, die er für einen Bekannten gerade restauriert. Auf der Webseite des Mopedclubs sehe ich, dass sie die Teilnehmerzahl auf 150 erhöht haben, selbst aus Ostfriesland ist nun ein Team dabei. Chris hat die Nummer 141 bekommen.

— wird fortgesetzt —