2017 Sardinien (Offroad)

Beitrag ist nun komplett – viel Spaß beim Lesen…

…irgendwann Ende 2016. Bei einem Cappuccino, im Stammcafe, packt uns schon wieder das Fernweh. Tja, und nach kurzem Brainstorming stand auf einmal Sardinien auf dem Zettel. Das schrie förmlich nach Offroad. Somit Motto: Die XT´s aus den Schuppen zum Geländeschruppen.

Auf die dortigen Offroad-Trips haben wir uns im Vorfeld mit Lecktüre aus dem Internet versorgt: www.MDMOT.com . In den nachfolgenden Tagesberichten werden die Kürzel der Geländestrecken aus der o.g. Lecktüre verwendet (z.B.* S71*). Jörg hat die vorgegebenen GPS-Wegdaten, von dem mitgeorderten Datenträger, ins Garmin geladen. Darauf basierend strickten wir unsere Touren. Hat alles prima funktioniert.

Mai 2017 – wir sind bereits unterwegs über die Autobahn nach Livorno. 21:00 Uhr ist die planmäßige Abfahrt der Fähre. Mit der Rederei CORSIKA SARDINIA FERRIES und einer zugebuchten äußerst (!) gewöhnungsbedürftig (!) nicht erwartenden (!) schwankenden (!) Schlafkoje ging es, über Nacht, für gut 190-Euronen, pro Person, mit einem Auto + Hänger über den Teich, nach Golfo Aranci/Sardinien.

Nächster Morgen: Ankunft Sardinien 6:00 Uhr. Von Golfo Aranci über die Autostrada E840 nach Gonnesa, weit im Südwesten der Insel. Nach ca. 4 Stunden Fahrt, mit kurzer Pause auf Höhe Nuoro, incl. obligatorischen Cappuccino, kamen wir in unserem Ferienhaus (über booking.com vorgebucht) an. Die >Casetta Margherita< wird vom gastfreundlichen Giuseppe bewirtschaftet. Der Ausblick von der Veranda war… – gugg´selbst cool

Eine einfache Unterkunft – alles vorhanden, genug Platz für unser Vorhaben und vor allem Ruhe (das alles für 365€ die Woche) – echt genial. Internetverbindung hat man, hier am Rande Europas, jedoch nur mit etwas Glück, denn die äußerst örtlich begrenzten Zonen der gewohnten Übertragungsraten, z.B. auf der Lehne des Sofas oder der Ablage des Geschirrschrankes, waren hier Gold wert…da es im weiteren Umkreis nur bedingten Empfang gab.

Angekommen und die Yamaha´s abgeladen fuhren wir noch einen kurzen Trip der Küstenstraße entlang nach Nebida. Die dortige alte Mine war zwar gesperrt, aber am Strand konnten wir den SkySurfern zusehen, wie sie über die Wellen flitzten.

Montag Morgen. (*mit einem Lächeln auf den Lippen aufgestanden). Heute geht es über die Küstenstraße nach Buggeru. Das dortige geographische Inselareal ist dem Bergbau verschrieben. Immer wieder werden uns die vergangenen Zeugnisse, wie Bergbau-Ruinen, begleiten.

Wir folgen der (*S72*); es geht zum Dünenpass. Wer will kann dort dem Sandfahren frönen und sich entsprechend austoben.

Der SP83 und der SS126 folgend geht es nach Fluminimaggiore. Hier essen wir Penne al arabiata. Gesättigt und gestärkt treten wir in den Kickstarter. 29Grad im Schatten, staubige Piste,  an alten Gemäuern vorbei, immer weiter zur nächsten Bergbauruine. Die verrosteten Loren (*S61*) sind eine höchst interessante Sehenswürdigkeit. Bei der Stopp-Gelegenheit hab ich mich, in der Pampa, der Penne ala flotto otto wieder entledigt (ohne Worte).

Erleichtert, über das Geschäft, ging es über San Benedetto und Iglesias zurück zu unserem Ausgangspunkt Gonnesa. Echt ´ne klasse Offroad-Strecke…das machte Lust auf mehr…

Dienstag. Onroad-Tour. Von Gonnesa aus geht es in südliche Richtung der SS126 entlang nach S.Antioco. Die vorgelagerte Insel, Isola di Sant Antioco, ist über eine Landbrücke mit der Hauptinsel Sardinien verbunden. Von hier aus sind es nur noch ca. 250km Luftlinie zum afrikanischen Kontinent (!).

Gegen den Uhrzeigersinn umrunden unsere Einzylinder die zugehörige Küstenstraße. Nach der schwarzen Steinküste folgen wir den GPS-Daten, über staubige Pisten, zur Ostküste. Hier ist Sandstrand angesagt.

Die Wegsperrung der „alten“ Landbrückenverbindung zwingt uns den bereits gefahrenen Nachhauseweg auf. Für uns „Null-Problemo“. Den Tag lassen wir einfach im Meer badend, mit einem herrlichen Sonnenuntergang, ausklingen.

Mittwoch: Offroad pur. Von Gonnesa Richtung Nebida. Vor dem Ortseingang folgen wir rechts der Zufahrt zur (*S68*). Bis Monte Scorra konnten wir der Strecke folgen, bis uns ein geschlossenes Tor und der vorstehende Schafhirte die Durchfahrt verweigerte. So schnurren wir die halbe Strecke zurück, um über Iglesias der SS126 folgend in den nächsten Offroad-Einstieg (*S66*) nach Grugua einzutauchen.

Jedoch erweißt sich der erste eingeschlagene Weg, ein ausgewaschenes Flussbett, als unpassierbar. Die heiß gefahrenen XT-Motoren und wir haben, im Schatten der Bäume, eine Pause verdient. Flüssigkeit zu uns nehmend, sehen wir gegenüber am Hang wie Einheimische Kork abbauen.

Dem Streckenabschnitt (*S66*) folgen wir, im 2ten Anlauf, von ca. 600 Höhenmeter, Hang abwärts, an gemauerten Gemäuern und Ställen vorbei, durch die Schlucht ins Tal, nach Buggeru. Unerwarteter Weise kommen uns auf der Höhe der verlassenen Zink-Mine Mountenbiker (!) entgegen – Respekt. Und „Oh-Schreck“ mir geht das Benzin aus (!). Gut das es bergab geht und mit der Reserve schaffe ich es noch ohne Probleme zur nächsten Tankstelle.

Nach erfolgreichem zurück gelegtem Weg begrüßt uns das blau schimmernde Mittelmeer. Im schönen Hafenstättchen Buggeru lassen wir uns noch mit Spagetti Promodoro verwöhnen. Die Küstenstraße absolviert, Tages ausklingend, gönnen wir uns im Stadtzentrum Gonnesa´s zusätzlich noch einen gepflegten Cappocino. Den haben wir uns verdient…

Es ist Donnertag. Die Gelände-Oldtimer (die XT´s sind Baujahr 1982 und 1983) tragen uns heute zur größten Sanddüne Europas. Diese befindet sich an der Costa Verde auf der Höhe des Flusses Rio Piscinas. Die Stollenreifen tragen uns über die SP83 und SS126 nach Gennamari. Der Offrod-Strecke (*S73*) folgen wir zu einer großen verlassenen Schürfmine (Jörg musste hier auch mal…Pause machen).

 

Verschlossene Gatter konnten wir umgehen und wurden anschließend von einem feinen Sand-Strand begrüßt. Diese Strand-Düne hat wirklich ein beachtliches Ausmaß.

30Grad im Schatten – der Schweiß sammelt sich in den Cross-Stiefeln. Nach ´ner kühlen Coke geht es weiter (*S64a*) dem roten Flussbett des Rio Piscinas folgend Richtung Ingurtosu.

Die rostrotbraune Farbe des Wassers verdankt der Fluss den eisenhaltigen Substanzen in der dortig abgebautenen Erde.  Nach mehr als ein dutzend Flussdurchquerungen erreichen wir das Dorf Montevecchio.

An einer Kirche lassen wir wiederrum die überhitzten Motoren abkühlen, dabei bemerke ich den Verlust meiner Jacke (2nd Layer)…Sch..ade. Der Geländeeinsatz hatte es in sich – war aber, für mich persönlich, der geilste Steckenabschnitt. Auch die Asphaltstrecke der SS126 zurück nach Gonnesa ist super zu fahren. Kurvenschwingen vom Feinsten. Am Abend wurde noch der Grill angeheizt und später die Sonne, beim Untergehen, mit einem Gläschen Wein verabschiedet.

Freitag. Heute ist Ruhetag angesagt. Wir gönnen uns einen Strandtag, schließlich sind wir ja im Urlaub. Wir packen ohne Stess die angestaubten Klamotten und Motorräder auf dem Hänger. Es geht früh morgens nach Cala Gonone – am Golf von Orosei.

Samstag. Zweite Woche – Sardinien – Offroad. Wir sind nun im Nordosten der Mittelmeerinsel. Wie für die erste Woche haben wir auch dort unsere Unterkunft vorab Online gebucht. Über FeWo-direkt reservierten wir auf Cala Gonone´s Campingplatz einen Bungalow. Zweckmäßige Unterkunft. Auch hier, alles vorhanden was man(n) braucht.

Die beiden YAMAHAs erhalten eine intensivere Tagespflege als sonst. Danach Druck auf den Kicker. Mit dumpfem Auspuffsound geht es über den kleinen Serpentinen-Rundkurs nach Dorgali und zurück zum Hafen von Cala Gonone. Hier schauen wir dem Showlaufen der Moto-Biker mit ihrem motoriererten Zweirädern zu und gönnen uns lächelnd ein italienisches Waffel-Eis.

Sonntag. Heute geht es zum Monte Tuttavista. Mehrere Highlights erwarten uns. Von Cala Gonone nach Dorgali der S125 entlang. Ca. 5km vor Orosei beginnt die Offroadstrecke (*S39*) zum Felsentor „Pedra Istampada“. Um das Felsentor zu betrachten muss man noch kurz gut 5 Minuten lohnenden Fußweg zurücklegen.

Weiter geht es zum Monte Tuttavista. Oben steht einer der vielen Feuerwachttürme. Die Aussicht/Rundumblick ist hier wirklich sehr imposant.

Die nachfolgende Abfahrt (andere Seite des Berges) ist doch recht „knackig“…Jörg empfand die Strecke so anziehend, dass sie in der Woche noch mal auf dem Programm stand – aber dazu später.

Die Stollenreifen folgen dem Asphaltband der S125 nach Siniscola. In einer Pizzeria nehmen wir eine Auszeit um im Anschluss über den Höhenzug der S3 und S38 (nebenbei erwähnt: Topstrecke es geht bis auf 800m Höhe; siehe Schnee-Schild) zurück zum Campingplatz.

Montag. Hitze und Staub…Von Cala Gonone nach Dorgali geht es westlich der S38 und S46 Richtung Nuora. Kurz vor der Ortschaft Nostra S. di Monserrato folgen wir der (*S28*) zum Monte Tiscan. Der Planet brannte: Pause für Mensch und Maschine im Schatten der Bäume. Schweißtreibende Wald- und Furtdurchfahrt…

Nachdem die o.g. Strecke in einem Tal liegt und die Sonne dieses ungehindert aufheizen konnte, sammelt sich langsam der Schweiß in der Ar…ritze.

Das Letzte Bergbau-Gemäuer hinter uns, klopften wir erst mal den Staub aus den Klamotten. Rückfahrt über die S22 – S129 – S38 ohne Unterbrechung geht es zur Eisdiele nach Cala Gonone. Den Eis-Becher und die eisgekühlte Coke hatten wir uns echt verdient.

Dienstag. Berg und Tal. Wieder von Dorgali der S46 nach Oliena folgend. Vor Orgosolo liegt rechte Hand der Einstieg zur Offroadstrecke (*S38*).

Trotz der abgerutschten Brücke kommen wir gut voran. Die Gegend ist wunderschön aber verblasst in Punkto Offroad gegenüber den anderen Strecken. Am Zulauf des Lago di Olai machen wir Brotzeit. Dabei fällt Jörg auf das mein Acerbis-Tank tiefer liegt (!?) Die Reparatur gestaltet sich einfach; Mit einen Stück Draht wird das Problem gelöst. Meine vorherige Tanksicherung (großer Kabelbinder) hielt den Belastungen nicht stand.

Die TKC-80-Reifen tragen uns nun südwärts von der S389var – zur S56 über einen Sattelpass auf 1244m nach Urzulei. Wir genehmigen uns an einem der zahlreichen Bikertreffpunkte einen Cappuchino und cillen in der Sonne. Auf der wohlbekannten S125 (keine Frage = super zu fahren, aber auch Hausstrecke aller Sardinien-Biker…) geht es zurück nach Cala Gonone.

 

Mittwoch. Siehe Tour Sonntag. Vorbei am Granitplatten-Steinbruch, sind wir die Tour nur anders herum gefahren. Dabei hat sich die Abfahrt vom Feuerwachtturm, jetzt Auffahrt, tatsächlich als recht anspruchsvoll erwiesen.

Der tiefe grieselige Sand hatte es in sich. Nach absolvierten 114km ließen wir denn Tag mit Cappo und gutem Essen in Cala Gonone ausklingen.

Donnertag fuhren wir nur die (*S29*). Knapp 20km vom Campingplatz entfernt umfasst diese Rundstrecke ein schönes Tal. Einige ausgewaschene Abschnitte und eine überraschende Einkehr machten den Trip zum Vergnügen.

Mit einer Furt-Durchfahrt ging die Halbtagesausfahrt zu Ende. Am Nachmittag wurden die 550ccm XT´s aufgeladen. Danach ging es zum Strand – ausspannen und noch ein wenig Sonnenbräune mitnehmen. Morgen geht es zurück zum Festland.

Freitag. Abfahrt nach Golfo Aranci. Hmm, interessanterweise essen wir hier, am Abschiedstag, die erste italienische Pizza.

Die Fähre legte um ca. 20:00, nach Livorno, ab. Sardinien hat sich wirklich geloht. Offroad ein tolles Eldorado. Der südwestliche Teil hat mir persönlich besser gefallen – weniger Verkehr, mehr Natur, ursprünglicher. Der nördlichere Teil Sardiniens ist bei weitem touristischer ausgelegt. Sicherlich für jeden was dabei. Aber das Wichtigste – wir sind gesund, nach 2 Wochen geländewühlen, nach Hause gekommen.

Die ewige Frage…Welche Insel hat mehr zu bieten; Korsika oder Sardinien? …die Frage ist, so meine ich, nicht zu beantworten…

  • Korsika ist kompakter, von der Natur intensiver, für leichte (Reise-) Enduro´s sehr gut geeignet.
  • Sardinien ist weitläufiger, daher besser für Straßenmaschinen, aber auch Offroad ein erstklassiges Ziel. Wie schon erwähnt; der Südwesten hat was.