XT-Stammtisch

Das lockere (markenoffene) Treffen von Motorradfahrern und Fahrerinnen aus dem Großraum München. Benzingespräche, gegenseitige Hilfe, Tipps, gemeinsame Aktivitäten, Touren, Training usw. sind Grundlage und Ziel
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 Betreff des Beitrags: TET Schweden 2021
BeitragVerfasst: 16.01.2022, 17:32 
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Registriert: 07.04.2020, 18:07
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Hallöchen,
jetzt war ich ja echt lang abwesend. Aber hier ist mal ein Update wie es der XT im Sommerurlaub ergangen ist (inklusive Reisebericht):
Am 07.08.2021 sind Andreas (Honda CB500X) und ich (XT550) Richtung Rostock losgefahren. Die Fähre nach Trelleborg hatten wir noch nicht gebucht, da wir nicht über Autobahn, sondern Land- und Bundesstraßen nach oben fahren wollten. Am ersten Tag sind wir bis Höhe Halle gekommen, die XT hat am Zylinderkopf etwas Öl geschwitzt, erst mal nicht weiter tragisch. Abends wurde noch die Fähre und ein Hotel in Trelleborg gebucht für den 10.08..
Am nächsten Tag gings nach einem späten Frühstück bis zur Mecklenburgischen Seenplatte. Öl wurde etwas mehr, aber weiterhin nicht weiter besorgniserregend. Ölstand hab ich bei jedem 2, Tankstopp kontrolliert um nicht wieder mit `nem Motorschaden dazustehen wie letzten Urlaub. Ein Ersatzliter hatte ich auch mit dabei. Vorsichtshalber. Andreas Vorderreifen sieht nicht mehr so toll aus, eigentlich hatte der Hinterreifen weniger Profil, aber durch das nach hinten verlagerte Gewicht hat sich der Vorderreifen aufgerieben. Einen Ersatz TKC80 zu bekommen gestaltet sich als unmöglich.
Am dritten Tag kamen wir in Rostock an. Öl kam nun vermehrt, tropfte auch auf den Krümmer, nicht mehr so cool. Da sich durch einige Feldwege auch schon Dreck mit angesetzt hat war nicht mehr so richtig zu sehen wo das Öl den genau herkam. Eine Waschanlage sollte Klarheit bringen, wir dachten dann an der Schraube mittig zwischen den Krümmern, die den Zylinderkopf festzieht. Im Autofachhandel haben wir noch eine Dose Bremsenreiniger, Lappen und eine Silikondichtmasse erstanden. Abends auf dem Campingplatz Nähe Rostock hab ich mich drangesetzt da mal abzudichten. Nach einer kurzen Probefahrt sah das soweit auch gut aus und über Nacht konnte die Dichtmasse noch nachtrocknen.
Auf dem Weg zur Fähre dann der Schock: Öl LÄUFT und tropft auf den Krümmer, sodass ich eine Rauchschwade hinterherziehe, da war klar, dass hier die Reise erst mal zu Ende ist. So lassen die uns nicht auf die Fähre und in Schweden ist das Problem dann ja nicht weg. Auf dem Campingplatz angerufen ob wir bei ihm im Stall schrauben könne. Andreas hat eine andere Dichtmasse ähnlich Curil T und noch mehr Lappen besorgt. Der Besitzer hat uns nen trockenen Platz geschaffen und uns auch sein Werkzeug angeboten. Fähre und Hotelbuchung auf den nächsten Tag verschoben und los ging die Problemsuche. Die Ölsteigleitungsdichtung… nur knapp 800km alt… rissig und hart. Nach Rücksprache mit Hans haben wir versucht eine neue aufzutreiben. Am Ende wurde ein Stück Benzinschlauch verbaut, die Hoffnung war, dass das die restlichen drei Wochen Urlaub hält und ich mich erst zuhause wieder darum kümmern muss. Nach 6 Stunden Arbeit ohne Pause läuft die XT wieder, ohne Öl zu verlieren! Andreas hat sogar noch nen neuen Reifen auftun können, den er morgen vor der Fähre noch verbaut.
Nach dem Frühstück geht’s zum Reifenhändler, der erst mal skeptisch ist und sagt, dass er erst nachmittags Zeit hat den Reifen auszubauen und einen neuen aufzuziehen. Andreas bietet an den Reifen selber auszubauen, wir haben ja ein Trialstand dabei, da beide Maschinen ja keinen Hauptständer haben. Die haben vielleicht Augen gemacht, als sie die Honda da ohne Vorderreifen haben stehen sehen :D war dann kein Problem grad schnell den neuen Reifen (Heidenau K60 Scout) aufzuziehen. Auf der Fährüberfahrt sind wir auf einen anderen Motorradfahrer getroffen, der auch den TET fahren möchte, aber gleich nach Ankunft der Fähre (22 Uhr) weiterfahren möchte.

Endlich in Schweden! Erst der Ostsee und der Trelleborgen einen Besuch abgestattet, bevor es bei feinstem Sonnenschein Richtung Malmö und dem Beginn des schwedischen TET geht. Über kleine Landstraßen mit viel Schotter geht es langsam nordwärts. Wir haben nichts gebucht und fahren so lange wir lustig sind, bevor wir uns nach einem Nachtlager umsehen. Durch Zufall geraten wir auf einen Hof, der früher mal ein Yamaha Club Haus war! Einer der Betreiber spricht deutsch und lädt uns zum Grillabend ein. Spontan beschließen wir noch eine zweite Nacht zu bleiben und fahren am nächsten Tag nach Lund und nach Kullaberg, einem Leuchtturm auf einer Windumtosten Klippe.
Wir folgen immer weiter dem TET, das Wetter ist unverändert gut. Tagsüber sehr warm und sonnig, nachts wird es mit Sonnenuntergang aber schnell frisch. Beim ersten Mal wildcampen treffen wir auf einen Dänen mit seiner BMW, der häufig für ein Wochenende nach Schweden fährt. Wir stellen uns zu ihm und quatschen den ganzen Abend.
Am nächsten Morgen fällt wieder ein leichter Ölfilm an den Kühlrippen der XT auf... um die Schwedische Umwelt nicht zu belasten klemme ich gleich einen Lappen dazwischen, der mit einem Stück Draht fixiert wird. Es scheint erst mal nicht schlimmer zu werden. Heut wird die Landschaft so wie ich mir Schweden vorgestellt habe: dunkle Wälder, Einsamkeit, verstreut einsame Höfe. Wir kommen an einer Gruppe Schweden vorbei, die den TET in südlicher Richtung fährt. Kurz darauf holt uns ein Deutscher ein, der uns den Tipp gibt heute eine feste Unterkunft zu suchen, da eine Regenfront kommt. Auf einem Campingplatz buchen wir ein Hüttchen, es regnet tatsächlich Nachts und auch am nächsten Morgen – also legen wir einen Pausentag ein und bleiben noch eine zweiter Woche. Der Ölfluss macht mir etwas Sorgen, bin mir nicht sicher ob das bis zur Rückreise hält… Ersatzteile nach Schweden schicken lassen ist unheimlich teuer und zeitaufwendig. Eine Freundin kommt in einer Woche nach Schweden, sie wird mir ein Ersatzteil mitbringen!
Am nächsten Morgen: nach nur 5km ist der Lappen Öldurchtränkt… so kommen wir nicht weiter. Auf der Suche nach einer Lösung stoße ich auf einen Motorradersatzteilhändler, der mit alten Japanern handelt und nur 30km entfernt ist. Da fahren wir hin! Das Lager ist die Wucht, so viele Teile hab ich noch nie gesehen! Und er hat den dringend benötigten Dichtring auf Lager – zweimal! Wir dürfen seine Hebebühne in der Werkstatt verwenden! In Rekordzeit (5 Std. 40) ist der Motor wieder abgedichtet. So viel Schwedische Gastfreundschaft! Einen ordentlichen Motorschutz einer XT600 hab ich mit gleich noch mitgenommen. Wir schaffen es nur noch auf den Campingpatz und uns ein Tütenessen zuzubereiten so KO waren wir.
Es geht wieder weiter auf der TET – mit leichterem Herzen und ohne Ölverluste. Das Gelände wird anspruchsvoller, Sand, grobe Steine und Matsch wechseln sich ab. So hab ich mir das Offroad – Fahren vorgestellt. Die XT und die Honda hüpfen fröhlich unter uns in den Dreck. Entlang vieler Seen und einsamen Höfen fahren wir Stück für Stück nordwärts. Das Leben ist wieder ein Stück leichter geoworden. Der Plan für die nächsten Tage ist bis nördlich des Vättern zu fahren und dann mit der Freundin an dessen Ostufer zusammenzutreffen. Wir fahren von da aus nach Vimmerby und weiter an die Ostseeküste, während sie nach Stockholm weiterfährt. In Vimmerby bleiben wir zwei Tage und schauen uns den Geburtsort Astrid Lindgrens an.
An der Ostseeküste gibt’s den ersten Sturz des Urlaubs. Ich habe zu viel in die Landschaft geguckt und eine Rechtskurve übersehen. Nichts passiert außer einmal im Staub gebadet, einen Handprotektor hats verschoben und das Bremspedal leicht verbogen. Danach geht’s aufmerksamer und langsamer voran. Abends kommen Schmerzen im Nacken dazu, den konnte ich die nächsten zwei Tage nur schwer bewegen, Andreas übernimmt die Schulterblicke nach kommenden Verkehr. Auch das schlechte Wetter holt uns noch ein und begleitet uns die letzten drei Tage in Schweden.
In Kalmar besichtigen wir das Schloss, man sieht in den Mauern noch die Kanonenkugeln von einer lang zurückliegenden Belagerung. Und in Ryd schauen wir uns den Autofriedhof an. Irgendwie traurig wie dort alles langsam verrostet und von der Natur zurückerobert wird.
Unser vorletzter Tag bringt uns zurück an die Südspitze, da das Wetter immer noch nicht besser geworden ist und wir den ganzen Tag durch Regen gefahren sind, beschließen wir in einem Hotel zu Trocknen und einen entspannten Abend zu genießen.
Auf dem Weg zur Fähre machen wir an Schwedens südlichstem Punkt, Smygehuk, halt und genießen die Sonne (jetzt wo wir fahren hats natürlich wieder top Wetter…).

Zurück in Deutschland treffen wir uns mit Freunden (Sprinter 4x4) und fahren den deutschen Teil des TET bis über die Elbe. Eine Wasserdurchfahrt und eine Fahrt mit der Schwebefähre inklusive.
An der Nordsee trennen sich unsere Wege. Wir fahren nach Hannover, wo die Mopeds zwei Wochen bei Bekannten stehen werden, da wir Mitte September hier oben ein Offroad Training absolvieren werden.
Die XT bekommt ihren neuen Motorschutz angepasst und zwei neue Ansaugstutzen (auch eigentlich von der 600er), da sich die alten vollständig zerlegt hatten und die ganze Kiste am Ende einfach nur grottenschlecht lief.

Seit dem Urlaub sind einige Monate vergangen. Die XT läuft einwandfrei, allerdings kam im Dezember wieder Öl vorne zwischen den Krümmer raus. Nicht viel, aber genug um zu nerven. Anfang Januar haben wir den Motor nochmal raus: die Zylinderkopfschrauben waren locker… absolut peinlich! Ich würde mal sagen, das Drehmoment im Handbuch steht nicht ohne Grund drin. Jetzt ist da aber alles wieder nach Vorschrift festgezogen. Die große Testfahrt steht noch aus. In der Schrauberwoche hat auch die kleine XT259 neue Motordichtungen bekommen und ist wieder Straßenverkehrstauglich.

Viel Spaß beim Lesen!
Viele Grüße und einen guten Start in die neue Saison, ulla


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 Betreff des Beitrags: Re: TET Schweden 2021
BeitragVerfasst: 21.01.2022, 18:32 
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Beiträge: 3434
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Hut ab, Ulla!

Wir alten waren früher auch so unterwegs, da wurde auch mal eine Kopfdichtung aus nem Tetrapack geschnitzt oder ein Loch im Tank mit Kaugummi abgedichtet.
Heute kommt das bei mir nimmer so oft zum Einsatz, weil die Moppeds keinen Wartungsstau haben, weil man die Kinderkrankheiten und Schwachstellen kennt - zum Beispiel der Dichtring aus Deiner Geschichte. Mir ist es einmal genauso gegangen, seitdem ist das erste, was ich tue, wenn ich den Athena-Dichtsatz öffne, dass ich diese Dichtung rausnehme und sofort in den Müll werfe.

Deine Geschichte hier erinnert mich an so einige meiner Touren vor vielen Jahren. Ich weiß auch nicht, wann ich zum letzten Mal so einen Bericht von Leuten aus Deiner Generation gelesen habe.

Hast auch ein paar Bilder dazu? Dann würde der gut auf die Webseite passen. Da wäre er auch einfacher zu lesen.

Fred

_________________
--- Enduro fängt da an wo der Spaß aufhört ---

Alles zur XT550: http://www.xt550.net


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 Betreff des Beitrags: Re: TET Schweden 2021
BeitragVerfasst: 25.01.2022, 10:54 
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Registriert: 07.04.2020, 18:07
Beiträge: 72
Freut mich, dass dir der Bericht gefällt.
Das nochmal Revue passieren zu lassen... Gleich wieder Lust gekriegt loszufahren.

Die ganzen Arbeiten gingen alle mit unserem Bordwerkzeug vonstatten, nur eine 19er Nuss fehlt noch :D

Fotos hab ich in die Cloud hochgeladen:
https://nextcloud.baiters.de/s/SpHHZf3ZCBGaJXF


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 Betreff des Beitrags: Re: TET Schweden 2021
BeitragVerfasst: 26.01.2022, 08:54 
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Beiträge: 735
Wohnort: Neubiberg
Ich kannte ihn ja schon aus dem AiA-Forum, hier gefällt er mir aber auch *THUMBS UP*

Gruß
Hans


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 Betreff des Beitrags: Re: TET Schweden 2021
BeitragVerfasst: 20.03.2022, 11:44 
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Beiträge: 195
Wohnort: 85221 Dachau
Super 👍

_________________
Drive your XT and have a nice day...


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